„Privatinvestitionen helfen, gefährdete Enticklungsländer zu stabilisieren“

Innovative netzunabhängige Lösungen sind in Konfliktregionen oft sehr viel effektiver als großangelegte Infrastrukturprokjekte [SolarAid Photos/Flickr]

Unterstützung aus der Privatwirtschaft ist ein entscheidender Faktor für die Stabilisierung gefährdeter Staaten – aber es ist eine echte Herausfoderung, sicherzustellen, dass Unternehmen Umwelt- und Sozialstandards einhalten, sagt Anne-Sophie Rakoutz gegenüber EURACTIV France.

Anne-Sophie Rakoutz ist die Chefin der Abteilung Privatkapital bei Proparco, eine Stelle der französischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit. Sie nimmt am 30. Mai in Paris an der ID4D-Konferenz Vulnerability and Crises: What Role for Businesses? teil.

Rakoutz sprach mit Cécile Barbière von EURACTIV.fr. Das Interview wird in Partnerschaft mit dem ID4D Blog veröffentlicht, der von der französischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit betreut wird.

Wie unterstützt Ihre Organisation den Privatsektor in Entwicklungsländern?

Das Ziel ist es, dem Privatsektor Zugriff auf Finanzmittel zu ermöglichen. Wir bieten dazu eine Reihe von Produkten an, von klassischen Anleihen über Anteile an den Gewinnen der Finanzinsitutionen, Infrastrukturprojekte, Firmen oder auch Investmentfonds.

Gleichzeitig bieten wir auch technische Unterstützung in den Entwicklungsländern an. Wir haben zum Beispiel versucht, eine Universität mit dem Namen “Esprit” in Tunesien zu unterstützen, indem wir Stipendien für die ärmsten Studenten finanzierten und ein Gründerzentrum an der Universität selber einrichteten. Der letzte Teil des Projekts war leider kein Erfolg. Diese Projekte haben nicht zwangsweise ein Geschäftsmodell; unsere Unterstützung kann deswegen manchmal Spendencharakter haben.

Welche Konfliktregionen können davon profitieren – und wie?

Wir müssen in den am meisten gefährdeten, am wenigsten entwickelten Gebieten und in Nachkriegsregionen den Privatsektor stärken, das ist ein großer Stabilisationsfaktor. Maßnahmen der Privatwirtschaft sind essentiell in diesen Ländern, weil sie sowohl für die Bevölkerung als auch für den Staat – durch Steuern – finanzielle Gewinne bringen.

Andererseits können wir aber nicht eingreifen, ohne dass wir bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffen. Wir müssen auch eng mit den betroffenen Staaten zusammenarbeiten. Wirtschaftlich unterentwickelte Länder werden von wirtschaftlichen Erschütterungen am härtesten getroffen und Nachkriegsregierungen tun sich schwer mit ihrer Rolle als Regulierungsbehörden.

Die Liste der Länder ändert sich jedes Jahr. Es ist also schwierig, eine genaue Handhabung anhand von Zahlen zu geben; aber wir zielen darauf ab, bis 2020 jedes Jahr 1 Milliarde Euro für die am meisten betroffenen Staaten bereitzustellen.

Was sind die Einschränkungen für die Einbeziehung von Privatunternehmen?

Wir müssen immer extrem vorsichtig sein, was Umwelt- und Sozialstandards angeht sowie im Kampf gegen Geldwäsche. Wenn wir an einem Projekt teilnehmen, nehmen wir eine genaue Prüfung all derer vor, die von unseren Geldern profitieren. Das ist absolut notwendig, weil Unternehmen in schwachen Staaten sich möglicherweise nicht an die Standards halten oder die Situation ausnutzen, um sich die Kontrolle über Ressourcen zu sichern oder Geld zu waschen.

Wie genau stellen Sie den sicher, dass die von Ihnen unterstützten Firmen auch wirklich alle Regeln einhalten?

Das Wichtigste für uns ist, dass die Unternehmen unsere Herangehensweise akzeptieren. Wenn bei einer Firma die benötigten Standards, zum Beispiel im Umweltschutz, noch nicht implementiert sind – was oft der Fall ist – nehmen wir eine Prüfung vor und legen einen Plan zum Erreichen der Umwelt- und Sozialstandards mit entsprechenden Deadlines vor. Es geht uns darum, dass die Unternehmen Fortschritte machen; wir erwarten nicht, dass sie von Anfang an perfekt sind.

Diese Art der Unterstützung ist ein Hauptelement unserer Investments. Aber es gilt auch: Jeder, der sich nicht an die Regeln hält, wird bestraft.

Gibt es bestimmte Bereiche der Privatwirtschaft, mit denen Proparco nicht zusammenarbeitet?

Ja, es gibt eine Liste mit für uns inakzeptablen Geschäftsfeldern, darunter Glüksspiel, Alkohol, Waffen. Wir arbeiten auch nicht in Kohleenergie-Projekten mit. Wir schauen uns aber immer sehr genau den Energiemix der jeweiligen Entwicklungsländer an. So könnten wir Gasprojekte in bestimmten Ländern unterstützen, wenn dies dabei hilft, ihre CO2-Bilanz zu verbessern. Das ist in quasi allen Staaten der Fall, in denen Kohle der Haupt-Energieträger ist.

Generell ist der Zugang zu Energie der Startpunkt für wirtschaftliche Entwicklung. Wir können einem Land nicht sagen: ihr braucht erstmal erneuerbare Energie, bevor ihr euch wirtschaftlich entwickeln könnt.

Wir waren früher auch in Bergbau-Projekten involviert, haben das bei Proparco aber nicht weiter verfolgt. Das ist ein extrem riskantes Geschäftsfeld, das leicht den Ruf schädigen kann. Unser Ansatz ist es aber dennoch, nicht immer den leichten Weg zu gehen, und beispielsweise nur Bildungsprojekte zu unterstützen. Wir müssen uns auch die schwierigeren Wirtschaftssektoren anschauen und sehen, ob wir dort Verbesserungen erzielen können.

Einige Felder sind eben schwieriger, ein weiteres Beispiel ist die Agrarindustrie. Aber wenn wir uns in solche Felder nicht einbringen und einmischen, machen wir unseren Job falsch.

Was sind für Ihre Behörde die größten Probleme bei der Unterstützung von Privatunternehmen in diesen Entwicklungsländern?

Man muss sehr flexibel sein, um die finanziellen Risiken einzugehen – und das kann auch teuer werden. Ein Beispiel: in der Zentralafrikanischen Republik haben wir Projekte finanziert, die dann während des Konflikts eingefroren wurden, zusammen mit den Rückzahlungen an uns, die eigentlich fällig gewesen wären. Wir müssen mit solchen finanziellen Risiken umgehen und das hat nunmal seine Kosten. Außerdem müssen wir unsere Aktionen mit technischer Unterstützung untermauern, weil es meistens große Probleme in Bezug auf Ausbildung und technische Fähigkeiten in den betroffenen Staaten gibt.

Technologie-Innovationen können für uns auch sehr hilfreich sein. Wir können es uns nicht leisten, große Infrastrukturprojekte zu starten, um im ganzen Land Zugang zu Energie zu schaffen, wenn nur Monate später die Konflikte wieder ausbrechen und die Infrastruktur zerstört wird. Wir sind deswegen gezwungen, nach flexibleren Investment-Modellen zu suchen. Eine Möglichkeit ist es, in kleinen Projekten den Zugang zu „netzunabhängiger“ elektrischer Energie zu verbessern, das ist oft viel effektiver.

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