Glasaalfischerei trotz Widerstand der Kommission weiter erlaubt

Ende Oktober sprach sich die Kommission für ein vollständiges Verbot der Glasaalfischerei im Atlantik und im Mittelmeer aus und stützte sich dabei auf eine Studie des Internationalen Rates für Meeresforschung, der ein vollständiges Fangverbot für 2023 forderte. [Joyce Godsey / Shutterstock]

Die EU-Fischereiminister:innen haben beschlossen, die Glasaalfischerei bis 2023 weiter zu ermöglichen. Die Entscheidung wurde von der Fischereiwirtschaft begrüßt, widerspricht aber Forderungen von EU-Kommission und Umweltschützer:innen nach einem Verbot.

Die EU-Minister:innen einigten sich am Dienstag (13. Dezember) nach zweitägigen Verhandlungen auf die Fangquoten für 2023. Die Quoten für Aale – insbesondere für die teuren Glasaale, deren Fang zunehmend umstritten ist – wurden ebenfalls vereinbart.

„Dieses Abkommen ist für Frankreich zufriedenstellend“, sagte der Staatssekretär für maritime Wirtschaft, Hervé Berville, zum Abschluss der Verhandlungen am Dienstag.

„Das Ergebnis ist positiv für Spanien“, sagte auch der spanische Fischereiminister Luis Planas.

Für die Europäische Kommission dürfte die Einigung jedoch kaum zufriedenstellend sein.

Ende Oktober hatte sie sich für ein vollständiges Verbot der Glasaalfischerei im Atlantik und im Mittelmeer ausgesprochen und sich dabei auf eine Studie des Internationalen Rates für Meeresforschung gestützt, der ein vollständiges Fangverbot für 2023 forderte.

Die Glasaalfischerei ist für Frankreich ein wichtiger Wirtschaftszweig, mit über 600 französische Fischer:innen, die im Mittelmeer und im Atlantik nach der gefährdeten Art fischen. Frankreich deckt etwa 65 bis 70 Prozent der europäischen Produktion ab und liegt damit vor dem Vereinigten Königreich, Spanien und Portugal.

Nur wenige europäische Länder wie Irland und Norwegen haben den Fang der Aale, die als Delikatesse gelten, in ihren Gewässern verboten.

Bereits im Jahr 2008 wies die International Union for Conservation of Nature auf den besorgniserregenden Zustand der Art hin und stufte sie als „stark gefährdet“ ein.

Laut der European Eel Alliance, einem Zusammenschluss von rund 100 nichtstaatlichen Umweltorganisationen, beträgt die derzeitige Biomasse nur ein bis drei Prozent der Ausgangsbiomasse.

Mit dem Golfstrom kehren die jungen Aale, die in der Sargassosee im Nordatlantik geboren wurden, zum Aufwachsen in die Flüsse zurück. Einige Jahre später kehren sie dann zur Fortpflanzung in die Sargassosee zurück.

EU-Minister wollen bei Fischfangquoten weiter vorausplanen

Eine Koalition von Mitgliedstaaten hat vorgeschlagen, mehrjährige Fischfangquoten für bestimmte Bestände festzulegen, mehr Planungssicherheit für den Sektor zu schaffen, nachdem sich die zuständigen Minister:innen diese Woche auf Fangquoten für 2023 einigten.

Gute Nachrichten für den Sektor und die Minister:innen

Die Entscheidung ist eine gute Nachricht für den Sektor, dessen Fischer:innen in Frankreich, Spanien und in geringerem Umfang in Dänemark und Belgien weiterhin Glasaale fangen.

Das sechsmonatige Verbot der „kommerziellen Fischerei und der Freizeitfischerei in Meeresgewässern während der Migrationsperiode“, das EU-Fischereikommissar Virginijus Sinkevičius auf einer Pressekonferenz nach den Verhandlungen ankündigte, gilt ab dem 1. März 2023 und wird sich kaum auf den Sektor auswirken.

