Der zyprische Präsident, Demetris Christofias, präsentierte gestern (11. Oktober) einen Vorschlag, der die Gespräche zur Wiedervereinigung der Insel beschleunigen könnte, indem er vorsieht, den Hafen Famagusta, der nun eine Phantomstadt ist, für den internationalen Handel zu öffnen.
Varosha, ein Distrikt in der Stadt Famagusta, die im türkisch besetzten Teil der Insel liegt, könnte in der Wiedervereinigung Zyperns eine Schlüsselrolle spielen, schlug Christofias vor.
Wenn die Türkei Varosha an die UN zurückgebe, werde die Republik Zypern das grüne Licht geben, damit der Hafen Famagusta für kommerzielle Transaktionen mit der EU geöffnet werde, sagte er. Sowohl Varosha als auch Famagusta, die nun „Phantomstädte“ sind, würden als Teil des gemeinsamen Erbes beider Gemeinschaften mit EU-Unterstützung restauriert werden.
Der zyprische Präsident lieferte diese Kommentare in einer Rede, die er beim offiziellen Abendessen zu Ehren des Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Jerzy Buzeks, der der auf der geteilten Insel derzeit zu Besuch ist, abhielt.
Sollte der Kompromiss erfolgreich sein, dann könnte er die blockierten EU-Beitrittsgespräche der Türkei lösen.
Der nördliche Teil Zyperns, der seit dem Jahr 1974 von der Türkei besetzt wird, ist politisch ausgeschlossen und er darf keinen direkten Handel mit der EU betreiben. Als Retourkutsche verbietet die Türkei, dass Schiffe und Flugzeuge aus der Republik Zypern, einem EU-Mitglied, das sie nicht anerkennt, ihre Häfen und Flughäfen benutzen.
In einem Gespräch mit EURACTIV vor kurzem sagte der Hauptverhandlungsführer der Türkei, Egemen Ba???, dass sein Land seine Häfen „morgen“ öffnen werde, wenn die Entscheidung des Europäischen Rates aus dem April 2004 umgesetzt werden würde.
Wenn spanische, niederländische, deutsche und französische Flugzeuge auf dem Ercan-Flughafen in Nordzypern landen würden, wenn andere europäische Schiffe Container in Nordzypern entladen, dann würden die griechisch-zyprischen Schiffe und Flugzeuge willkommen sein, sagte Ba???.
Der zyprische Präsident Christofias, der unter der Schirmherrschaft der UN schwierige Wiedervereinigungsgespräche mit Dervi? Ero?lu, dem Präsidenten der „Türkischen Republik Nordzypern“ führt, bedankte sich bei Buzek für seine Unterstützung im Streben nach einer „kreativen“ Lösung.
Buzek besucht zur Zeit beide Teile der geteilten Insel und führt Gespräche mit ihren Spitzenpolitikern, einschließlich Ero?lus.
„Ankara spielt die Schlüsselrolle“
Er sei sich sicher, man habe von ihrer Seite den Ausdruck „Ankara spielt die Schlüsselrolle“ gehört, sagte Christofias. Dieser Ausdruck sei das Wesentliche in der Lösung der Zypern-Frage.
Ankara spiele die Schlüsselrolle für eine Lösung, da der Rückzug der Besatzungstruppen, das Ende der Politik der illegalen Niederlassung und die Lösung zu dem extrem wichtigen Thema der Sicherheit von Ankara abhingen. Es sei undenkbar, dass ein EU-Kandidat einen EU-Mitgliedsstaat besetze und sich weigere, ihn anzuerkennen, fügte Christofias hinzu.
Der Präsident Zyperns fügte hinzu, dass auf die Rückkehr Varoshas und Famagustas in den internationalen Handel eine internationale Konferenz über Zypern mit EU-Teilnahme folgen werde.
In einer Anrede vor dem Parlament in Nikosia sagte Buzek, er hoffe, dass die Türkei Verhandlungen zur Wiedervereinigung aktiv unterstützen und zu einer dauerhaften Einigung über die Zypern-Frage aktiv beitragen werde.
Eine Lösung des zyprischen Problems sei für sie erreichbar, sagte Buzek vor dem Parlament. Nur 60 Kilometer vom Ort entfernt, wo sie sich heute befinden würden, liege die Stadt Famagusta. Einst sei sie einer der reichsten Orte des östlichen Mittelmeers gewesen und das Viertel Varosha habe zu den beliebtesten Tourismusdestinationen in Zypern, wenn nicht in Europa, gezählt. Seit dem Jahr 1974 sei Varosha verlassen, wie in der Zeit stehengeblieben, eine Stadt voller leerer Hotels. Famagusta sei sowohl ein Symbol für das heutige Scheitern als auch für einen möglichen zukünftigen Erfolg. Es stelle das immense Potential dar, das ein vereintes Zypern freisetzen könnte, erklärte Buzek.
Die türkische Presse zitierte die Aussage Buzeks, in der er sagte, das Europäische Parlament solle über den direkten Handel mit dem Nordteil Zyperns in den nächsten Monaten entscheiden.

