EU rechnet mit Anstieg der Getreideexporte als Ausgleich für ukrainischen Weizen

Im Jahr 2021 entfielen auf die Ukraine 10 Prozent des weltweiten Weizen- und Maishandels und mehr als ein Drittel des weltweiten Handels mit Sonnenblumenöl. [SHUTTERSTOCK/DobraKobra]

Die Europäische Kommission schätzt, dass die Getreideexporte der EU in den nächsten zwei Jahren um 30 Prozent steigen werden, um die Auswirkungen der kriegsbedingten Ernteausfälle in der Ukraine auf den Weltmärkten abzufedern.

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat das Thema Ernährungssicherheit erneut ins Rampenlicht gerückt, da beide in den Krieg verwickelten Länder eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Welt mit Grundnahrungsmitteln und Ölen spielen.

Zusammen liefern die beiden landwirtschaftlichen Großmächte mehr als ein Drittel des weltweiten Weizens und der Gerste, 52 Prozent des Maises und über 50 Prozent des Sonnenblumenöls und -Kerns.

Der jüngste Bericht der Europäischen Kommission über die kurzfristigen Handelsaussichten, der am Dienstag (5. April) veröffentlicht wurde, räumt ein, dass die Invasion „die Agrarmärkte erheblich gestört und die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen weltweiten Verfügbarkeit von Getreide und Ölsaaten verschärft hat“.

Allerdings fügt die Kommission hinzu, dass die europäische Getreide- und Ölsaatenernte nach neuen Prognosen „sehr gut“ ausfallen dürfte.

Neben dem prognostizierten höheren Ertrag bei den Ackerkulturen wird auch die geringere Nachfrage nach Futtermitteln infolge der Krise im Schweinesektor zu dem erwarteten Produktionsschub beitragen.

Trotz einiger ermutigender Preistrends wird die Schweinefleischerzeugung durch die anhaltenden Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und die hohen Energie- und Futterkosten beeinträchtigt werden, wodurch die Gewinnspannen der Erzeuger unter Druck bleiben.

Daher wird erwartet, dass die Nachfrage nach Futtermitteln im Jahr 2022-23 um 1,1 Prozent zurückgehen wird. Auch die Verwendung von Getreide für die Herstellung von Biokraftstoffen wird voraussichtlich zurückgehen, und zwar um 8 Prozent in demselben Zweijahreszeitraum.

Die kombinierte Wirkung dieser beiden Faktoren wird voraussichtlich dazu führen, dass die EU-Getreideausfuhren im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt um 30 Prozent steigen und die EU-Getreideeinfuhren zusätzlich um 42 Prozent sinken.

„Dies würde dazu beitragen, die Auswirkungen des erwarteten Ausfalls der Getreideexporte aus der Ukraine auf die Weltmärkte abzufedern“, heißt es in der Prognose.

In dem Bericht wird auch eingeräumt, dass die ukrainischen Landwirt:innen in diesem Jahr nicht in der Lage sein werden, in vollem Ausmaß zu säen, zu düngen und zu ernten. Die durch den Krieg verursachten Transport- und Logistikstörungen werden sich demnach auch auf die Fähigkeit der Ukraine auswirken, die derzeitige und künftige Produktion zu exportieren.

Das Prognoseszenario sieht vor, dass die Ukraine im Jahr 2022-23 keine Ausfuhren tätigt und 20 Millionen Tonnen Weizen auf dem Weltmarkt fehlen.

Die Getreidepreise auf dem EU-Markt, die in den letzten Wochen bereits stark angestiegen sind, dürften in diesem Jahr und 2023 besonders hoch bleiben, da die Landwirte bereits gesät haben und die Anbaufläche 2022 voraussichtlich um 1 Prozent steigen wird.

Es wird jedoch erwartet, dass die jüngsten Maßnahmen der EU, insbesondere die Entscheidung, ausnahmsweise den Anbau auf Brachflächen zuzulassen, die Produktion steigern werden.

Dies soll durch eine Vergrößerung der für den Getreideanbau nutzbaren Flächen in Verbindung mit den Auswirkungen der hohen Preise für Kulturpflanzen wie Mais auf die Produktion erreicht werden.

Einige Regionen, die aufgrund extremer Witterungsbedingungen Anlass zur Sorge geben, beschränken sich auf die südlichen Regionen Europas und Nordafrikas, wo die Winterkulturen bereits beeinträchtigt wurden.

Während sich die EU bei den meisten Agrarrohstoffen weitgehend selbst versorgen kann, gibt es dem Ausblick zufolge keine wirkliche Möglichkeit, die Einfuhren von Sonnenblumenöl aus der Ukraine zu ersetzen, und die Lebensmittelindustrie äußert bereits Bedenken.

Auf die Ukraine entfiel im Jahr 2021 mehr als ein Drittel des weltweiten Sonnenblumenölhandels. Die Lagerbestände an Sonnenblumensaatgut befanden sich jedoch letztes Jahr auf einem komfortablen Niveau und profitierten von Rekordernten in Europa und einem deutlichen Anstieg in China, der Türkei und Kasachstan.

Die Einfuhren von Sonnenblumenprodukten werden voraussichtlich drastisch um 45 Prozent zurückgehen, da die Einfuhren aus der Ukraine nach dem Ausbruch des Krieges zum Erliegen gekommen sind. Auch die Preise werden sich auf einem historischen Höchststand halten, einschließlich der Preise für Ersatzprodukte wie Raps und andere Ölsaaten.

Für die Kommission könnte dies jedoch Chancen für andere Produkte schaffen, wie etwa Olivenöl zum Kochen, da die Produktion im Zeitraum 2021-22 um 10 Prozent steigen wird.

EU-Supermärkte rationieren Lebensmittel wegen möglicher Panikkäufe

Einige europäische Einzelhändler haben angesichts des Ukrainekriegs bereits drastische Maßnahmen ergriffen. Es wird befürchtet, dass der Krieg zu Lebensmittelknappheit führen und Panikkäufe auslösen wird, wodurch beispielsweise die Menge an Sonnenblumenöl pro Kunde begrenzt wird.

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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