Umfrage: Türkische Unternehmen sehen ‚langen Weg’ bis EU-Mitgliedschaft [DE]

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Türkische Unternehmen sind weitgehend für einen EU-Beitritt ihres Landes. Eine Mehrheit der Befragten geht jedoch nicht davon aus, das dies vor 2015 geschehen werde, wie aus einer Studie hervorgeht, die zwei Tage vor der Präsentation des jährlichen Fortschrittsbericht der Kommission über die Türkei vorgestellt wurde. 

70% der türkischen Unternehmen unterstützten den EU-Beitritt ihres Landes, allerdings bezweifelten die meisten, dass dieser bald bevorstehe, so die neue Studie. Nur 10% sagten, sie erwarteten den Beitritt der Türkei noch vor 2015, während zwei Drittel davon ausgehen, dass die Verhandlungen sich mindestens über 10 bis 15 Jahren hinziehen werden.

Der Weg sei weit, bestätigte Pierre Simon, der Präsident von Eurochambres, dem Verband der Europäischen Industrie- und Handelskammern, der die Umfrage gemeinsam mit der Turkish Union of Chambers (TOBB) unter 2 878 türkischen Unternehmen durchgeführt hat. Von den befragten Unternehmen waren 97% KMU.

Da der EU-Beitritt nach Meinung der türkischen Unternehmen in ferner Zukunft liegt, gaben nur 5% unter ihnen an, gut auf den Beitritt vorbereitet zu sein. 72% sagten, noch keine Beitrittsvorbereitungen begonnen zu haben. Als wichtigster Grund werden die erwarteten Kosten angeführt, obwohl 95% noch keine Kostenschätzungen unternommen haben. 

Nur 24% der befragten Unternehmen glauben, ihr Land werde niemals der EU beitreten. Das steht allerdings den Erwartungen der türkischen Bürger entgegen, von denen 26% davon ausgehen, dass ihr Land jemals der Gemeinschaft beitreten wird, so eine Studie des German Marshall Fund aus dem Jahr 2007 (siehe unser LinksDossier).

Das Hauptproblem bestehe darin, dass die meisten Unternehmen und Bürger nicht ausreichend über den Stand der Beitrittsverhandlungen informiert seien, sagte Michael Leigh, Generaldirektor für Erweiterung der Kommission.

61% der türkischen Unternehmen wissen nicht, welche Rechte und Pflichten (‚acquis communitaire’) mit einem EU-Beitritt auf sie zukommen und zwei Drittel verfügen über sehr geringe Kenntnisse des Instruments für Heranführungshilfe (IPA), das Kandidatenländern und potentiellen Kandidatenländern flexible Hilfe zukommen lässt, geht aus der Umfrage hervor.

Man müsse diese Wissenslücke füllen, sagte Leigh. Unterstützt wurde er bei seiner Forderung vom türkischen EU-Botschafter Volkan Bozkir, der sagte, dass die Unterstützung der Türken für einen EU-Beitritt davon abhinge, wie viel die Türken über die EU und einen möglichen Beitritt wüssten. 

59% der türkischen Unternehmen gaben an, insgesamt optimistisch bezüglich ihrer Chancen im Falle des EU-Beitritts der Türkei zu sein. Sie erwarten transparentere Geschäftspraktiken und neben der Verschärfung des Wettbewerbs auch einen Anstieg der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Die Türkei und die EU sind wirtschaftlich bereits eng miteinander verbunden. Die Union ist der wichtigste Handelspartner der Türkei, während die Türkei der siebtwichtigste Handelspartner der Gemeinschaft ist. Die Türkei wurde offiziell im Oktober 2005 zum Kandidatenland erklärt, wobei die Gespräche voraussichtlich noch bis 2015 andauern werden. 

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