Umweltschädliches Palmöl: Norwegen entzieht mehreren asiatischen Unternehmen Gelder

Abholzung des Regenwaldes durch den Ausbau einer Palmöl-Plantage. [Palm Watch Africa]

Norwegens riesiger Staatsfonds will in Zukunft offenbar umweltfreundlicher investieren. Das Land zieht sein Geld aus vier asiatischen Unternehmen ab, die für die Palmöl-Gewinnung Regenwälder abholzen.

Norwegen will künftig bei Investitionen offenbar mehr auf Umweltverträglichkeit achten. Der weltgrößte öffentliche Investmentfonds des Landes wird vier Unternehmensgruppen aufgrund des Risikos „schwerer Umweltschäden“ bei der Umwandlung von tropischen Regenwäldern für die Palmöl- Gewinnung aus seinem Portfolio ausschließen. Zu den betroffenen Unternehmen gehört die südkoreanische Gruppe Daewoo International.

Der norwegische Staatsfonds verwaltet insgesamt rund 7,15 Billionen norwegische Kronen, umgerechnet 785 Milliarden Euro. Die Entscheidung der norwegischen Zentralbank betrifft die Daewoo, den südkoreanischen Stahlproduzenten Posco sowie die malaysischen Gruppen Genting und IJM. Die norwegische Zentralbank verwaltet den Staatsfonds, der im Besitz von rund 1,3 Prozent aller Aktien auf den globalen Kapitalmärkten ist. Er hält Anteile an ungefähr 9.000 Unternehmen.

Der Fonds verwaltet seine Investitionen nach streng ethischen Richtlinien. Schon zuvor zogen die Norweger ihre Beteiligungen aus rund 60 Unternehmen, darunter Airbus, Boeing, Safran, Philip Morris und Wal-Mart, zurück.

Den Richtlinien zufolge darf der Fonds nicht in Unternehmensgruppen investieren, denen ernsthafte Menschenrechtsverstöße, Kinderarbeit und schwere Umweltschädigungen vorgeworfen werden. Dieser Grundsatz gilt auch für Hersteller von „besonders unmenschlichen“ Waffen und Tabakkonzerne.

Der Fonds bezieht seine Investitionsgelder aus Norwegens große Ölreserven, was Kritikern nicht entgangen ist. Andere internationale Investoren, die sich um die ethischen Gesichtspunkte ihrer Beteiligungen sorgen, wiederholen die Entscheidungen der Norweger oft.

Die Palmöl-Gewinnung ist ein umstrittener Industriezweig. Es wird vor allem für kosmetische Produkte, Nahrungsmittel, und für den Biokraftstoff-Sektor verwendet. Umweltgruppen und Verbraucher führen gleichermaßen Kampagnen dagegen. Daewoo fiel bei den Fondsmanagern in Ungnade, weil es 85 Prozent an einem indonesischen Unternehmen halt, dem die Rodung großer Regenwaldflächen für die Palmöl-Gewinnung vorgeworfen wird.

Ende 2014 hielt der Fonds 0,91 Prozent an Posco, im Wert von 198 Millionen US-Dollar. Der Anteil an Daewoo lag bei 0,28 Prozent und war neun Millionen US-Dollar wert. Der 0,4-Prozent-Anteil an Genting war rund 41 Millionen US-Dollar wert, der Anteil des Fonds an IJM lag bei 1,6 Prozent im Wert von 46 Millionen US-Dollar.

Unabhängig von den ethischen Richtlinien konzentriert sich der Fonds bei seinen Investitionen immer mehr auf Umweltschädigungen. Probleme wie Abholzung und Wassermanagement könnten die finanzielle Tragfähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigen, betonen die Norweger. Anfang 2012 zog der Fonds seine Mittel aus 23 Palmöl-Produzenten zurück, ohne sie namentlich zu nennen.

Indonesien und Malaysia produzieren zusammen rund 80 Prozent des weltweiten Palmöls. Doch die Branche wächst auch in Afrika sehr schnell. Um die Methoden für die Gewinnung von Palmöl zu verbessern, schufen Produzenten, Zwischenhändler und Nichtregierungsorganisationen 2004 den Runden Tisch für nachhaltig produziertes Palmöl (RSPO). Die Satzung der Organisation verbietet den Produzenten die Rodung von Altholzbeständen und anderen Naturschutzgebieten für die Gewinnung von Palmöl. Doch weder Daewoo noch Posco sind RSPO-Mitglieder. Denn Palmöl macht nur einen Bruchteil des Geschäftsfeldes von Daewoo und Posco aus.

„Das ist ein Zeichen dafür, dass der Fonds das Problem sehr ernst nimmt“, sagt Nils Hermann Ranum von der Aktivistengruppe Rainforest Foundation Norway. Genting und IJM sind RSPO-Mitglieder. Ihnen wird aber vorgeworfen, dessen Richtlinien nicht einzuhalten und nicht transparent genug zu sein. „Das zeigt, dass der RSPO bei der Umweltzertifizierung veraltet ist“, so Ranum. „Wenn er immer noch ernst genommen werden will, muss er seine Bestimmungen verschärfen.“

Der norwegische Pensionsfonds soll den Wohlfahrtsstaat für künftige Generationen bezahlen – für die Zeit nach dem Öl-Boom.