Weltbank: Nur vier UN-Entwicklungsziele werden erfüllt

Ein Bericht der Weltbank warnt vor einer Ausweitung von Slums wie in Nairobi. Foto: dpa

Bis zur Deadline 2015 werden die Regierungen der Welt lediglich vier der 21 Unterpunkte der Millenniumsentwicklungsziele erfüllen. Dies erklärte der Autor des aktuellen Monitoring-Berichts der Weltbank gegenüber EURACTIV.

Im letzten Jahr hatten die Regierungen drei der 21 Unterpunkte der acht UN-Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) erfüllt – sowie den ersten Teil eines vierten Unterpunkts:

– Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die weniger als den Gegenwert von 1,25 US-Dollar pro Tag zum Leben haben
– Bis 2015 Halbierung des Anteils der Menschen ohne dauerhaft gesicherten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser
– Bis 2020 eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern bewirken
– Das Geschlechtergefälle in der Primar- und Sekundarschulbildung beseitigen, möglichst bis 2005 und auf allen Bildungsebenen bis spätestens 2015

Der Bericht der Weltbank, der den Fortschritt der MDGs überwacht, wird in den kommenden Wochen in einer Reihe von Haupstädten präsentiert. Diesem zufolge wird erwartet, dass der zweite Teil des vierten Punkts – die Beseitigung des Geschlechtergefälles auf allen Bildungsebenen – bis 2015 vollständig erfüllt sein wird.

In anderen zentralen Entwicklungsbereichen sei der Fortschritt jedoch langsam. Hierzu gehören die Senkung der Kindersterblichkeit und der Sterblichkeitsrate von Müttern sowie der Zugang zu Sanitäranlagen.

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Jos Verbeek, Ökonom und einer der maßgeblichen Autoren des Berichts, erklärte: "Das Gute ist, dass eines der primären Ziele erfüllt wurde, das Halbieren der extremen Armut. Wenn man sich aber die weiteren Ziele ansieht, die erfüllt werden könnten, glaube ich, dass wir ohne eine Beschleunigung nur die Gleichstellung der Geschlechter in Primär- und Sekundärschulen erreichen werden. Keines der anderen werden nicht erfüllt werden."

"Wenn man sich das auf Ebene der Länder ansieht, werden die Dinge immer düsterer. In Ostasien und im Pazifik sieht es sehr gut aus, da wir erwarten, dass alle MDGs erfüllt werden. Wenn man sich Subsahara-Afrika anschaut, werden keine erfüllt."

Verbeek bezeichnete die Erfüllung des Ziels zur Verbesserung der Lebensbedingungen von 100 Millionen Slumbewohnern als "Vergehen", da offizielle Angaben die Zahl der Slumbewohner mit 160 Millionen unterschätzt hatten, als die Regierungen sich auf die Ziele einigten.

Der 192-Seitigen Studie zufolge wurden jedoch signifikante absolute Fortschritte erzielt – trotz der Entfernung vom Erreichen der Ziele. So hätte Subsahara-Afrika bei der Festlegung der Ziele im Jahr 2000 einen insgesamt weiteren Weg zu beschreiten.

"Wenn man sich die Ausgangsposition von Subsahara-Afrika ansieht … musste es in absoluten Zahlen ausgedrückt eine viel größere Menge als viele andere Regionen verbessern", so Verbeek. "Betrachtet man die absoluten Verbesserungen in einigen dieser schwierigen MDGs, die mit der Gesundheit von Müttern und der Kindersterblichkeit zu tun haben, hat Subsahara-Afrika, das am weitesten zurücklag, den größten Fortschritt gemacht."

Der Bericht konzentriert sich auf die Urbanisierung als zentrale Komponente von Entwicklung. Die Weltbank schätzt, dass 96 Prozent der 1,4 Milliarden Menschen, die bis 2030 in sich entwickelnden Regionen geboren werden, in Stadtgebieten wohnen werden.

"Die Agglomeration oder das Clustering von Menschen und wirtschaftliche Aktivität ist ein wichtiger Motor für Entwicklung und Vieles deutet darauf hin, dass diese sich abbezahlt, insbesondere für Länder auf den unteren Rängen der Entwicklung", sagte Lynge Nielsen, leitender Ökonom beim Internationalen Währungsfonds und Co-Autor des Berichts.

Im Bericht wird festgestellt, dass städtische Armutsquoten deutliche niedriger ausfielen als in ländlichen Gebieten. Städter hätten zudem einen weit besseren Zugang zu grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen wie Trinkwasser oder sanitären Einrichtungen.

Die Autoren warnen jedoch, dass eine Misswirtschaft der städtischen Gebiete zu einer Expansion vom unsicheren Slums führen und den Wachstum der Städte überlagern könnte. In einer Reihe von Städten wie Nairobi verwandelten sich die Außenbezirke in riesige Slums. Gleichzeitig wächst Kenias Bevölkerung weiter aufgrund hoher Geburtenraten und Migration.

Verbeek sagte, dass Entwicklungsorganisationen sich für universelle Ziele bei den nächsten MDGs einsetzen sollten. "Will man globale öffentliche Güter addressieren will, muss man universelle Ziele haben. Man kann sie nicht nur auf eine Seite der Welt anwenden und nicht auf die andere."

EURACTIV.com

Links


EURACTIV Brüssel:
World on track to meet ‚just five‘ UN development targets (2. Mai 2013)

World Bank: Global Monitoring Report 2013 overview

World Bank/International Monetary Fund: Global Monitoring report

IMF: The IMF and the Millennium Development Goals

United Nations: Millennium Development Goals

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