Migranten überweisen immer mehr Geld in ihre Heimatländer. Laut einem aktuellen FAO-Report ist die weltweite Summe mittlerweile drei Mal so hoch wie die offizielle Entwicklungshilfe – ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Armut und Hunger. Dennoch wird die Weltgemeinschaft das Millenniumsentwicklungsziel voraussichtlich verfehlen.
In bestimmten Ländern hätte das Geld von Migranten zu einem Anstieg der Wirtschaftsleistung geführt. Besonders Staaten in Südostasien profitierten davon, dass ihre eigenen Bürger, die in ölreichen Ländern im arabischen Raum und im Westen arbeiten, Geld an ihre Familien zurückschicken.
Insgesamt leiden 842 Millionen Menschen unter chronischem Hunger. Das sind zwölf Prozent der Weltbevölkerung und damit mehr als zwei Prozent weniger als noch vor zwei Jahren. Trotz der sinkenden Zahl wird es die Weltgemeinschaft offensichtlich nicht schaffen, den Anteil der hungernden Menschen bis 2015 zu halbieren, wie es eins der Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) vorsieht. Pietro Gennari, Direktor der Statistikabteilung der FAO, mahnte die führenden Regierungen, sich mehr zu engagieren: "Die Zahl der hungenden Menschen sinkt. Das ist eine positive Nachricht. Aber die Entwicklung geht nicht schnell genug", sagt Gennari gegenüber EURACTIV.
Regierungen müssen Rahmenbedingungen verbessern
Damit das Geld auch wirklich die Lebensbedingungen der Menschen in den ärmeren Ländern verbessert, sollten die Regierungen der betroffenen Staaten die entsprechenden Rahmenbedingungen verbessern, etwa in der Landwirtschaft. Der Großteil der Migranten, die Geld in ihre Heimat schicken sind Männer. Zurück bleiben Frauen, die überwiegend auf dem Land arbeiten und dort die gesamte Verantwortung tragen. Die FAO fordert von den betroffenen Regierungen, speziell Frauen zu befähigen, die Produktivität der Landarbeit zu steigern. Zudem sollten finanzielle Anreize sie ermutigen, Teile der Rücküberweisungen in den Ausbau ihrer landwirtschaftlichen Infrastruktur zu investieren.
Auch die EU-Kommission will durch einen Dialog mit Institutionen in den Drittländern dafür sorgen, dass Familien "aufgeklärter und produktiver" mit den Rücküberweisungen umgehen. Das Kapital der Diaspora ließe sich für unterschiedliche Formen von Investitionen nutzen, sagt eine Sprecherin des Entwicklungskommissars Andris Piebalg gegenüber EURACTIV.de.
EU will Überweisungskosten senken
Wenn es nach der EU-Kommission geht, soll künftig noch mehr Geld fließen. So will sie Rücküberweisungen schneller, sicherer und kostengünstiger regeln, etwa durch Verhandlungen im Rahmen der G20-Staaten oder durch die erweiterte Anwendung der EU-Richtlinie für Zahlungsdienste (PSD), erklärt die Kommissionssprecherin. Die PSD regelt bisher den europäischen Zahlungsraum, soll aber nach Vorstellungen der EU-Kommission auch für Transaktionen gelten, bei denen eine Person im Drittland lebt. Einige Mitgliedsstaaten sind diesen Schritt schon gegangen und haben die Richtlinie dahingehend ausgelegt.
"Die Senkung der Kosten wäre ein großer Gewinn für Entwicklungsländer – größer noch als unsere eigenen Bemühungen in der Entwicklungshilfe”, erklärte ein EU-Beamter gegenüber EURACTIV Brüssel. Etliche Staaten müssten ihre eigenen Ressourcen nutzen, um die MDGs zu erreichen. “Wir wollen niemanden anprangern, aber viele Entwicklungsländer haben ihre Möglichkeiten nicht voll ausgenutzt. Wir können sie nicht einfach aus der Verantwortung entlassen."
Am 3. und 4. Oktober 2013 treffen sich in New York hochrangige Vertreter unter dem Motto "Making Migration Work" zum High-Level Dialogue on International Migration and Development der Vereinten Nationen. Die Experten beraten über Strategien, wie Migration der Entwicklungspolitik nutzen kann. Zudem thematisieren sie wichtige Aspekte, die der FAO-Bericht nicht erwähnt: über die Gefahr des "Brain-Drains", also die Abwanderung von Arbeitskräften ins Ausland und über die Arbeitnehmerrechte von Migranten.
Dario Sarmadi
Links
EURACTIV Brüssel: UN: Chronic hunger falls, but not enough to meet MDG (1. Oktober 2013)
FAO-Bericht: The State of Food Insecurity in the World 2013 (1. Oktober 2013)
Studie im Auftrag der EU-Kommission: EU Remittances for Developing Countries, Remaining Barriers, Challenges, and Recommendations (30. Juli 2012)

