Gates-Bericht: Immer weniger Forschungsmittel für Armutskrankheiten

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Bill Gates, Microsoft-Gründer und Menschenfreund. [European Commission]

Bill Gates wird heute einen Bericht über medizinische und wissenschaftliche Fördermittel für Entwicklungsländer veröffentlichen. Darin zeigt sich: Die EU hat Großbritannien als Geldgeber überholt, doch die Gesamtausgaben sinken weiter. EURACTIV Brüssel berichtet.

Der 113 Seiten lange aktuelle Bericht „G-Finder 2016: Policy Cures Research“ bezieht sich auf Daten von 2015. In jenem Jahr seien die Ausgaben im Kampf gegen Krankheiten, die vor allem Afrika und die Entwicklungsländer betreffen, zurückgegangen, warnen die Experten. „Die globalen Mittel für Forschung und Entwicklung (FuE) im Bereich vernachlässigter Krankheiten haben 2015 einen Tiefpunkt erreicht, angetrieben vor allem durch den Rückgang der öffentlichen Investitionen.“

Bill Gates, Microsoft-Gründer und Menschenfreund, wird den Bericht um 11 Uhr bei einer Veranstaltung von Friends of Europe im Rahmen seiner Bill and Melinda Gates Foundation vorstellen. Verfasst wurde die Studie von sechs Doktoren und Akademikern. Sie beschäftigten sich sowohl mit öffentlichen als auch privaten Fördermitteln im Kampf gegen vernachlässigte Armutskrankheiten. Dabei verglichen sie Daten von 2015 mit Informationen aus den vorigen neun Jahren.

Insgesamt wurden laut Studie 2,85 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung im Bereich vernachlässigte Krankheiten investiert. Dies entspricht einem Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zu 2014. Damit sanken die Ausgaben 2015 das dritte Jahr in Folge. Abgesehen von einem Jahr schwinden die Investitionen sogar schon seit 2009. Für 2016 liegen noch keine Daten vor.

Eine gründliche Untersuchung der Daten ergab, dass die Forschungsmittel für die bedeutendsten Armutskrankheiten vor allem deshalb schrumpften, weil weniger für den Kampf gegen HIV und AIDS bereitgestellt wurde. Der Gesamtrückgang lag in diesem Bereich bei 3,3 Prozent, während die Ausgaben für HIV/AIDS um 5,9 Prozent abrutschten. Malaria-Gelder fielen um drei Prozent, während Tuberkuloseausgaben stiegen – wenn auch nur um 0,5 Prozent.

Zweitrangige vernachlässigte Krankheiten erhielten 5,9 Prozent weniger Mittel. Hierzu zählen Durchfall, Denguefieber, Hepatitis, Meningitis und Lungenentzündung. Die Ausgaben für drittrangige vernachlässigte Krankheiten wie Lepra, rheumatisches Fieber und Bindehautentzündung machen weniger als 0,5 Prozent der weltweiten FuE-Fördermittel aus. Die Schwankungen in diesem Bereich sind daher weniger erheblich.

Ebola-Mittel werden seit dem Ausbruch von 2014 in Westafrika getrennt vom G-Finder-Bericht untersucht.

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Betrachtet man öffentliche und private FuE-Investitionen getrennt, fällt auf, dass vor allem die öffentlichen Ausgaben seit 2012 zurückgehen. Dennoch machen sie noch immer etwa 63 Prozent der erhaltenen Gelder aus. Dies ist vor allem Ländern mit hohen Einkommen zu verdanken, insbesondere den USA, der EU und Großbritannien. 2015 steigerte die EU ihre Ausgaben um 20 Prozent und überholte damit Großbritannien. Dort sanken die Ausgaben um 22 Millionen Dollar, in den USA um 44 Millionen.

Eigenlob stinkt

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) war maßgeblich am Berichts beteiligt. Sie begrüßt die vermehrten EU-Gelder. „Es sind offensichtlich gute Nachrichten, dass sich die EU dem Trend anderer großer Geldgeber widersetzt und ihre Ausgaben für lebensrettende Forschung erhöht“, betont Cecile Vernant, Chefin des EU-Büros von DSW. „Die EU setzt sich offensichtlich für die Erforschung von Krankheiten wie HIV/AIDS und Malaria ein – Forschung, die nicht nur Lebens rettet, sondern auch Arbeitsplätze und Wachstum hier in Europa schafft.“

„Wir sollten uns das Eigenlob jedoch für später aufheben. Weltweit schwinden die Mittel für Gesundheitsforschung und politische Unsicherheitsfaktoren wie Brexit oder die neue US-Regierung könnten die bisher gute Arbeit gefährden“, warnt sie. „Daher muss die EU auch weiterhin investieren und noch sichtbarer als weltweit gutes Beispiel für Gesundheitsinnovationen vorangehen.“

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