„Überraschend und enttäuschend“: Internationale CEOs sehen Klimafragen nicht als größte Probleme

Die Einschätzung der Firmenbosse sei "sehr überraschend und ein wenig enttäuschend", so Bob Moritz von PwC. [PwC]

Aus Sicht des Weltwirtschaftsforums haben die fünf größten Herausforderungen für die Welt allesamt Bezug zu Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit. Die Geschäftsführer globaler Unternehmen sehen derartige Punkte hingegen nicht in der „Top Ten“ der globalen Risiken, wie eine Studie von PwC zeigt. Dies sei „sehr überraschend und ein wenig enttäuschend“, so Bob Moritz.

Bob Moritz ist der Vorsitzende des „Internationalen Netzwerks“ der Beratungsfirma Price Waterhouse Coopers (PwC). Er nimmt dieses Jahr erneut am Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos teil. 

Im Vorfeld der Konferenzen sprach er gestern mit Jorge Valero von EURACTIV.com

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Die diesjährige CEO-Befragung von PwC weist auf einen „Rekordpessimismus“ in der Weltwirtschaft hin. Droht dies nun, eine „self-fulfilling prophecy“ zu werden und zu einer selbstverschuldeten Rezession zu führen?

Es ist offensichtlich, dass der Optimismus in der CEO-Umfrage rekordverdächtig gesunken und der Pessimismus gestiegen ist. 53 Prozent der befragten Geschäftsführer prognostizieren einen Rückgang des Wirtschaftswachstums im Jahr 2020. Aber: Wenn wir diese Umfrage heute erneut durchführen würden, würde man wahrscheinlich ein wenig mehr Zurückhaltung bei diesem Phänomen feststellen.

So oder so: Wir wollen nicht, dass es eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ wird. Die Denkweise eines CEO sollte eher lauten: „Zuversichtlich sein und die notwendigen Maßnahmen ergreifen.“

Darüber hinaus sollten wir diesen Pessimismus nicht überbewerten. Ja, es gibt einige reale Risiken da draußen. Die Frage ist: Wie kann ich zwischen einem Risiko, gegen das ich etwas tun kann, und einem Risiko, das nicht kontrollierbar ist, unterscheiden? Sie sollten bei dem Risiko, das Sie kontrollieren können, Maßnahmen ergreifen. Und die Risiken, die Sie nicht kontrollieren können, sollten Sie schnell analysieren und mögliche Szenarien planen.

Auch hier sollten wir sicherstellen, dass wir uns nicht von der Masse der Risiken „erschlagen“ oder überwältigen lassen und uns lieber darauf konzentrieren, was wir tun können, um Maßnahmen zu ergreifen, damit wir im Laufe der Zeit erfolgreich und nachhaltig agieren können.

Studie: Kluft zwischen Unternehmen und Lobbyisten beim Klimaschutz

Immer mehr Unternehmen stellen auf Klimafreundliche Geschaftsstatregie um während Lobbyisten in Brüssel hinterher hincken, zeigt eine Studie des britischen Thinktank InfluenceMap. 

„Nachhaltigkeit“ ist ein gutes Stichwort: Lediglich 25 Prozent der von Ihnen befragten CEOs glauben, dass sie mögliche Chancen nutzen können, die sich durch den verstärkten Klimaschutz und den Übergang zu einer grüneren Wirtschaft ergeben. Außerdem schaffen es Klima- und Umweltfragen auch nicht in die „Top Ten“ der erwarteten Risiken. Ist das nicht überraschend, wenn man bedenkt, wie wichtig dieses Thema in Davos oder in der EU geworden ist?

Ja, für mich ist es sehr überraschend und ein wenig enttäuschend, dass Klimarisiken es nicht in diese Top-Ten-Liste der CEOs geschafft haben.

Erfreulich war hingegen, dass gut 50 Prozent der Unternehmensführer das Thema aber zumindest als mögliche Chance begreifen. Wenn sie aktiv werden und Klima und Nachhaltigkeit in ihre Business-Strategie integrieren, können sie sich positiv abheben. Da kann man sich einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Die Frage ist: Wie erreicht man [derartige Ziele] in einer ganzen Organisation; und ich meine nicht nur bei den CO2-Emissionen, sondern auch bei der Wasserverschmutzung oder der Ressourcenknappheit? Meine Hoffnung ist, dass die Wirtschaftswelt, und sogar schon der Dialog in Davos diese Woche, [das Thema Klima und Umwelt] ganz oben auf die Tagesordnung setzt. Und was noch wichtiger ist: dass endlich Maßnahmen ergriffen werden.

