500 Patienten werden von der Ukraine nach ganz Europa verlegt

Es sind genau 100 Tage seit der russischen Invasion in der Ukraine vergangen. Schon sehr früh gab es Warnungen vor Engpässen bei der medizinischen Versorgung und Angriffen auf das Gesundheitswesen des Landes, einschließlich Angriffen auf medizinisches Personal und ganze Krankenhäuser. [Stringer/EPA/EFE]

Seit Freitag (3. Juni) wurden 500 Patient:innen aus der Ukraine, Moldawien und den angrenzenden EU-Mitgliedstaaten in Krankenhäuser in ganz Europa verlegt, um dort weiter behandelt zu werden oder dringende medizinische Hilfe zu erhalten, wie die Europäische Kommission mitteilte.

Die Ankündigung vom Freitag erfolgte nach zahlreichen Berichten über die Belastung des ukrainischen Gesundheitswesens infolge der russischen Invasion und über die Schwierigkeiten der angrenzenden Länder, die zahlreichen ukrainischen Flüchtlinge medizinisch zu versorgen.

Die Patient:innen wurden in Krankenhäuser in Belgien, Deutschland, Dänemark, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Rumänien und Schweden gebracht, wo sie behandelt werden.

Laut der Kommission erfolgen die Verlegungen über den Solidaritätsmechanismus, ein System für medizinische Verlegungen im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens (rescEU). Über das Frühwarn- und Reaktionssystem (EWRS) wurden auch die medizinischen Daten der Patienten übermittelt.

„Die EU hat eine Hilfsaktion von beispiellosem Ausmaß und Tempo mobilisiert, um die Ukraine und ihre Bevölkerung zu unterstützen und zu schützen“, sagte die für Gesundheit zuständige Kommissarin Stella Kyriakides in einer Erklärung zu dem Transfer.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarčič, erklärte, dass „wir eine spezialisierte Behandlung organisieren müssen, sowohl für Patienten mit chronischen Krankheiten als auch für diejenigen, die im Krieg verletzt wurden.“

„Die EU arbeitet rund um die Uhr daran, die medizinischen Evakuierungen ukrainischer Patienten über ihren Katastrophenschutzverfahren zu koordinieren. Da wir nun den Meilenstein von 500 ukrainischen Patienten überschritten haben, die in Krankenhäuser in ganz Europa verlegt wurden, möchte ich allen Ländern danken, die Betten für diese Patienten zur Verfügung gestellt haben, damit sie die Behandlung erhalten, die sie so dringend benötigen“, fügte er hinzu.

Die EU hat rund 243 Millionen Euro für humanitäre Hilfsprojekte zur Unterstützung von geflüchteten Zivilist:innen zur Verfügung gestellt. Dazu gehört auch die Unterstützung der Gesundheitsversorgung.

Weitere 300 Millionen Euro sind in Nothilfeprogramme geflossen, die den Zugang zu grundlegenden Gütern und Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheitsfürsorge und Lebensmitteln sichern sollen. Die Hilfe wurde auch über die medizinischen Lagerbestände von rescEU bereitgestellt.

Darüber hinaus haben die EU-Mitgliedstaaten auch über das EU-Katastrophenschutzverfahren Hilfsmittel zur Verfügung gestellt.

WHO bestätigt über 200 Angriffe auf Gesundheitswesen in der Ukraine

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat seit dem Einmarsch Russlands über 200 Angriffe auf das Gesundheitswesen in der Ukraine registriert.

Schwierigkeiten bei der Gesundheitsversorgung in und um die Ukraine

Seit der russischen Invasion in der Ukraine sind genau 100 Tage vergangen. Schon sehr früh gab es Warnungen vor Engpässen bei der medizinischen Versorgung und Angriffen auf das Gesundheitswesen des Landes, einschließlich Angriffen auf medizinisches Personal und ganze Krankenhäuser.

Die Weltgesundheitsorganisation hat bekannt gegeben, dass sie bis zum 2. Juni 269 Angriffe auf das Gesundheitswesen verifiziert hat, bei denen 76 Menschen ums Leben kamen und 59 verletzt wurden.

„Diese Angriffe sind nicht zu rechtfertigen, sie sind niemals in Ordnung, und sie müssen untersucht werden.  Kein Angehöriger der Gesundheitsberufe sollte die Gesundheitsversorgung auf Messers Schneide leisten müssen, aber genau das tun Krankenpfleger, Ärzte, Krankenwagenfahrer und die Sanitäterteams in der Ukraine“, sagte Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, in einer Erklärung.

Während einige Krankenhäuser in der Ukraine zerstört wurden, stehen andere unter enormem Druck, weil viele Menschen aufgrund von Kriegsverletzungen zusätzlich eine Traumabehandlung benötigen.

Gleichzeitig wurde es schwierig, dringend benötigte medizinische Hilfsgüter in die am stärksten betroffenen Gebiete des Landes zu bringen, während Ukrainer:innen mit chronischen Krankheiten, Krebs oder anderen medizinischen Problemen lange Strecken zurücklegen mussten, um notwendige Behandlungen zu erhalten.

Auch die an die Ukraine angrenzenden Länder haben mit dem enormen Zustrom von Flüchtlingen zu kämpfen, von denen viele ebenfalls medizinische Hilfe benötigen.

Diese Länder hatten bereits zuvor Unterstützung gefordert, um dem zusätzlichen Druck auf ihre Gesundheitssysteme – die sich gerade erst von der Corona-Pandemie erholten, als der Krieg in der Ukraine begann – standzuhalten.

EU-Kommission lehnt Gesundheitsfonds für ukrainische Flüchtlinge ab

Die Europäische Kommission hat einen Vorschlag osteuropäischer Mitgliedstaaten abgelehnt, einen speziellen Fonds einzurichten, um die medizinischen Kosten ukrainischer Flüchtlinge in den EU-Mitgliedstaaten zu tragen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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