Rumänien will fehlende Agrarexporte aus Ukraine ausgleichen

Die Pläne der rumänischen Exekutive, die Landwirtschaftsstratedes Landes an die Realität infolge des Krieges in der Ukraine anpassen. Dies wurde von der Europäischen Kommission aktiv gefördert.

Dieser Artikel ist Teil des special reports Wie der Ukraine-Krieg die Gemeinsame Agrarpolitik umgestaltet

Als einer der führenden Agrarproduzenten in der EU setzt Rumänien alles daran, die durch russische und ukrainische Exporteure entstandenen Versorgungslücken zu schließen. Das Land tariert angesichts des Krieges seine agrarpolitischen Prioritäten neu aus. EURACTIV Rumänien berichtet.

Der Konflikt hat den gesamten EU-Agrar- und Ernährungssektor schwer erschüttert, vor allem aber in Rumänien, das an die Ukraine grenzt, hat der Krieg seine Spuren hinterlassen.

Rumänien steht nun an vorderster Front, wenn es darum geht, einige der von russischen und ukrainischen Exporteuren hinterlassenen Versorgungslücken zu schließen.

Laut Landwirtschaftsminister Adrian Chesnoiu habe Rumänien zwar bereits Vorkehrungen getroffen, um die Widerstandsfähigkeit des Sektors zu verbessern, aber das Land wolle noch einen Schritt weiter gehen.

„Viele der Dinge, die wir in [dem GAP-Plan] aufgegriffen haben, beziehen sich auch auf die damit verbundenen Risiken. Bevor der Krieg kam, hatten wir bereits die Energie- und Gaskrise, die sich auf die Ergebnisse ausgewirkt hat“, sagte er gegenüber EURACTIV Rumänien.

Der Plan, der detailliert darlegt, wie Rumänien die neun EU-weiten Ziele der reformierten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erreichen will, wurde wenige Tage nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine in Brüssel eingereicht, aber bereits vor der Invasion vorbereitet.

Die Regierung überdenkt nun ihren Ansatz für den Plan, und die rumänische Landwirtschaftsstrategie wird wahrscheinlich durch den Krieg in der Ukraine erheblich beeinflusst werden.

Rumänien setzt vor allem auf die Lebensmittelverarbeitung und stellt spezielle Mittel bereit, um seine Kapazitäten in diesem Bereich auszubauen.

„Um die notwendigen Lebensmittel zu gewährleisten, muss man die Rohstoffe verarbeiten“, so Chesnoiu.

Laut Sorin Moise, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, sollen die Anbauflächen für Sonnenblumen in mehreren Gebieten Rumäniens im Vergleich zum letzten Jahr erweitert werden.

So hat beispielsweise eine Gruppe von Landwirt:innenen aus der Region Mureș im zentralen Teil des Landes beschlossen, sich nach der Schließung der Zuckerfabrik in Luduș, die dem französischen Konzern Tereos gehört, vom Zuckerrübenanbau abzuwenden und stattdessen Sonnenblumen zu pflanzen.

Die Gruppe plant nun die größte Fabrik zur Verarbeitung von Sonnenblumen in Rumänien zu errichten.

EU-Supermärkte rationieren Lebensmittel wegen möglicher Panikkäufe

Einige europäische Einzelhändler haben angesichts des Ukrainekriegs bereits drastische Maßnahmen ergriffen. Es wird befürchtet, dass der Krieg zu Lebensmittelknappheit führen und Panikkäufe auslösen wird, wodurch beispielsweise die Menge an Sonnenblumenöl pro Kunde begrenzt wird.

Moise fügte hinzu, dass Rumänien die Diskussionen über die Ernährungssicherheit, die in der gesamten EU stattfinden, sowie die Entscheidungen über eine Ausnahmeregelung für den Anbau von Pflanzen auf Flächen, die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt brachliegen, weiterhin unterstütze.

„Im Moment gibt es keinen Grund zur Sorge. Aber wir müssen sehr vorsichtig sein und sehen, ob wir es uns leisten können, vier Prozent unseres Ackerlandes brachliegen zu lassen, ob wir es uns leisten können, die Menge der Düngemittel und Pestizide zu reduzieren und ob die Anwendung dieser Maßnahmen nicht die Getreideproduktion und damit die Ernährungssicherheit der EU-Bürger:innen beeinträchtigen wird“, warnte er.

Alin Mituța, Europaabgeordneter der liberalen Renew-Fraktion, betonte derweil, dass Rumänien aufgrund der Auswirkungen des Konflikts auf den Futtermittelanbau mehr Eiweißpflanzen erzeugen sollte.

„Wir importieren große Mengen an Eiweißpflanzen für Tiere in die EU, zum Beispiel Sojabohnen… Ich denke, wir müssen in der Europäischen Union die Kapazität entwickeln, diese Eiweißpflanzen zu produzieren, und Rumänien hat ein großes Potenzial dafür“, sagte Mituța.

Ein weiteres Beispiel, das der Abgeordnete anführte, war die Entwicklung von Alternativen zu Erdgasdüngemitteln, was angesichts der steigenden Gaspreise und der Notwendigkeit, die Abhängigkeit der EU von fossilen Brennstoffen aus Russland zu verringern, von besonderer Bedeutung ist.

Obwohl Rumänien einer der größten Erdgasproduzenten in der EU ist, wurde es von Problemen im Düngemittelsektor schwer getroffen, da die größten Hersteller von chemischen Düngemitteln in Rumänien die Produktion entweder aufgrund rechtlicher Streitigkeiten oder des hohen Gaspreises eingestellt haben.

Eine Anpassung der rumänischen Strategie an diese neue Realität wurde von der Europäischen Kommission aktiv gefördert.

So sagte Mariusz Stefan Migas, Referatsleiter in der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission (GD AGRI), vor kurzem bei einem Treffen, dass diese nationalen Strategiepläne möglicherweise geändert werden müssten, um Elemente aufzunehmen, die sich auf die Situation in der Ukraine und die Auswirkungen des Konflikts auf die EU-Agrar- und Ernährungsindustrie beziehen.

Er schlug vor, den Schwerpunkt verstärkt auf die Sonnenblumenproduktion oder die Möglichkeiten im Bereich der erneuerbaren Energieerzeugung zu legen.

[Bearbeitet von Natasha Foote und Benjamin Fox]

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