"Der Planet brennt": Davos warnt vor Klimanotstand

Zum ersten Mal in der 15-jährigen Geschichte des Global Risk Reports des Weltwirtschaftsforums sind die darin aufgelisteten fünf größten globalen Gefahren allesamt Umweltrisiken.

Neben der Klimapolitik spricht man in Brüssel derweil vor allem über die europäische „Souveränität“ gegenüber den USA und China. Andererseits gibt es in der EU nach wie vor eine nicht vollendete Währungsunion sowie interne Streitigkeiten bei einigen außenpolitischen Fragen. Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen der EU in dieser Hinsicht?

Europa ist eine Region der Welt, die sowohl hinsichtlich dessen, was sie dem Rest der Welt bietet, als auch hinsichtlich dessen, was die Länder innerhalb der EU tun müssen, um sich zu verändern, Chancen birgt.

So werden sich viele europäische Länder wohl weiterhin mehr auf die Landwirtschaft und das verarbeitende Gewerbe konzentrieren. Sie haben heute keine große technologieorientierte Agenda. Und sie haben keine große Unternehmen wie Alibaba, Tencent, Amazon oder Facebook.

Die Regierungen werden deswegen umdenken müssen: Wie werde ich ein Magnet für Investitionen? Wie werde ich ein Magnet für Talente? Wie werde ich ein Magnet, um unsere Transformation aufzuzeigen, damit wir mehr Führungskräfte aus Wirtschaft und Regierung dazu bringen können, die Ausstrahlungskraft Kontinentaleuropas zu verändern?

Diejenigen Organisationen und Länder, die dies schnell und mit großer Dringlichkeit tun, werden in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil haben.

China fordert Aufnahme von Freihandelsgesprächen mit der EU

Der chinesische Außenminister Wang Yi hat am Montag, den 16. Dezember, die Aufnahme von Freihandelsgesprächen mit der EU parallel zu den laufenden Verhandlungen über ein Investitionsabkommen gefordert.

Indes haben die USA und China ihre Handelsstreitigkeiten etwas de-eskalieren können. Dennoch warnen viele Unternehmen und Wirtschaftsexperten vor einer Art „wirtschaftlicher Entkopplung“, die ebenfalls Einfluss auf den Handel und die Weltwirtschaft haben werde. Wie sehr sorgen Sie sich um diesen befürchteten Einfluss?

Das Abkommen zwischen den USA und China ist tatsächlich nur ein erster Schritt. Es muss auf weitere Produkte und Dienstleistungen ausgeweitet werden. Wenn man sich den Handel genau ansieht, so ist noch nicht das angegangen worden, was ich als Technologiefragen bezeichnen würde. Gleiches gilt für faire Handelpraktiken bzw. Fehlverhalten.

Daher gibt es immer noch sehr viele Spannungen, die innerhalb des Systems weiter bestehen können – und die auf lange Sicht gelöst werden müssen.

Zweitens dürfen wir die Notwendigkeit, den Handel globaler zu gestalten, nicht herunterspielen. Regierungsvertreter und Wirtschaftsführer müssen sich viel nachdrücklicher dafür einsetzen, dass die Menschen die Vorteile dieses Integrations- und Inklusionspotenzials des Welthandels verstehen.

[Bearbeitet von Tim Steins]

Was ist los in Davos? – Tag 1

Im schweizerischen Davos findet aktuell (21. bis 25. Januar) das 50. Treffen des Weltwirtschaftsforums statt. Im Laufe der Woche bietet EURACTIV Einblick in das Geschehen auf einer der „exklusivsten“ Konferenzen der Welt.

Der EU droht neues Ungemach vom „Zoll-Mann"

Mit dem „Phase 1“-Deal legt die Trump-Regierung den Handelsstreit mit China vorerst auf Eis. Was nach Entspannung klingt, dürfte für die Europäische Union neuen Ärger bedeuten.

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