Viele Hilfsprojekte scheitern an der Bürokratie der EU, weil ihnen die Kontakte zu Förderstellen fehlen. EU-Regionalkommissar Johannes Hahn schlägt Sonderbeauftragte vor, die den Kontakt zwischen Brüssel und lokalen Projektbetreuern herstellen sollen.
"Von oben begrüßt, von unten gefordert, dazwischen verhindert": So beschreibt der Sozialseelsorger Georg Sporschill bei einer Veranstaltung der "Gesellschaft für Völkerverständigung" in Klosterneuburg bei Wien die Probleme von Sozialhilfeorganisationen im Umgang mit der EU-Bürokratie – in der sich niemand kompetent und handlungsfähig fühle.
Der für Regionalpolitik zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn räumte gegenüber EURACTIV.de ein, schon mehrmals auf das Hilfsprojekt "Straßenkinder" angesprochen worden zu sein, und er sei "mehr als nur bereit, Hilfestellungen zu gewähren". Das Problem sei jedoch, dass es an der "Schriftlichkeit" im Verfahren fehle. Wer von der EU etwas wolle, müsse eben einen Antrag stellen, sein Projekt darstellen und einreichen. Oft fehlen bei humanitärem Engagement der nötige Apparat und das Netzwerk, um sich Zugänge zu den Förderstellen zu verschaffen.
Hier könne ein Sonderbeauftragter, der den Kontakt zwischen Brüssel und lokalen Projektbetreuern herstellt, als Brückenbauer fungieren. So soll in Österreich, dessen Außenpolitik sich künftig besonders der Region Südosteuropa widmen will, der soeben in den Ruhestand getretene Generalsekretär Johannes Kyrle als Sonderbotschafter für Moldawien, dem Armenhaus Europas, fungieren.
Bislang stieß Sporschill, wenn er in der EU um Unterstützung anklopfte, nur auf "verstopfte Kanäle". Zwar sei Europa durchaus dabei, etwa in Rumänien ein funktionierendes Sozialhilfesystem zu etablieren, doch oft erweise sich die Bürokratie als fast unüberwindbares Hindernis. Das Betreuungsnetz für Straßenkinder und verwahrloste Jugendliche, das der 68-jährige Jesuitenpater in Osteuropa aufgebaut hat, gilt mittlerweile als Vorzeigeprojekt in Europa. Finanziert wird es fast ausschließlich durch private Spenden. Schwerpunkt ist das europäische Roma-Dorf namens "Elijah" im rumänischen Siebenbürgen, gegründet 2012, um die dort in Slums ohne Strom, Wasser, Gas und Müllentsorgung lebenden Roma-Familien aufzufangen.
Begonnen hat Sporschills Hilfsprogramm nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende des Ceaucescu-Regimes 1991 in Rumänien. In Ploie?ti wurde eine ehemalige Kolchose gekauft und für 100 Straßenkinder in eine "Farm für Kinder" umgewandelt. 2004 erweiterte man die Tätigkeit auf die Republik Moldawien, 2008 nach Bulgarien. Mittlerweile werden 1.000 Kinder betreut.
Unterstützung für die junge Regierung Moldawiens
Besondere Aufmerksamkeit müsse die EU, so Sporschill, der Republik Moldawien schenken, einem der ärmsten Länder Europas mit fragiler politischer Situation. Nach einer Regierungskrise im vergangenen Jahr wurden die Kommunisten auf die Oppositionsbank verbannt, seither wird das Land von einer pro-europäischen Mitte-Rechts-Regierung unter Ministerpräsident Iurie Leanca geführt. Im November 2014 gibt es Neuwahlen. Sporschill plädiert an Brüssel, mit wirtschaftlichen Fördermaßnahmen Arbeitsplätze zu schaffen und die junge Regierung zu stärken. Eine Rückkehr der KP an die Macht würde – ähnlich wie in der Ukraine – dazu führen, dass das Land wieder stärker an Russland und nicht an Europa gebunden wird.
Herbert Vytiska (Wien)
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Homepage Elijah
Porträt Pater Sporschill

