Die Sicherheitslage hat sich in Mali dank der französischen Intervention stabilisiert. Hilfsorganisationen stehen jedoch noch vor immensen Herausforderungen.
Das Durchführen von Impfungen sei "sehr, sehr schwierig", sagte George Ameh vom Kinderhilfswerk UNICEF gegenüber EURACTIV. "Es fehlen ausgebildete Arbeitskräfte, es gibt keine Kühlmöglichkeiten, Fahrzeuge sind nicht vorhanden oder werden geplündert." Gleichzeitig müsse man jedoch die humanitäre Pflicht erfüllen und die Kinder vor Ort gegen vermeidbare Krankheiten schützen.
Impfungen für Kleinkinder sind eine äußerst wirksame und kostengünstige Methode, die Gesundheit von Menschen in Entwicklungsländern zu verbessern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) lassen sich so jedes Jahr drei Millionen Leben retten. Trotzdem sind nach jahrzehntelangen Anstrengungen laut Uno noch immer 22 Millionen Kinder nicht vollständig immunisiert. 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich an den Folgen von Diphterie, Masern, Keuchhusten, Lungenentzündung, Kinderlähmung, Diarrhö, Röteln und Tetanus.
Nachdem französische Truppen die Sicherheitslage im bürgerkriegsgeplagten Land weitgehend stabilisiert haben, ist der Weg für die internationale Hilfe frei. Selbst im Norden Malis – wo die Sicherheitslage weiterhin angespannt ist – beginnen Hilfsorganisationen mit dem Wiederaufbau von in Mitleidenschaft gezogenen Kliniken. Die EU-Kommission hat im März 250 Millionen Euro für die Mali-Hilfe bereitgestellt.
Noch weniger zu essen wegen Dürre und Krieg
Der fehlende Impfschutz ist nicht die einzige Bedrohung im Norden Malis: Seit zwei Jahren herrscht in Mali und seinen Nachbarländern in der Sahel-Zone eine schwere Dürre. Laut Zahlen von EU und Uno haben in der Region 10,3 Millionen Menschen zu wenig zu essen, 4,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden unter Mangelernährung. Die Uno schätzt, dass daran jedes Jahr 226.000 Kinder sterben.
Im Norden Malis leben nach Schätzung der Uno 300.000 Kinder unter fünf Jahren. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, da viele Kinder mit ihren Familien vor den Kämpfen in benachbarte Regionen geflüchtet sind.
Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für Humanitäre Hilfe, spricht von "schockierend hohen" Todesraten unter unterernährten Kindern. "Dieses Jahr könnte sehr schwierig werden. Wir werden in Mali noch einige Zeit mit den humanitären Konsequenzen der jüngsten politischen Krise zu kämpfen haben."
Die Verschlimmerung der humanitären Lage habe die prekäre Ernährungssituation weiter zugespitzt, bestätigt auch Ameh. Vor Ausbruch der Krise haben 40 Prozent der Kinder Zugang zu Hilfe gehabt, nun seien es nur noch die Hälfte.
Die EU reagiert mit einer Aufstockung der Entwicklungshilfe für die Sahel-Zone. Zudem soll die EU-geführte Initiative "Global Alliance for Resilience" die Ernährungssituation in der Region langfristig verbessern.
EURACTIV.com
Links
Global Alliance for Resiliance Initiative (AGIR)
EURACTIV Brüssel: In Mali, a perilous push to vaccinate children (23. April 2013)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
Mali und die neue Doktrin europäischer Entwicklungshilfe (14. März 2013)
Deutschland und EU: Welche Strategie für Mali? (28. Februar 2013)
Ashton und die europäische Antwort auf Mali (6. Februar 2013)