„Die Fischereisaison erstreckt sich ungefähr von November bis März. Es kostet nichts, dann zu schließen“, so Philippe Garcia, Präsident der Vereinigung für den Schutz der aquatischen Umwelt.

„Was die Kommission vorschlägt, ist ein sechsmonatiges Verbot, das sich auf die Saison, auf die Fangzeit konzentriert, die damit nichts zu tun hat“, fügte er hinzu.

In ihrem Vorschlag erklärt die EU-Kommission, dass das „sechsmonatige Fangverbot […] die Hauptwanderungszeit für Glasaale beziehungsweise Blankaale abdecken sollte.“

Auch das französische Fischereiministerium zeigte sich in einer Erklärung erleichtert. „Der Staatssekretär teilt zwar die Einschätzung der Wissenschaftler:innen über den sehr schlechten Zustand des Aals, lehnte aber die von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Lösungen ab, die eine vollständige Schließung dieser Fischerei im Atlantik und im Mittelmeer empfahlen“, heißt es darin.

Vor den Verhandlungen sagte der französische Staatssekretär Berville, dass es wichtig sei, dass die Wirtschaftstätigkeit an der Küste fortgeführt werden kann.

„Wir sind Hervé Berville dankbar, dass er den französischen Aalbewirtschaftungsplan, den der Berufsstand seit 13 Jahren umsetzt, quasi gerettet hat“, sagte Olivier Le Nezet, Präsident des französischen Nationalen Ausschusses für Seefischerei und Meereszucht, am Dienstagabend (13. Dezember).

Um die Ziele der EU zur Erholung des Aalbestands zu erreichen, hat Frankreich 2009 einen Aalbewirtschaftungsplan entwickelt, der seit 2013 den Fang von Glasaalen um 60 Prozent begrenzt und die Fischer dazu verpflichtet, 60 Prozent ihrer Fänge wieder aufzufüllen. Der Verbrauch macht heute nur noch 40 Prozent der gefangenen Menge aus.

Letzter Nagel im Sarg

Während die Fischer:innen jedoch auch auf die Fragmentierung der Flüsse, die Verschmutzung und die Wilderei hinweisen, die sich auf die Aalart auswirken, machen die Umweltverbände hauptsächlich die Überfischung verantwortlich.

„Der Rat ignoriert in eklatanter Weise seine rechtliche Verpflichtung, die in der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) verankert ist, alle Fischpopulationen oberhalb des nachhaltigen Niveaus wiederherzustellen und zu erhalten“, so die NGO Oceana Europe.

Für Jenni Grossmann, wissenschaftliche und politische Beraterin für Fischerei bei ClientEarth, leugnen die EU-Minister:innen völlig die wissenschaftlichen Erkenntnisse und fügten hinzu, dass sich ihre Entscheidung „als der letzte Nagel im Sarg dieser stark gefährdeten Art erweisen könnte.“

Beide Organisationen erklärten außerdem, dass die Entscheidungen des Ministerrates gegen die EU-Verordnung verstoßen würden. Diese sieht vor, dass mindestens 40 Prozent der Biomasse fortpflanzungsfähiger Blankaale ins Meer entweichen müssen.

„Damit die Wiederaufstockung funktioniert, müssten die erwachsenen Aale das Meer erreichen, aber sie werden oft schon vorher abgefischt. Eine Studie hat außerdem gezeigt, dass 50 Prozent der wiederaufgezogenen Glasaale innerhalb von drei Monaten nach dem Fang sterben. Die Hälfte von ihnen wird das Meer nie wieder sehen“, fügte Garcia hinzu.

Fischerei-nahe EU-Parlamentarier zweifeln an Engagement des Umweltkommissars

Abgeordnete der Mehrheitsfraktionen im Europäischen Parlament haben EU-Fischereikommissar Virginijus Sinkevičius vorgeworfen, den Umweltschutz zum Nachteil der wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit des Fischereisektors in den Vordergrund zu stellen.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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