Die Hoffnungen auf eine historische Aussöhnung und Wiedervereinigung der geteilten Insel wurden am Donnerstag (3. April 2008) durch die Öffnung eines Grenzüberganges in einer Einkaufsstraße der zypriotischen Hauptstadt geweckt. Seit über 40 Jahren war der Übergang zuvor geschlossen gewesen.
Obwohl die Ledra-Straße in Nikosia aufgrund der Präsenz uniformierter türkisch-zypriotischer Polizisten in der Pufferzone vorübergehend wieder gesperrt werden musste, stellte die feierliche Atmosphäre von tausenden von griechischen und türkischen Zyprioten ein kraftvolles Signal für Politiker dar, den Weg der Wiedervereinigung weiterzugehen.
Die Beseitigung eines historischen Symbols der Teilung könnte eines der wichtigsten Ereignisse seit 1963 darstellen; damals waren Gewalttätigkeiten zwischen den beiden rivalisierenden Gemeinschaften ausgebrochen. Nikosia wurde daraufhin von einer durch die UN beobachteten Pufferzone in einen türkisch-zypriotischen Norden und einen griechisch-zypriotischen Süden geteilt, die auch die gesamte Insel teilte.
Im Februar 2008 wählten die griechischen Zyprioten den kommunistischen Demetris Christofias zum Präsidenten. Er erhielt den Auftrag der Veränderung. Christofias und sein türkisch-zypriotischer Amtskollege, Mehmet Ali Talat, beide Linke, trafen sich im vergangenen Monat und versprachen, die Verhandlungen zur Wiedervereinigung bis zum Sommer aufzunehmen.
Die griechische Gemeinschaft, die im Jahr 2004 in einem Referendum gegen die Wiedervereinigung der Insel gestimmt hatte, scheint begriffen zu haben, dass eine Teilung nicht in ihrem Interesse sein kann. Ohne einen Fortschritt könnte sich die Insel auf eine offizielle und dauerhafte Teilung zu bewegen, was zu einem dauerhaften Verlust von Land führen könnte, von dem die griechischen Zyprioten behaupten, es gehöre ihnen. Zudem könnte es zur Ankunft von weiteren türkischen Siedlern kommen.
Positionen
Die internationale Gemeinschaft begrüßte die Öffnung der Ledra-Straße. Der Präsident des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering nannte sie den ersten Schritt einer tatsächlichen und erkennbaren Annäherung der beiden Gemeinschaften Zyperns. Er brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass dieser symbolische Akt zu vielen weiteren Schritten führen könne, die das alltägliche Leben der Bürger beider Gemeinschaften verbessern würden und die letztlich dazu führen könnten, dass Zypern ein ungeteilter Mitgliedstaat wäre.
Der Generalsekretär des Europarats, Terry Davis, verglich das Ereignis mit dem Fall der Berliner Mauer. Die Wiedereröffnung dieser ehemals so lebhaften Straße gebe allen Zyprioten neue Hoffnung, dass ihr Land bald wiedervereinigt sein würde und das Nikosia, wie Berlin, wieder eine einzige Hauptstadt würde, so Davis in einer Stellungnahme.
Hintergrund
Zypern ist sei 1974 geteilt, als die türkische Armee infolge eines Putsches, der von der Militärjunta in Athen inspiriert worden war, im nördlichen Teil der Insel einmarschierte. Ziel des Putsches war der Anschluss der Insel an Griechenland. Tausende griechisch-zypriotischer Flüchtlinge flohen in den Süden, als die Türkei das nördliche Drittel der Insel besetzte, in das die türkischen Bewohner der Insel zogen.
Nach dem Tod des griechisch-zypriotischen geistlichen Oberhaupts, Erzbischof Makarios, im Jahr 1977 etablierte sich gegenseitige Feindseligkeit. UN-unterstützte Gespräche zwischen dem griechisch-zypriotischen Präsidenten Glafcos Clerides und dem Führer des von den Türken besetzten Nordens, Rauf Denktash, in den 1980er und 1990 Jahren blieben erfolglos, da keiner der beiden in der Lage war, ihre Völker von einem Kompromiss zu überzeugen.
Im Norden, der nur von der Türkei anerkannt wird, entwickelten sich Armut und Korruption, während Tourismus und der Offshore-Bankensektor dem Süden zu Wohlstand verhalfen.
1992 wurden Hoffnungen geweckt, als UN-Generalsekretär Kofi Annan einen Plan zur Wiedervereinigung vorlegte, in dem er eine zweiteilige Föderation mit einer rotierenden Präsidentschaft vorschlug. Während die türkischen Zyprioten für den Plan waren, lehnten ihn die griechischen Zyprioten 2004 in einem Referendum ab. Dies enttäuschte EU-Beamte, die sich darauf geeinigt hatte, dass Zypern im gleichen Jahr der EU beitreten könne – auch aus der Hoffnung heraus, dass dies eine Lösung der Zypernproblematik beschleunigen könnte.