„Schwierige Zeiten“ im Kampf gegen AIDS, TBC und Malaria

Mark Dybul (li.), Exekutivdirektor des "Global Fund" und EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs. Foto: EC

Nachdem EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs Kürzungen im EU-Budget für Entwicklungshilfen kritisierte, warnt nun auch Mark Dybul, Exekutivdirektor des „Global Fund“, vor Einsparungen. 67 Milliarden Euro seien bis 2016 nötig, um Hilfe für AIDS-, Tuberkulose- und Malariakranke zu garantieren.

"Unglücklicherweise geben Krankheiten wenig Acht auf Haushaltszyklen", sagte Mark Dybul, Exekutivdirektor des "Global Fund" zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, am Montag (8. April). Anlass war die Veröffentlichung eines Berichts des Global Fund.

Dybul gab zu Bedenken, dass ein anhaltend starker Rückgang der Todesraten der drei Krankheiten gefährdet sein könnte, wenn keine Spenden den Fonds auffüllen würden.

Dennoch gab er zu, dass drohende Einschnitte des internationalen Entwicklungsbudgets seine Verkaufstaktik schwieriger machen würden.
"Wir verstehen, dass es schwierige Zeiten sind", so Dybul.

Dybul wurde im Januar geschäftsführender Direktor des Global Fund, nachdem eine Reihe von Diebstählen und Managementproblemen die Glaubwürdigkeit der in Genf basierten Organisation erschütterte. Zwei Tage lang war er in Brüssel, um an Gesprächen über die Finanzunterstützung zwischen 2014-2016 teilzunehmen.

Laut Bericht des Global Fund sind 87 Milliarden Dollar (67 Milliarden Euro) bis 2016 nötig, um Programme in 151 Ländern finanzieren zu können. Davon sind 58 Milliarden Dollar für AIDS/HIV veranschlagt, 15 Milliarden Dollar für Tuberkulose und 14 Milliarden Dollar für Malaria.

Von bereits aktiven Spendengebern, Regierungen in Empfängerländern und privaten Spendengebern werden circa 72 Milliarden Dollar Spenden erwartet, so der Bericht.

Zusätzliche 15 Milliarden Dollar zur "Auffrischung" der Finanzierung seien vonnöten. Geld das dafür vorgesehen ist, entstehende Lücken bei Behandlungen und Prävention zu verhindern, die durch verschiedene Haushaltszyklen bei Spendengeberländern verursacht werden könnten.

Laut Schätzungen des Global Fund würden von den 87 Milliarden Dollar rund 17 Millionen Tuberkulose-Patienten behandelt, 18 Millionen Menschen mit einer antiretroviralen Therapie gegen AIDS versorgt und 196.000 Malaria-Tote verhindert werden können.

Global Fund in der Kritik

Die Spenden für Behandlungen und Präventionen erlitten 2011 einen Rückschlag. Grund war die kurzzeitige Unterbrechung der Projektfinanzierung durch den Global Fund inmitten interner Managementprobleme und Diebstahlsunterstellungen in einigen Empfängerländern.

Die Probleme führten zu einer Generalüberholung. Neu geregelt wurde die Herausgabe von Geld. Zudem wurde Dybul als neuer Geschäftsführer eingestellt. Dybul ist Physiker und Co-Direktor des Programms für ein weltweites Gesundheitsrecht an der Georgetown Universität in Washington.

Zusätzlich geriet der Global Fund kürzlich in Kritik für seine Unterstützung eines Behandlungsschemas, das wirkungslose Malaria-Medikamente ersetzt, wie zum Beispiel Chloroquin. Die erschwingliche Arzneimitteleinrichtung für Malaria (Affordable Medicines Facility for Malaria) wurde als Pilotprogramm in Entwicklungsländern gestartet, das für bessere und schnellere Arzneimittelbehandlungen durch private Geldgeber sorgen soll.

Kritiker wie Oxfam argumentierten in einem Bericht, dass das 356 Millionen Dollar Programm (274 Millionen Euro) fehlgeleitet war. Patienten seien falschen Diagnosen gestellt worden und wären Täuschungen erlegen.

Auf die Frage, ob frühere Bedenken über das Verhalten des Global Fund Spendengeber abschrecken könne, antwortete Dybul, die Unterstützung und das Engagement würden zeigen, dass die Spendengeber Vertrauen in den Global Fund hätten.

Die EU-Komission, so Dybul, habe die Zwei-Tages-Konferenz in Brüssel ausgerichtet und sich letztes Jahr zu zusätzlichen Förderungsbeiträgen verpflichtet. Sowohl Washington als auch London hätten höhere Finanzbeiträge für 2013 versprochen.

"Es ist ziemlich klar, dass der Fund […] auf dem richtigen Weg ist", sagte Dybul.

Dennoch rechnet der Global Fund bereits mit sinkenden Beiträgen der größten Spender von 2012 zu 2013 – zu denen die EU-Kommission, die EU-Mitgliedsstaaten, die USA und Japan gehören.

Daten der Organisation zeigen, dass Beiträge von privaten Stiftungen und Unternehmen ebenfalls abnehmen.

Die Weltweite Handelsorganisation (WHO) warnte im Dezember davor, dass die Unterstützung für Prävention und Kontrolle über Malaria schwächer wird, nach einer schnellen Expansion zwischen 2004 und 2009. An Malaria sterben jährlich schätzungsweise 655.000 Menschen und Millionen werden jährlich infiziert.

Während der Vorstellung des jährlichen Welt Malaria Reports sagte das UN-Gesundheitsgremium: "Diese Entwicklungen sind Zeichen eines Rückgangs, der drohen könnte, die bemerkenswerten kürzlich erzielten Fortschritte im Kampf gegen einer der weltweit führenden infektiösen Todesursachen umzukehren."

EURACTIV.com
Übersetzung: csc

Links


EURACTIV Brüssel: ‘Difficult times’ in global fight against AIDS, TB and malaria (9. April 2013)

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