Visafreiheit für Türkei: Russland überholt EU

Bei ihrem letzten Türkei-Besuch Ende März stellte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Visa-Lockerungen in Aussicht - allerdings nur für bestimmte Gruppen (Foto: dpa)

Ab sofort gilt Visafreiheit für Türken in Russland und für Russen in der Türkei: Während türkische Geschäftsleute und Touristen für die Einreise in den EU-Raum ein Visum benötigen, errichtet Ankara mit seinen Nachbarländern eine türkische „Schengen“-Variante auf.

Beim jüngsten Besuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew einigten sich beide Länder, dass die Urlauber des jeweils anderen Landes in Zukunft kein Visum mehr brauchen. Durch das Abkommen sollen Millionen Menschen von der bisherigen Visapflicht befreit werden.

Nach Informationen aus Moskau bereisen etwa 2,5 Millionen Russen jährlich die Türkei. Die Türkei gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen der russischen Bürger. Dieser Besuchsverkehr dürfte sich künftig intensivieren.

Erstmals wurde diese Aussicht auf Visafreiheit bereits während des Moskau-Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan im Januar behandelt. Dabei wurde beschlossen, die Vorbereitung eines Regierungsabkommens über den visumfreien Reiseverkehr zwischen beiden Ländern in Angriff zu nehmen. Dieser Schritt bringe das "gegenseitige Vertrauen" zwischen den beiden Partnern zum Ausdruck, betonte er.

"Wer hätte es sich früher vorstellen können, dass die Türkei und Russland die Visumpflicht abschaffen werden?" fügte der türkische Premier damals hinzu und verwies darauf, dass Ankara in den letzten siebeneinhalb Jahren die Visumpflicht mit 25 Ländern abgeschafft hatte.

Aber schon bisher galt für Russlands Bürger ein vereinfachtes Einreiseverfahren: Das türkische Visum wurde den Russen direkt bei der Einreise erteilt.

Allein in den vergangenen acht Monaten sind durch die diplomatischen Vorstöße aus Ankara bereits sieben Länder ohne Sichtvermerk zu bereisen: Syrien, Pakistan, Albanien, Libyen, Jordanien. Libanon und nunmehr Russland.

Sobald die türkischen Reisepässe auch biometrische Daten enthalten, könnte selbst der Schengen-Raum in Europa ohne Visum zu erreichen sein. Davon ist vorerst aber noch keine Rede.

Beobachtern zufolge wird durch die neue Visafreiheit die ohnehin schon starke wirtschaftliche Beziehung zwischen der Türkei und Russland intensiviert. Allerdings sei die Abschaffung der Visumspflicht nicht als Maßnahme zu werten, mit der die EU unter Druck gesetzt werden solle.

ekö

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