2018: Höchste Militärausgaben seit Ende des Kalten Krieges

Im Jahr 2018 haben die Länder der Welt so viel Geld in ihr Militär investiert wie zuletzt 1988, kurz vor Ende des Kalten Krieges. [EPA-EFE/DAN HIMBRECHTS]

Im Jahr 2018 haben die Länder der Welt so viel Geld in ihr Militär investiert wie zuletzt 1988, kurz vor Ende des Kalten Krieges. Das zeigen neueste Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI).

Die weltweiten Militärausgaben werden für 2018 auf insgesamt 1822 Milliarden Dollar geschätzt – ein Anstieg von 2,6 Prozent gegenüber 2017. Dieses Plus sei durch die „zunehmende Wahrnehmung von Sicherheitsbedrohungen“ sowie globale Krisenherde angeheizt worden, erklärte SIPRI-Direktorin Aude Fleurant gegenüber EURACTIV am Montag.

„Darüber hinaus modernisieren viele Staaten aktuell ihr Arsenal mit großen Rüstungsbeschaffungsprogrammen, was die Ausgaben für neue Waffensysteme zusätzliche erhöht,“ fügte sie hinzu.

Schadensbegrenzung bei der Rüstungskontrolle

Das Ende des INF-Vertrags ist wahrscheinlich, doch die Möglichkeiten der Konfliktbeilegung sind noch nicht ausgeschöpft. Ein nuklearer Rüstungswettlauf in Europa kann und muss verhindert werden, meint Oberst a.D. Wolfgang Richter.

Laut den SIPRI-Daten geben die Vereinigten Staaten mit einem weiteren Anstieg von 4,6 Prozent auf 649 Milliarden Dollar nach wie vor am meisten für Militärzwecke aus.

„Es sollte festgehalten werden, dass die USA bei den Militärausgaben mit deutlichem Abstand vor allen anderen Staaten liegen,“ betonte Fleurant.

Entwicklungen in den USA und China

Die SIPRI-Chefin wies jedoch darauf hin, dass Washingtons „Spitzenposition“ nicht nur auf den sogenannten Trump-Effekt zurückzuführen sei: „Wir beobachten diese Auswirkungen bereits vor Trump, mit einer Reihe von Entscheidungen, die schon unter der Obama-Regierung getroffen wurden.“

Sie erläuterte: „Diese Programme laufen in der Regel Jahrzehnte und es dauert länger, bis [ihre Auswirkungen] sich in den Zahlen wirklich niederschlagen.“ Man sehe aber auch, dass die Projekte unter Trump wie geplant umgesetzt und teilweise auch ergänzt werden.

China, das mit einem Anstieg um fünf Prozent auf mehr als 250 Milliarden Dollar den zweiten Platz in der Rangliste einnimmt, verzeichnet das 24. aufeinanderfolgende Jahr mit gestiegenen Militärausgaben.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Verteidigungsausgaben Pekings um satte 83 Prozent gestiegen.

Fleurant verweist in dieser Hinsicht allerdings auf eine chinesische Eigenart: „Im Gegensatz zu vielen westeuropäischen und nordamerikanischen Ländern hat China seine Militärausgaben auf 1,1 Prozent des jeweils aktuellen jährlichen BIP festgesetzt. Wenn es in China ein starkes Wirtschaftswachstum gibt, steigen also auch die Militärausgaben entsprechend – und umgekehrt.“

Rückgang in Russland und Saudi-Arabien

Während Washington und Peking im vergangenen Jahr also deutlich mehr ausgaben, fiel Russland 2018 von Platz vier auf Platz sechs.

