Das Geld ist knapp, die EU verfehlt ihre Ziele in der Entwicklungshilfe. Sind öffentlich-private Partnerschaften (PPPs) die Lösung? EURACTIV Brüssel sprach mit Gagan Khurana von Grow Africa über die Chancen durch PPPs.
"Wenn wir bis in alle Ewigkeit Hilfe spenden, helfen wir am Ende niemandem", warnt Gagan Khurana von Grow Africa, einer Platform zur Förderung von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPPs). "Wenn es kein Geschäft gibt, dann können wir auch gleich auf Wohltätigkeit und Lebensmittel-Nothilfe umschalten. Oder aber wir leiten die notwendigen Schritte ein und stellen die Landwirtschaft auf ein marktwirtschaftliches Fundament", so Khurana gegenüber EURACTIV Brüssel. "Entweder versuchen wir zu beweisen, dass sich bäuerliche Kleinbetriebe in die Versorgungskette integrieren lassen, oder wir lassen es bleiben. Ich denke, wir sollten es solange versuchen, bis wir es schaffen."
PPPs verfolgen genau dieses Ziel. Sie bieten der Privatwirtschaft Anreize, in die Entwicklungshilfe zu investieren, wodurch mehr Geld in Entwicklungsländer fließt. Gleichzeitig sind die entstehenden Strukturen marktwirtschaftlich – oder anders ausgedrückt: gewinnorientiert. Dadurch sind sie selbstständig und nicht mehr von Spenden abhängig.
Eine willkommene Ergänzung…
Dies entspricht dem langfristigen Ziel der EU, nämlich den Entwicklungsländern beim Aufbau eigenständiger Landwirtschaften zu helfen. Die EU unterstützt die 2012 angekündigte G8-Initiative "New Alliance", welche finanzielle und technologische Investitionen aus dem Privatsektor in afrikanische Farmen fördern will.
Die Entwicklungshilfe mit Beteiligung Privater passt auch gut in das von der EU-Kommission im Februar 2013 entworfene Bild eines "decent life for all". PPPs sind darüber hinaus eine Chance für die Umsetzung der neuen Entwicklungsagenda nach 2015, nach Auslaufen der Millennium-Entwicklungsziele (MDG) der Vereinten Nationen.
Sowohl die EU-Kommission als auch das geplante MDG-Nachfolgeabkommen machen sich also für Partnerschaften mit Zivilgesellschaft und Unternehmen stark. Nun geht es darum, die Unterstützung durch die 28 EU-Mitglieder zu sichern.
…jedoch nicht unumstritten
Befürworter sehen in PPPs in Zeiten knapper Budgets eine große Chance. Die EU ist gerade dabei, ihre selbstgesteckten Entwicklungsziele zu verfehlen – wenn Unternehmen die Lücke füllen, sei das hochwillkommen.
Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen stehen PPPs weitaus kritischer gegenüber. Ihnen missfällt, dass sich durch die Beteiligung der Privatwirtschaft der Fokus verlagert: von der Armutsbekämpfung hin zur Erzielung von Gewinnen. Auch begünstigten PPPs in erster Linie große transnationale Unternehmen, die in Entwicklungsländern Landraub betrieben.
Grow Africa
Grow Africa wurde 2011 von der Afrikanischen Union (AU) und dem Weltwirtschaftsforum (WEF) lanciert, mit der Unterstützung von mehr als 30 afrikanischen und multinationalen Unternehmen sowie mehreren europäischen Regierungen. Für die Initianten ist die Beteiligung des Privatsektors im Agrarbereich entscheidend, denn die Landwirtschaft ist die Hauptstütze vieler afrikanischer Länder südlich der Sahara. Durch Know-How und finanzielle Unterstützung können Private einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung dieser Gebiete beitragen.
Neun afrikanische Staaten sind eine Partnerschaft mit Grow Africa eingegangen, darunter das bitterarme Äthiopien und die ressourcenreichen Länder Ghana und Nigeria. Die Regierungen verpflichten sich dazu, eine nationale Strategie für Investitionen in die Landwirtschaft zu entwickeln und gleichzeitig für Transparent zu sorgen.
EURACTIV/pat
Links
African farming group seeks private add-ons to EU aid (25. Juli 2013)
EU-Kommission: EU unterstützt G8-Initiative "New Alliance" (18. Mai 2012)
EU-Kommission: A decent life for all (27. Februar 2013)

