Bemüht, im Vorfeld der Wahlen am 11. Mai 2008 Serbiens pro-europäische Kräfte zu unterstützen, haben die Außenminister der EU und der serbische Präsident Boris Tadic, der selbst ein EU-Freund ist, ein bereits seit langem hinausgezögertes Vorbeitrittsabkommen unterzeichnet. Serbiens nationalistischer Premierminister Vojislav Kostunica hat dieses Abkommen umgehend für rechtswidrig erklärt und gedroht, die nächste Regierung werde es annullieren.
Die Unterzeichnung des Abkommens wurde möglich, nachdem der niederländische und der belgische Außenminister ihre ablehnende Haltung über Bord geworfen hatten. Sie betonten jedoch, sie unterstützen das Abkommen nur unter der Bedingung, dass es nicht ratifiziert werden wird und dass Serbien keiner der im Abkommen vorgesehenen Unterstützungen erhalten wird, solange das Land nicht vollständig mit dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) zusammenarbeitet (EURACTIV vom 23. April 2008).
Das Abkommen steht nun im Mittelpunkt der Wahlkampagnen in Serbien. Jüngsten Umfragen zufolge liefern sich das pro-europäische und das nationalistische Lager ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Serbiens Präsident Tadic sagte, das Abkommen übermittle die eindeutige Botschaft, dass Serbiens Zukunft in Europa liege. Er äußerte ebenfalls den Wunsch seines Landes, bis Ende des Jahres offiziell Beitrittskandidat zu werden.
Tadic machte jedoch auch deutlich, dass die Unterzeichnung des SAA – das vorrangig ein Wirtschaftsabkommen ist – nicht mit einer Anerkennung des Kosovo durch Serbien verwechselt werden solle. Tadic sagte, sein Land werde die Unabhängigkeit des Kosovo nie anerkennen.
Dies ist die größte Sorge des serbischen nationalistischen Premierministers Kostunica, dessen Partei derzeit bei Meinungsumfragen knapp vorn liegt. Kostunica nannte die Unterzeichnung des SAA einen „staats- und verfassungswidrigen Akt“ und sagte, das serbische Parlament werde das Abkommen nach den Wahlen im kommenden Monat „annullieren“.