Die russischen Ausgaben seien um 2,5 Prozent gesunken – „was für das Land ein erheblicher Wert ist,“ betont Fleurant. Die Erklärung dafür ist aber kein neu entdeckter Pazifismus: „[Die Russen] befinden sich gerade genau zwischen zwei großen Rüstungsmodernisierungsprogrammen.“

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Ausgaben Moskaus sei Zahlungsverzug innerhalb der russischen Rüstungsindustrie, was die Daten künstlich verzerrt habe. Andere Forscher weisen darüber hinaus darauf hin, ein zusätzlicher Faktor sei die Abwertung der Landeswährung gewesen.

Russland mit riesigem Militärmanöver

Russland startet heute das größte Militärmanöver seiner Geschichte. Rund 300.000 Soldaten nehmen teil.

Trotz eines Rückgangs seiner Militärausgaben um 6,5 Prozent hat Saudi-Arabien indes mit geschätzten 67,6 Milliarden US-Dollar weiterhin die dritthöchsten Ausgaben der Welt, gefolgt von Indien und Frankreich auf Platz vier und fünf.

EU & NATO

Auch in Europa stiegen die Gesamt-Militärausgaben; um 1,4 Prozent auf 364 Milliarden Dollar. Ein Anstieg war dabei vor allem in Mittel- und Osteuropa zu verzeichnen.

„Der Anstieg in Mittel- und Osteuropa ist weitgehend auf die zunehmende Wahrnehmung einer Bedrohung durch Russland zurückzuführen,“ meint Pieter Wezeman, Senior Researcher beim Arms and Military Expenditure (AMEX) Programm des SIPRI. In dieser Hinsicht habe es scheinbar keine Auswirkungen auf die Haltung der Mittel- und Osteuropäer, dass die russischen Militärausgaben in den vergangenen zwei Jahren gesunken sind, schloss er.

Laut SIPRI beliefen sich die Militärausgaben der 29 NATO-Mitglieder im Jahr 2018 auf insgesamt 963 Milliarden Dollar, was 53 Prozent der globalen Gesamtausgaben entspricht.

Deutschland, das in den vergangenen Monaten innerhalb der westlichen Militärallianz unter erheblichen Druck aus Washington geraten ist, weil es das zugesagte Zwei-Prozent-Ziel der NATO wiederholt nicht erreicht hat, liegt mit aktuell 1,2 Prozent des BIP und Gesamtausgaben von 49,5 Milliarden US-Dollar weltweit an achter Stelle.

Nach Angaben des SIPRI stiegen die deutschen Militärausgaben zwischen 2009 und 2018 um neun Prozent.

Verteidigungsausgaben: NATO-Druck auf Deutschland wächst

Bundesaußenminister Heiko Maas hat bekräftigt, Deutschland werde seinen Verpflichtungen im Rahmen der NATO nachkommen. Zuvor hatte es erneut scharfe Kritik der USA an Berlins unzureichenden Verteidigungsausgaben gegeben.

Im Gegensatz dazu sanken die Militärausgaben in Afrika auch 2018 (minus 8,4 Prozent) und damit zum vierten Mal in Folge seit dem Ausgabenhoch im Jahr 2014.

Die Ausgaben der Staaten im Nahen Osten, für die Daten vorliegen, gingen ebenfalls zurück (minus 1,9 Prozent).

Auch in Zukunft mehr Ausgaben für Waffen

Insgesamt wertete das SIPRI Daten aus 155 Ländern aus und stützte sich dabei nicht nur auf offizielle Regierungserklärungen über die nationalen Verteidigungshaushalte, sondern auch auf andere Quellen wie NATO-Statistiken und Regierungsreaktionen auf Erhebungen der Vereinten Nationen.

Mit Blick auf die gestiegenen Militärausgaben im Jahr 2018 schloss Fleurant: „Was wir wohl festhalten können: Wenn die gegenwärtige globale Situation und die Ausgabentreiber – wie die Teilnahme an bewaffneten Konflikten und Modernisierungsprogramme – weiterhin vorherrschen, dann wird das Wachstum in der nahen Zukunft wahrscheinlich auch weiter anhalten.“

[Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins]

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