80 Tote bei Anschlag nahe deutscher Botschaft in Kabul

Die neue Afghanistan-Strategie von US-Präsident Donald Trump ist in Deutschland auf ein geteiltes Echo gestoßen. [Foto: llucky78/Shutterstock]

Bei einem Bombenanschlag nahe der deutschen Botschaft in Kabul sind mindestens 80 Menschen getötet worden. Ob die Taliban oder der IS verantwortlich sind, ist unklar.

Ein Bombenattentat hat am Mittwoch das Botschaftsareal im afghanischen Kabul erschüttert. Die Zahl der Verletzten liege bei mehr als 350, sagte ein Vertreter der Gesundheitsbehörde.

Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die in einem Abwassertankwagen versteckte Bombe sei zwar unweit des Zugangs zur deutschen Botschaft detoniert. Das Ziel des Anschlags sei jedoch unklar, da sich auch andere Vertretungen und der Präsidentenpalast in der Umgebung befänden. Außenminister Sigmar Gabriel zufolge wurde ein afghanischer Wachmann an der deutschen Vertretung getötet. Die Bundesregierung setzte zunächst Sammelrückführungen abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan aus.

Die Explosion fand zur Hauptverkehrszeit statt. In einer Erklärung der Nato hieß es, die afghanischen Sicherheitskräfte hätten dem Fahrzeug den Zugang zur stark bewachten Grünen Zone verwehrt, in der viele Botschaften angesiedelt sind. Gabriel zufolge waren unter den Verletzten Bedienstete der deutschen Vertretung. Alle Mitarbeiter befänden sich inzwischen in Sicherheit. Kanzlerin Angela Merkel sagte, der Kampf gegen Terroristen werde gewonnen.

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„Wie ein Erdbeben“

Aus Sicherheitskreisen verlautete, die deutsche Botschaft sei erheblich beschädigt. Auch über Schäden an den Vertretungen von Frankreich, China und der Türkei gab es Berichte. Die ungewöhnlich starke Explosion ließ noch in Hunderten Metern Entfernung Fenster bersten und riss Türen aus den Angeln. Am Tatort waren eingestürzte Mauern, brennende Trümmer und zerstörte Autos zu sehen. Zu den Krankenhäusern wurden Leichen gebracht, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren. „Es fühlte sich an wie ein Erdbeben“, sagte ein 21-jähriger Bankangestellter, der am Kopf verletzt wurde.

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte in Berlin, in den kommenden Tagen werde es keine Sammelrückführungen nach Afghanistan geben. „Die deutsche Botschaft in Kabul hat eine wichtige logistische Rolle beim Empfang rückgeführter Personen vor Ort.“ Dies könnten die Mitarbeiter jedoch so kurz nach dem Abschlag nicht leisten.

De Maizière: Deutschland schiebt "behutsam" nach Afghanistan ab

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere nennt die Abschiebungen nach Afghanistan unverzichtbar. Auch andere Staaten in Europa würden dorthin abschieben.

An dem Prinzip der Rückführung werde jedoch festgehalten: „Dieser Grundsatz gilt nach wie vor auch für Afghanistan.“ Grüne und Linke haben einen sofortigen Stopp der Abschiebungen gefordert. Merkel hatte die Abschiebung von Afghanen Anfang April verteidigt,[nL8N1HF3V0] der Bundestag verabschiedete Mitte Mai ein Gesetz für schnellere Abschiebungen.

Die „Welt“ berichtete unter Berufung auf Insider von erheblichen Mängeln bei Asylverfahren in Deutschland. „Bei Antragsstellern aus Afghanistan wurden solche Mängel bei mehr als 45 Prozent der überprüften Entscheidungen festgestellt.“

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Diskussion über weitere Truppen für Afghanistan

Die radikalislamischen Taliban wiesen die Verantwortung für den Anschlag zurück. Man verurteile derartige Angriffe, bei der Zivilisten getötet würden, hieß es in einer Erklärung. Die Taliban haben wie der Islamische Staat zuletzt vermehrt Anschläge in Afghanistan verübt. Dort hat die Gewalt seit dem Abzug der meisten internationalen Soldaten Ende 2014 zugenommen. Die Taliban kontrollieren oder haben Einfluss auf mehr als 40 Prozent des Landes, wie aus US-Schätzungen hervorgeht.

In den USA wird deswegen über eine Aufstockung der Truppen debattiert. Präsident Donald Trump soll in Kürze über den Vorschlag entscheiden, die etwas mehr als 10.000 Nato-Ausbilder und Anti-Terror-Einheiten um bis zu 5000 Soldaten zu ergänzen. Der SPD-Wehrexperte Rainer Arnold sprach sich gegen die Entsendung weiterer Bundeswehrsoldaten aus. Dadurch würden keine Anschläge verhindert, sagte er dem „Tagesspiegel“. Am Hindukusch sind etwa 900 deutsche Soldaten im Einsatz.

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