Ukraine-Krieg: EU-Agrarsektor muss sich auf Konsequenzen einstellen

“The consequences of this Russian aggression will have a major impact on our agri-food sector. And it will be painful, but we have to suffer that pain,” a Commission representative said.

Der Krieg in der Ukraine hat das heikle Thema der Ernährungssicherheit in der EU in den Vordergrund gerückt. Die Europäische Kommission mahnt den Agrar- und Ernährungssektor, sich auf die Auswirkungen einzustellen, sowohl auf kurze wie auf lange Sicht.

Auf die Ukraine und Russland entfallen 30 Prozent des weltweiten Marktanteils für Weizen, 32 für Gerste, 17 für Mais und über 50 Prozent bei Sonnenblumenöl und -samen, so Michael Scannell von der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission (DG AGRI) bei einer Sitzung des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments am Montag (28. Februar).

Er warnte, dass diese starke Abhängigkeit von einem momentan so turbulenten Teil der Welt schwerwiegende Folgen für den Agrar- und Ernährungssektor der EU haben werde.

Der Krieg wird nicht nur die Preise für Getreide wie Weizen in die Höhe treiben, sondern auch den Handel mit tierischen Erzeugnissen stark beeinträchtigen. Denn die EU treibt mit beiden Ländern einen intensiven bilateralen Handel mit Schweine- und Geflügelfleisch.

Mit Russland, dem sechstgrößten Handelspartner der EU, konzentriert sich der Handel indessen auf verarbeitete Produkte mit höherer Wertschöpfung, wie Süßwaren, Weine, Spirituosen und Kekse.

„Die Folgen dieser russischen Aggression werden sich stark auf unseren Agrar- und Ernährungssektor auswirken. Und es wird schmerzhaft sein, aber wir müssen die Konsequenzen ertragen“, schloss er. Er zeigte sich solidarisch gegenüber der Ukraine und stimmte der Entscheidung der EU zu, Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

EU kündigt Sanktionen gegen die russische Zentralbank an

Spitzenbeamte der Europäischen Union kündigten am Sonntag (28. Februar) neue EU-Sanktionen gegen die russische Zentralbank (CBR) an. Dabei sollen die Möglichkeiten der Zentralbank, auf ihre Reserven zuzugreifen, stark eingeschränkt werden, um damit den Rubel zu destabilisieren.

Die Abgeordneten schlossen sich dieser Meinung an und sprachen ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk aus.

So betonte Ulrike Müller von Renew Europe, die EU müsse zwar Kosten tragen, die sich in Euro bemessen, doch die Ukrainer:innen bezahlten mit ihrem Leben. „[Die EU] muss bereit sein, den Preis für die Demokratie zu zahlen“, betonte sie.

Auch die sozialdemokratische Europaabgeordnete Clara Aguilera betonte, dass es unabhängig von den Auswirkungen auf die Agrarmärkte das Wichtigste sei, „sicherzustellen, dass wir den Kampf für die Demokratie in Europa und in der Ukraine gewinnen.“

Die Kommission warnte jedoch auch vor weitreichenden Konsequenzen für die Agrarmärkte.

Abgesehen davon, dass es fraglich bleibe, ob der Handel in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden könne, wies Scannell darauf hin, dass der Krieg auch die Aussaat von Nutzpflanzen stören werde.

Das bedeutet, dass die Krise voraussichtlich „mittelfristig andauern“ und sich auch auf die Ernte des nächsten Jahres auswirken werde, erklärte er.

Die Mitglieder des Landwirtschaftsausschusses sahen dies als Beispiel dafür, dass die heikle Frage der Lebensmittelsicherheit trotz gegenteiliger Behauptungen stärker in den Vordergrund gerückt werden müsse.

Unterschiede bei der Lebensmittelsicherheit in der EU

Die EU-Länder haben in einer Studie, die den Stand der globalen Ernährungssicherheit misst, recht unterschiedlich abgeschnitten: Insgesamt liegt die EU im globalen Ranking sehr weit vorne; es zeigen sich jedoch Diskrepanzen innerhalb des Blocks.

„Langfristig müssen wir uns darauf konzentrieren, die Lebensmittelsicherheit in Europa zu stärken und unsere Abhängigkeit von russischem Öl und Gas zu verringern“, sagte die liberale Abgeordnete Müller.

Martin Häusling von den Grünen fügte hinzu, dass die EU „in den kommenden Jahren unabhängig von Russland werden muss, unabhängig davon, wie schnell dieser Konflikt endet und wie stark der Lebensmittelsektor betroffen ist.“

Der rechte Abgeordnete Bert-Jan Ruissen ging noch einen Schritt weiter, indem er die Befürchtung äußerte, dass die Lebensmittel-Flaggschiffstrategie der EU – die Farm-to-Fork-Strategie, überdacht werden müsse, um sicherzustellen, dass sie „unsere Abhängigkeiten nicht verschlimmert.“

„Ist es nicht an der Zeit, die Farm-to-Fork-Strategie neu zu überdenken, nachdem wir in den letzten Tagen gesehen haben, dass sie zu mehr Abhängigkeit führt, insbesondere bei Lebensmitteln?“, fragte er.

Scannell räumte zwar ein, dass es mehrere „Schwachstellen“ im EU-Agrarsektor gebe, darunter die Abhängigkeit von importiertem Gas und Düngemitteln, betonte jedoch, dass die Kommission gemeinsam mit den wichtigsten Interessengruppen Maßnahmen ergreife, um diese zu beseitigen.

Gleichzeitig betonte er die Stärken des Sektors, der „enorm widerstandsfähig und leistungsfähig“ sei und „sich bereits bei der Corona-Pandemie als sehr erfolgreich erwiesen hat und dafür gesorgt hat, dass sichere, hochwertige und erschwingliche Lebensmittel auf den Tellern der Europäer:innen landen.“

Die Kommission wird nun während eines informellen Treffens der EU-Agrarminister:innen zu diesem Thema am Donnerstag (3. März) weitere Informationen bekannt geben.

Unterschiede bei der Lebensmittelsicherheit in der EU

Die EU-Länder haben in einer Studie, die den Stand der globalen Ernährungssicherheit misst, recht unterschiedlich abgeschnitten: Insgesamt liegt die EU im globalen Ranking sehr weit vorne; es zeigen sich jedoch Diskrepanzen innerhalb des Blocks.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna und Alice Taylor]

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