Grünes Licht für den gelben Wurm

Kann, muss aber nicht zwangsläufig zu Ekel-Anfällen führen: Ein gebratener Mehlwurm-Insekten-Burger. [stockcreations / Shutterstock]

Getrocknete gelbe Mehlwürmer sind die ersten essbaren Insekten, die nun offiziell für die Zulassung und Vermarktung in der EU zugelassen sind.

Die erste EU-weite Zulassung von Insekten für den menschlichen Verzehr wurde am Montag vom ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (scoPAFF) erteilt, in dem Vertreter der Mitgliedsstaaten sitzen und der von der EU-Kommission geleitet wird.

Die jüngste Entscheidung erfolgt nach einer positiven Risikobewertung des gelben Mehlwurms – gemeint sind dabei die Larven des Käfers Tenebrio molitor – die die EU-Lebensmittelbehörde EFSA bereits im Januar abgegeben hatte. Diese wissenschaftliche Bewertung des Mehlwurms, der nun entweder als ganzes getrocknetes Insekt oder in Form von Pulver angeboten werden darf, war nach dem entsprechenden Antrag der französischen Firma EAP Group Agronutris im Jahr 2018 notwendig geworden.

Im Januar-Gutachten kommt die EFSA zu dem Schluss, dass das Insekt unter den vorgeschlagenen Verwendungsbedingungen sicher verzehrt werden kann. Sie weist jedoch auf einige potenzielle Unverträglichkeiten hin, insbesondere bei Personen mit Allergien gegen Krebs- und Schalentiere und/oder Hausstaubmilben. Entsprechend empfiehlt das EFSA-Gremium, „die Allergenität des gelben Mehlwurms noch weiter zu untersuchen“.

Heute gibt's Mehlwurm: Grünes EFSA-Licht für Lebensmittel auf Insektenbasis

Mehlwürmer sind laut einem neuen Gutachten der EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ohne Bedenken für den menschlichen Verzehr geeignet. Das ebnet den Weg für eine erste EU-weite Marktzulassung.

Nach der Zustimmung der Mitgliedsstaaten wird nun erwartet, dass die EU-Exekutive in den kommenden Wochen eine entsprechende Gesetzgebung entwirft und verabschiedet, die dann die offizielle Einführung des Insekts auf dem Markt als „neuartiges Lebensmittel“ erlaubt.

Sogenannte neuartige Lebensmittel werden in der EU definiert als Nahrungsmittel, die vor dem 15. Mai 1997 (als die ersten Rechtsvorschriften für derartige Lebensmittel in Kraft traten) nicht in nennenswertem Umfang in Europa konsumiert wurden. Dabei muss es sich entweder um neu hergestellte oder zusammengesetzte Verbindungen handeln, die aus neuen Nahrungsmittelquellen stammen oder mit neuen Technologien hergestellt wurden, oder um Lebensmittel, die außerhalb der EU bereits zuvor traditionell verzehrt wurden.

In dem Bestreben, es Lebensmittelunternehmen zu erleichtern, neue und innovative Produkte einfacher und schneller auf den EU-Markt zu bringen und gleichzeitig ein hohes Maß an Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten, trat im Januar 2018 eine aktualisierte EU-Verordnung über neuartige Lebensmittel in Kraft.

Seitdem sind bei der EFSA 15 Anträge für derartige Lebensmittel im Zusammenhang mit Insekten eingegangen. Für elf davon wurde die Risikobewertung eingeleitet, die restlichen vier befinden sich in der grundsätzlichen Eignungsprüfung.

Ein kürzlich ergangenes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) besagt, dass ganze Insekten als neuartige Lebensmittel im Rahmen der Verordnung von 2018 zu betrachten sind und als solche eine formelle Zulassung benötigen.

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Zwar sind insektenbasierte Lebensmittel nach wie vor ein Nischenprodukt, werden jedoch als vielversprechende Lösung für die Nachhaltigkeitsherausforderungen in der Lebensmittelindustrie angesehen. Schließlich bieten sie eine nachhaltige Proteinquelle, die mit minimalen Ressourcen kultiviert werden kann.

Die EU-Kommission erinnert ihrerseits daran, dass der Verzehr von Insekten als alternative Proteinquelle „nicht neu“ sei und dass Insekten in vielen Teilen der Welt regelmäßig gegessen werden. „Es liegt letztendlich an den Verbraucherinnen und Verbrauchern, zu entscheiden, ob sie Insekten essen wollen oder nicht“, heißt es in einer Notiz auf der Webseite der EU-Exekutive.

Derweil soll die neue Lebensmittel- und Agrarpolitik der Kommission (Farm to Fork-Strategie, F2F) die Schaffung von „nachhaltigen und neuartigen Futter- und Lebensmitteln“ unterstützen. Insekten werden als eine solche mögliche Innovation aufgeführt. Auch im Rahmen des EU-Innovationsförderprogramms Horizon Europe werden Proteine auf Insektenbasis als ein wichtiger Forschungsbereich angesehen.

[Bearbeitet von Josie Le Blond und Tim Steins]

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