Trotz seiner unveränderten Opposition gegenüber der Kosovo-Politik der EU werde das größte Land auf dem Balkan auf seinem Weg Richtung EU-Mitgliedschaft weiter voranschreiten, sagte der serbische Außenminister Vuc Jeremic gegenüber den anderen EU-Außenminister nach deren informellem Treffen am vergangenen Wochenende in Brdo (28. und 29. März 2008).
Trotz all der Herausforderungen und der Schwierigkeiten, die man erfahre, befinde man sich weiter auf dem Weg in Richtung der europäischen Integration, sagte Jeremic nach dem Treffen. Er drückte seine Zuversicht aus, dass Serbien „in ein paar Jahren“ – vielleicht vier, fünf oder sechs – ein Mitglied der EU würde.
Es werde viel von den bevorstehenden Wahlen in Serbien am 11. Mai 2008 abhängen, fügte er hinzu und beschrieb sie als einen „wichtige Schlacht für die europäischen Seelen“ des Westbalkans.
Tatsächlich sei der europäische Gedanke in Serbien zum ersten Mal seit dem 5. Oktober 2000 in den Hintergrund gedrängt (?). Und, ob es gefalle oder nicht, der Grund hierfür sei hauptsächlich die Unterstützung einer unilateralen Unabhängigkeitserklärung durch eine Reihe von Ministern, so Jeremic.
Der serbische Präsident Boris Tadic hatte das Parlament aufgelöst und vorgezogene Wahlen gefordert, nachdem die bisherige Regierung am 8. März 2008 über der Frage zusammengebrochen war, wie man mit der EU über den Kosovo verhandeln solle. Dieser Zusammenbruch verhinderte auch die Unterzeichnung eines Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA), das als ein „Tor“ zur EU-Mitgliedschaft verstanden wird (EURACTIV vom 6. März 2008).
Jeremic betonte das Interesse seines Landes an der EU und sagte, die serbische Regierung sei bereit, das SAA „umgehend“ zu unterzeichnen und zügig voranzuschreiten. Dieser Schritt könnte, zusätzlich zu einem Abkommen über einen Fahrplan für die Annahme eines Systems zum visafreien Reisen, dabei helfen, den durch die Kosovo-Frage genährten serbischen Bedenken zu begegnen, deutete Jeremic an.
Die Niederlande und Belgien sind nach wie vor gegen die Unterzeichnung eines SAAs mit Serbien, bevor das Land nicht mit dem Gerichtshof in Den Haag zusammenarbeitet und den ehemaligen bosnisch-serbischen politischen Führer Radovan Karadzic und dessen Militärführer Ratko Mladic aushändigt.
Jeremic sagte, man sei sich der Auflagen des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) sehr wohl bewusst. Die einzige Möglichkeit, das zu beenden, was man angefangen habe, sei, den Weg Serbiens nach Europa weiter auszubauen.
Der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel, dessen Land gegenwärtig die EU-Ratspräsidentschaft innehat, begrüßte die „freundliche, konstruktive Diskussion“ während des Treffens. Man wolle, dass Serbien sich in Zurückhaltung übe, aber auch weiter Richtung EU voranschreite, betonte Rupel.
Der Wunsch der EU, ein Treffen zwischen Jeremic und dem Premierminister des Kosovos, Hashim Thaci, zu arrangieren, wurde nicht erfüllt, da Jeremic das Treffen umgehend nach den Gesprächen mit den EU-Partnern verließ und nicht auf die Ankunft von Thaci wartete. Damit demonstrierte er die serbische Nicht-Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos aus.
Jeremic sprach sich dennoch für einen „praktischen Dialog“ über den Kosovo zwischen der EU und Serbien. Seine Stellungnahme wurde von Thaci bekräftigt, der sagte, dass der Kosovo in der Zukunft auch um ein gutes Verhältnis mit Serbien bemüht sei.
Hinsichtlich der europäischen Perspektive des Kosovo sagte Thaci, dass ab „dem heutigen Tag“ der Kosovo tatsächlich ein Kandidat für die EU-Mitgliedschaft sei. Er drückte seine Zuversicht aus, dass das Land bald ein Mitglied der EU und der Nato sein würde.
Die EU bestätigte indessen die Mitgliedschaftsperspektiven der anderen Westbalkanstaaten wie Bosnien, Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Albanien.

