Vollkorn für Kinder: EU soll bei Ernährung in Schulen ansetzen

Während Zucker und Fett in den letzten zwei Jahrzehnten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind, weisen Experten nun auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Vollkornprodukten hin und raten dringend dazu, diese bereits in jungen Jahren zu sich zu nehmen. [SHUTTERSTOCK/BARBONE]

Experten fordern die Aufnahme von Vollkornprodukten in das EU-Schulprogramm und die öffentliche Beschaffung von Lebensmitteln. Während Zucker und Fett im Fokus der Öffentlichkeit sind, weisen Experten auch auf die Bedeutung von Vollkornprodukten bei der Ernährung von Kindern hin.

Im Gegensatz zu verarbeitetem Getreide enthalten Vollkornprodukte das gesamte Getreidekorn und seine natürlich vorkommenden Nährstoffe. Beispiele hierfür sind Gerste, Mais, Hafer und Quinoa.

Während Zucker und Fett in den letzten zwei Jahrzehnten in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind, weisen Experten nun auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Vollkornprodukten hin und raten dringend dazu, diese bereits in jungen Jahren zu sich zu nehmen.

Laut der Global Burden of Disease (GBD)-Studie war beispielsweise ein geringer Vollkornkonsum der häufigste ernährungsbedingte Risikofaktor für Todesfälle in der EU im Jahr 2019. Die Forscher fanden heraus, dass fast 215.000 vermeidbare Todesfälle in den EU-Staaten die Folge einer vollkornarmen Ernährung waren.

Eine im Jahr 2013 von der Cambridge Universität veröffentlichte Studie legt nahe, dass Vollkornprodukte zur Reduzierung von Fettleibigkeit bei Kindern beitragen können, von der nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes dritte Kind im Schulalter in Europa betroffen ist.

Die Forscher fanden heraus, dass Kinder zwischen zwei und sieben Jahren, die täglich mehr als eineinhalb Portionen Vollkorn konsumierten, ein um 40 Prozent geringeres Risiko hatten, an Fettleibigkeit zu erkranken.

Allerdings liegt der Vollkornkonsum in Europa derzeit „weit unter den empfohlenen Werten“, warnte Sara Lamonaca, Mitglied der Erzeugerorganisation FoodDrinkEurope, kürzlich auf einer Veranstaltung, die sich mit der Wichtigkeit des Vollkornkonsums befasste.

2024 als Europäisches Jahr der Lebensmittel-Nachhaltigkeit ?

Eine Gruppe von Europaabgeordneten rät der Kommission in einem Schreiben, welches EURACTIV vorliegt, das Jahr 2024 zum Europäischen Jahr der „nachhaltigen und widerstandsfähigen Lebensmittelsysteme“ auszurufen.

Ein guter Deal für Schulen

Laut Fatima Hachem von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist es von entscheidender Bedeutung, Vollkornprodukte vom ersten Tag an in die Ernährung der Kinder zu integrieren, um eine solide Grundlage für das spätere Leben zu schaffen.

Die Expertin betonte, dass die Ernährungsbildung „in das Schulsystem integriert werden muss.“

Auch für die Europaabgeordnete Manuela Ripa der ÖDP sollte Vollkorn „regelmäßig auf den Tellern von Schulkindern landen“, fügte sie hinzu.

Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, sei das EU-Schulprogramm, so die Abgeordnete. Das Programm, welches plant, kostenloses Obst, Gemüse und Milch den Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen, sollte ursprünglich bis Ende dieses Jahres im Rahmen der Farm-to-Fork-Strategie, veröffentlicht werden. Allerdings ist es neben einer Reihe von anderen Agrar- und Lebensmittelprojekten auf der Strecke geblieben.

„Viele Kinder verbringen viel mehr Zeit draußen als drinnen“, sagte Ripa und betonte, dass die Sicherstellung einer gesunden Ernährung für unsere jüngsten Bürger „nicht nur Aufgabe der Eltern, sondern auch des öffentlichen Sektors“ sei.

Die Bereitstellung von Vollkornprodukten für Kinder mag Fragen hinsichtlich der Finanzierbarkeit und der geschmacklichen Vorlieben aufwerfen, aber einige Fallstudien lassen vermuten, dass diese Lebensmittel erfolgreich in Schulen eingeführt werden können.

Ein von der Rockefeller-Stiftung durchgeführtes Projekt in ruandischen Schulen legt beispielsweise nahe, dass Vollkornprodukte nicht nur gesünder, sondern auch erschwinglicher und sogar besser schmecken.

„Wenn man verarbeitetes Getreide durch Vollkorn ersetzt, kann man den Nährwert verdreifachen, ohne auch nur einen Cent mehr zu bezahlen“, sagte Pieter Milani, Direktor der Stiftung, der darauf hinwies, dass dies auch einen um 25 Prozent geringeren ökologischen Fußabdruck mit sich bringe.

Darüber hinaus stellte Milani fest, dass sich die Vorlieben der Kinder in Richtung Vollkornprodukte veränderten und die Familien dank eines „Spillover-Effekts vom Klassenzimmer zu den Haushalten“ anfingen, Interesse zu zeigen.

„Wir haben nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern, Lehrer, Köche und alle Mitglieder der Schulgemeinschaft einbezogen“, fügte er hinzu.

EU-Parlament fordert inklusivere Schulkantinenangebote

Die in Schulkantinen erhältlichen Produkte sollten die Ernährungseinschränkungen von Kindern wie Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien berücksichtigen, wozu auch pflanzliche Alternativen gehören können, so die Abgeordneten – ein Thema, das unter den Interessengruppen umstritten ist.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren