„Der Konflikt wird in erster Linie durch den Klimawandel ausgelöst“

Muhammad Baba Baituna in seiner Baumschule am Lake Chad Research Institute in Maiduguri. [Simpa Samson]

Schon heute befeuert der Klimawandel Konflikte in vielen Regionen der Welt – etwa in Nigeria, wo er der Boko Haram den Rücken stärkt und zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Hirten und Bauern um die Nutzung der Grünflächen führt. Immer mehr lokale Aktivisten versuchen, die Veränderungen abzufedern.

Mohammed Baba Baituna ist einer von ihnen. Er lebt in der Stadt Maiduguri im Nordosten des Landes. EURACTIV hat ihn besucht und gefragt, mit welchen Herausforderungen die Region konfrontiert ist und wie er mit seiner Organisation Green Sahel International die Sahara aufhalten will.

EURACTIV: Klimawandel und Konflikt – wie hängt das in Nigeria genau zusammen? 

Baituna: Der Konflikt, den wir aktuell im Tschadseebecken und dem Nordosten Nigerias erleben wird in erster Linie durch den Klimawandel ausgelöst. Die Felder werfen immer weniger Ernte ab. Die Herden finden immer weniger Weideflächen, sie sterben. Fast 80 Prozent der Menschen im Nordosten Nigerias sind Bauern oder Hirten – der Klimawandel zerstört ihre Lebensgrundlage. Das macht die Menschen sehr empfänglich für die Propaganda der Terroristen.

Außerdem ziehen immer mehr Hirten in Richtung Süden, wo es noch mehr Grünflächen gibt …

… und die Bauern dort sind nicht gerade begeistert davon. Das löst schwere Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinschaften aus. Und der Hauptgrund dafür sind die steigenden Temperaturen und der unvorhersehbare Niederschlag. Wir müssen alle anpacken, um den Klimawandel aufzuhalten. Um das den Leuten bewusst zu machen, haben wir Green Sahel International gegründet.

Was genau macht ihr?

Wir pflanzen Bäume und involvieren die Menschen dabei – so wollen wir Bewusstsein schaffen. Außerdem veranstalten wir Workshops, vor allem in Dörfern im Bundesstaat Borno. Da erklären wir, wie der Klimawandel funktioniert und wie wir auf lokaler Ebene unseren Teil beitragen können, ihn zu bekämpfen. Je mehr Bäume wir pflanzen, desto eher bleibt die Gegend bewohnbar. Auch für Bauern und Hirten. Mit unserer Initiative haben wir bereits 200.000 Bäume gepflanzt. Einen Großteil der Setzlinge haben wir hier im Lake Chad Research Institute gepflanzt – ansonsten wird hier erforscht, wie wir Pflanzen resilienter machen können, damit sie trotz der Veränderungen überleben können.

Euer Hauptziel ist, mehr Menschen in der Region für den Umweltschutz zu begeistern. Wie gut gelingt das?  

Das Thema wird immer präsenter, aber da ist noch ein langer Weg vor uns. Ein großes Problem ist, dass Feuerholz inmitten des Konflikts zur wichtigsten Energiequelle hier im Nordosten geworden ist. Außerdem leben viele vom Verkauf von Holz. Wenn du fünf Kilometer von hier aufs Land fährst, siehst du, wie sie die Bäume mitsamt den Wurzeln ausgraben. Die Menschen glauben, die Sahara ist weit weg. Aber wenn sich nicht schnell etwas ändert hier, werden sie gar nicht so schnell schauen können: Der Wüstensand ist schon fast vor unserer Haustür.

Wie steht es mit der Verantwortung? Der Klimawandel wird ja nicht in erster Linie hier verursacht.

Während Europa und den USA massenweise Treibhausgase ausgestoßen, bekommen wir in Afrika die Auswirkungen zu spüren. Für große Teile der Bevölkerung hier ist der Klimawandel eine ernste Bedrohung. Deshalb sollten Europa und die USA Verantwortung übernehmen und uns dabei helfen, unsere Kapazitäten aufzubauen, damit fertigzuwerden. Außerdem brauchen wir finanzielle Unterstützung, um unsere eigenen Projekte durchführen zu können.

Wenn das Haus deines Nachbarn in Flammen steht, wirst du alles dafür tun, das Feuer zu löschen, damit es nicht auf dein Haus übergreift. Genauso sollte der Kampf gegen den Klimawandel geführt werden.

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