EU-Kommission hält an 2 Millionen Euro Zuschuss für Laborfleisch fest

Kultiviertes Fleisch, auch bekannt als synthetisches, künstliches oder In-vitro-Fleisch, ist ein Produkt, das durch die Entnahme von tierischen Muskelzellen gewonnen wird, die dann in einen Bioreaktor gegeben und mit Protein gefüttert werden, um das Gewebewachstum zu fördern. [SHUTTERSTOCK/ANYAIVANOVA]

Auf Kritik von italienischen EU-Parlamentarier:innen hin hat die Kommission die Entscheidung verteidigt, 2 Mio. Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds für ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur Verfügung zu stellen, das die zelluläre Landwirtschaft voranbringen und die Kosten für im Labor gezüchtetes Fleisch senken soll.

Das Projekt „Feed for Meat“ wird von der Tiernahrungsfirma Nutreco zusammen mit Mosa Meat entwickelt, dem Unternehmen, das 2013 den weltweit ersten im Labor gezüchteten Burger produzierte.

Kultiviertes Fleisch, auch bekannt als synthetisches, künstliches oder In-vitro-Fleisch, ist ein Produkt, das durch die Ernte von tierischen Muskelzellen gewonnen wird, die dann in einen Bioreaktor gegeben und mit Protein gefüttert werden, um das Gewebewachstum zu fördern.

Das Projekt zielt darauf ab, die Nachhaltigkeit der Wertschöpfungskette der zellulären Landwirtschaft weiter zu verbessern, und wird im Rahmen von REACT-EU finanziert, einem der größten Programme der „Next Generation EU” (Wiederaufbaufonds), dem Finanzrahmen der Kommission für die Bewältigung der COVID-19-Pandemie.

„Die Unterstützung durch die Regierung ist ein großer Beitrag, um kultiviertes Rindfleisch auf den europäischen Markt zu bringen“, kommentierte Peter Verstrate, Mitbegründer von Mosa Meat, nach der Gewährung des Zuschusses.

Die Entscheidung hat jedoch Kritik bei Abgeordneten der italienischen Rechtspartei Lega ausgelöst, die eine parlamentarische Anfrage an die Kommission gestellt haben, in der sie um eine Erläuterung der Kriterien für die Finanzierung des Projekts durch das REACT-EU-Programm bitten.

„Es ist inakzeptabel, dass Brüssel Millionen von Euro von europäischen Bürger:innen in Fleisch investiert, das in Laboren produziert wurde“, so die Lega-Abgeordneten in einer Mitteilung.

Auf Anfrage von EURACTIV erklärte eine Quelle der Kommission, die Verwaltung der kohäsionspolitischen Programme sei zwischen der EU und den Mitgliedstaaten aufgeteilt.

Das bedeute, dass das Projekt in Übereinstimmung mit dem Prinzip der geteilten Verwaltung von der Verwaltungsbehörde – in diesem Fall die Region Südniederlande – ausgewählt wurde, die von dem Mitgliedstaat ernannt wurde und für die Auswahl und Umsetzung der Projekte verantwortlich ist.

Die Kommission wurde von der südniederländischen Behörde darüber informiert, dass das Projekt „Feed for Meat“ zum grünen und digitalen Wandel beiträgt, auf den sich REACT-EU in den Niederlanden konzentriert, da es Forschungs- und Entwicklungsunterstützung bietet, um die Verbreitung von kultiviertem Rindfleisch zu ermöglichen.

„Die zelluläre Fleischproduktion erfordert eine geringere Tierhaltung. Infolgedessen werden weniger Treibhausgase wie Ammoniak und Methan emittiert und der Boden wird weniger verschmutzt“, so die EU-Quelle gegenüber EURACTIV.

Das Projekt, so die Quelle weiter, investiert auch in die Entwicklung des Nährbodens auf der Grundlage von zirkulären Rohstoffen mit den geringstmöglichen Umweltauswirkungen und unterstützt die Entwicklung digitaler Werkzeuge.

Eine Reihe von Start-ups in ganz Europa haben begonnen, in die Technologie für im Labor gezüchtetes Fleisch zu investieren. Mosa Meat will in der ersten Hälfte des Jahres 2022 kultivierte Hamburger in Europa auf den Markt bringen.

In Europa fallen Lebensmittel, die aus Zellkulturen oder Gewebekulturen von Tieren, Pflanzen, Mikroorganismen, Pilzen oder Algen bestehen, daraus isoliert oder hergestellt werden, in den Geltungsbereich der EU-Verordnung über neuartige Lebensmittel.

Für kultiviertes Fleisch wäre daher eine Zulassung vor dem Markteintritt sowie eine Genehmigung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erforderlich. Allerdings ist noch unklar, welche Art von ernährungswissenschaftlichen und toxikologischen Nachweisen die EFSA für die Zulassung von kultiviertem Fleisch verlangen würde.

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