Versicherer müssen sich an „informellen“ afrikanischen Markt anpassen

Die Rückkehrer sind es, die den afrikanischen Staaten neue Hoffnung geben. [Dudarev Mikhail/Shutterstock]

Versicherungskonzerne bemühen sich, in Afrika Fuß zu fassen. Die dortige Bevölkerung bevorzugt Gemeinschaftsversicherungen, die sogenannten Tontinen – Vereinbarungen unter Freunden und Familienmitgliedern, die oftmals informell sind. EURACTIV Frankreich berichtet.

Eine Versicherung ist vorwiegend in reichen Ländern ein Thema. Das wird sich wahrscheinlich so schnell nicht ändern. Denn die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung halten 80 Prozent der Versicherungspolicen.

„Die Versicherung ist eine ziemlich neue Sache in Afrika“, sagt Claude Fischer-Herzog, Direktor von Confrontations Europe.

„Für Afrikaner bleibt die Versicherung ein elitäres Produkt“, sagt Hermann Kouassi, geschäftsführender Direktor des Economic and Business Club of the Diaspora (CEADI). „Und die Angst vor Betrug ist sehr stark und oft gerechtfertigt.“

Weniger elitäre Alternativen

Aber Versicherungen und insbesondere Mikroversicherungen spielen eine wichtige Rolle beim wirtschaftlichen Fortschritt in den Entwicklungsländern.

Mikroversicherungen sind eine Art des Schutzes gegen Bedrohungen des Lebens und der Existenz der Menschen mit niedrigem Einkommen in Entwicklungsländern. Sie stellen einen potenziell großen Markt in Afrika dar.

„In West- und Zentralafrika haben 700.000 Menschen Mikroversicherungen, die nur ein Euro pro Jahr kosten und ihr Vermögen im Todesfall garantiert“, sagt Frédéric Baccelli, Generaldirektor von Allianz Afrika.

„Eine Versicherung kann das Wirtschaftswachstum zum Beispiel gegen Bedrohungen durch das Klima absichern“, sagt Jérémy Brault von Proparco, einem Zweig der französischen Entwicklungsagentur, der sich auf die Finanzierung des Privatsektors spezialisierte. „Bei Proparco haben wir die Versicherung zu einem unserer Zielsektoren gemacht.“

Tontine dominieren den Markt

Die von den meisten Gemeinschaften in Afrika bevorzugte Versicherungslösung das „informelle“ Tontinen-System. Tontinen ermöglichen es Gemeinschaften von Einzelpersonen, unter Freunden, Familienmitgliedern oder einer Gemeinschaft zu sparen. „Tontinen machen einen wichtigen Anteil am afrikanischen Versicherungsmarkt aus“, sagt Brault.

Die traditionellen Versicherungsanbieter werden ihre Produkte anpassen müssen, um misstrauische und oft benachteiligte Kunden überzeugen zu können. „Es steht außer Frage, die sehr individualisierten westlichen Modelle auf Afrika anzuwenden, wo intergenerationelle Solidarität das vorherrschende Modell ist“, erklärt er.

Doch die wachsende Mittelschicht in Afrika könnte dem Versicherungssektor einen Schub geben. „In der Elfenbeinküste kommt beispielsweise eine individualistischere Mittelklasse auf, in der die Menschen mehr nach vorne schauen“, so die Einschätzung Kouassis.

Kleiner Marktanteil

Für den Moment ist der afrikanische Versicherungsmarkt ein relatives Leichtgewicht. 2013 lag sein Wert bei 72 Milliarden US-Dollar. „Der Versicherungsmarkt in Afrika ist kleiner als der Allianz-Umsatz in Frankreich“, sagte Baccelli.

Südafrika hält 80 Prozent der Versicherungspolicen des Kontinents. Die Maghreb-Länder, insbesondere Marokko und Algerien, machen zehn Prozent des afrikanischen Versicherungsmarktes aus. Die restlichen zehn Prozent verteilen sich über den Rest des Kontinents.

Richtung Versicherungsbinnenmarkt?

Die Arbeit an einem afrikanischen Versicherungsbinnenmarkt hat bereits angefangen. Die Interafrikanische Konferenz der Versicherungsmärkte (CIMA) ist eine Gruppe von 14 westafrikanischen Ländern, darunter die Elfenbeinküste, Kamerun, Mali, Senegal und die Zentralafrikanische Republik.

Die Organisation wurde 1992 gegründet. Sie vereint die Märkte ihrer Mitgliedsstaaten durch gemeinsame Verfahrensregeln und eine einheitliche Aufsichtsbehörde. 2013 lag der Umsatz der 163 Unternehmen in diesem noch nicht ausgereiften Binnenmarkt bei insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar.

„Pro Jahr wächst CIMA um rund 7,8 Prozent. Gemessen am Bevölkerungswachstum und am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in dieser Region ist das eigentlich ziemlich wenig“, sagt Baccelli.

Nach Angaben Baccellis liegt die schleppende Entwicklung des Versicherungbinnenmarktes auch an CIMA einschränkendem Regelwerk. „Zum Beispiel müssen die Versicherer 50 Prozent ihrer Werte wieder in Ländern der CIMA-Zone investieren, was ihre Möglichkeiten für panafrikanische Investitionen eingrenzt.“