Kühle Luft aus dem deutschen Blätterwald und dem Bundeskanzleramt: Kroatiens Ankunft in der EU hätte durchaus freundlicher sein können. EURACTIV.de bringt morgen ein ausführliches Interview mit Kroatiens Botschafter Miro Kovac.
Die Schlagzeilen in den deutschen Medien zur Begrüßung waren nicht gerade euphorisch. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung spricht vom "neuen Problemland", Die Zeit von Kroatiens freudlosem Beitritt, die Süddeutsche Zeitung beschreibt das Land als "schlecht vorbereitet, mäßig froh" und findet den Jubel im Land "bestenfalls verhalten". Die Stuttgarter Zeitung sieht bloß "Skepsis, Zweifel – und ein wenig Hoffnung". Die Welt glaubt zu wissen: "Kroatien ist bereits das nächste Sorgenkind". Und die Frankfurter Rundschau fragt rhetorisch: "Kroatien ein Sanierungsfall"?
Enttäuschung über die Kanzlerin
Speziell die Begrüßung durch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war nicht so, wie die kroaten sie erwartet hatten: Erstens, weil die Regierungschefin unter Hinweis auf Termingründe ihre Teilnahme an der Feier in Zagreb absagte, was ihr kroatische Medien als "Ohrfeige" übelnahmen; und zweitens, weil sie die 4,5 Millionen Neubürger gleich mit Ermahnungen begrüßte: "Gerade im Bereich der Rechtssicherheit und der Korruptionsbekämpfung sind noch viele weitere Schritte zu gehen."
Kroatiens Außenministerin Vesna Pusic versprach den Steuerzahlern der EU, dass der Beitritt ihres Landes keine Gefahr darstelle. Kroatien erwarte 2014 ein moderates und 2015 ein starkes Wirtschaftswachstum und sei auf den EU-Beitritt besser vorbereitet, als es manch anderes Mitglied gewesen sei.
Ausführliches Interview mit Botschafter Miro Kovac
In einem ausführlichen Interview mit EURACTIV.de beschreibt Kroatiens Botschafter in Berlin, Miro Kova?, den politischen, wirtschaftlichen sowie mentalen und emotionalen Zustand seines Landes als neues 28. EU-Mitgliedsland.
Der 44-jährige Diplomat war 2008 nach Deutschland entsandt worden, um den Integrationsprozess bis zum Beitritt zu begleiten. "Wir dachten damals, es werde schneller gehen. Es war nicht einfach."
Der Wortlaut dieses Interviews – zu den immer größeren Schwierigkeiten eines EU-Beitritts, zu den Befürchtungen eines "neuen Griechenlands", zum Beitritt in den Euro- und den Schengen-Raum, zu Korruption und Bürokratie, zu Rechtsstaatlichkeit und Vergangenheitsaufarbeitung, zu den Erwartungen der Kroaten an die EU, zu Liberalisierungen und Brain-Drain, zur kroatischen Rolle gegenüber den benachbarten Balkanstaaten und zur Zukunft der Europäischen Union – erscheint morgen, am 2. Juli, auf EURACTIV.de.
ekö
Links:
Europa-Union Deutschland: "Willkommen in der Europäischen Union, Kroatien!" (Pressemitteilung vom 28. Juni 2013)
EURACTIV.de: Österreichs Außenminister Spindelegger: Kroatien Wegbereiter für EU-Erweiterung am Balkan? (27. Juni 2013)
EURACTIV.de: Analyse der Europa-Gesellschaft Coudenhove-Kalergi: Endlich Gerechtigkeit für Kroatien (24. Juni 2013)
EURACTIV.de: Abstimmung im EU-Parlament: Grünes Licht für kroatischen Kommissar Mimica (13. Juni 2013)

