Mord an Top-Journalist belegt Erstarken kroatischer Mafia [DE]

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Der kroatische Präsident Stipe Mesic berief gestern (23. Oktober 2008) eine Krisensitzung des kroatischen Sicherheitsrats ein, nachdem ein prominenter Journalist in der Innenstadt Zagrebs ermordet wurde. Die kroatische Journalistenvereinigung veröffentlichte unterdessen eine Mitteilung, in der sie davor warnte, dass die Mafia sich in dem EU-Kandidatenland massiv ausbreite.

Der Journalist Ivo Pukanic, der als einer der prominentesten und umstrittensten  Journalisten des Landes galt, wurde durch eine Autobombe im Stadtzentrum von Zagreb getötet. Pukanic erhielt viele Journalismus-Preise, darunter auch einen für sein Interview mit dem entflohenen Kriegsverbrecher General Ante Gotovina im Jahr 2003. Dieser wurde zwei Jahre später auf Teneriffa festgenommen und dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag überstellt. Die von der Autobombe verursachte Explosion tötete außerdem den Marketingchef der Mediengruppe Pukanics, Niko Franjic. Zwei Passanten wurden verletzt. 

Pukanic war dafür bekannt, Einblicke in die Machenschaften der Mafia und persönliche Beziehungen sowohl zu Untergrundorganisationen als auch zu führenden kroatischen Politikern zu haben. Die Polizei sagte, man könne derzeit kein Tatmotiv ausschließen. 

Kroatiens Journalistenvereinigung erließ ein Statement, in dem sie in Erinnerung ruft, dass kroatische Journalisten oft Opfer von Gewalttaten würden. Bereits im April dieses Jahres hatte man auf Pukanic geschossen, während Dušan Miljuš, ein Journalist der Tageszeitung Jutarni List, einen Mordanschlag überlebte.

Der EU-Beitrittskandidat Kroatien macht bei seinen EU-Bemühungen gute Fortschritte, so dass ein Beitritt in den nächsten Jahren möglich wäre. Das Erstarken der Mafia könnte dem Land dabei allerdings in die Quere kommen. Ein Fortschrittsbericht der Kommission wird voraussichtlich im November vorgelegt. 

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