Oxfam: Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer

Jeder Zehnte muss von weniger als zwei Dollar pro Tag leben. [Anton_Ivanov/ Shutterstock]

Auch 2016 wurden die Reichen immer reicher, während Arme immer ärmer wurden. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Oxfam-Studie.  EURACTIV Frankreich berichtet.

Die weltweiten Ungleichheiten nahmen auch 2016 immer weiter zu, bestätigt Oxfams Jahresbericht „An economy for the 99 per cent“ (Eine Wirtschaft für die 99 Prozent). Die Organisation veröffentlichte ihre Analysen über die Entwicklung und Ursachen von Ungleichheiten in der Welt gerade noch rechtzeitig vor dem Weltwirtschaftsforums in Davos.

Ihre diesjährige Schlussfolgerung gleicht denen der letzten Jahre: Das weltweite Vermögen liegt zunehmend in den HäNews-Artikel ansehennden der reichsten ein Prozent. Sie verfügen über mehr Geld als alle Menschen auf der Welt zusammen.

Oxfams Untersuchungen basieren auf Daten von Crédit Suisse. Die Organisation schätzt, dass die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung nur 409 Milliarden Dollar, also 0,2 Prozent des weltweiten Vermögens, halten. Diese Zahl bezieht sich auf die Milliardären-Liste von Forbes, der zufolge die reichsten acht Personen über 426 Milliarden Dollar verfügen.

„Es ist obszön, dass sich so viel Reichtum auf eine so kleine Minderheit konzentriert, wenn wir doch wissen, dass jeder Zehnte mit weniger als zwei Dollar am Tag zurechtkommen muss“, kritisiert Manon Aubry, Sprecherin von Oxfam France. „Diese Ungleicheiten verdammen Millionen von Menschen zur Armut, spalten unsere Gesellschaft und schwächen die Demokratie.“

Reichtum hoch X

Die Konzentration von Reichtum hat sich in den letzten Jahren beschleunigt. 2010 schätzte Oxfam in seinem Jahresbericht noch, dass die reichsten 388 Menschen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzen. 2011 waren es 177 Individuen; 2014 nur noch 80.

Diese offensichtlich beschleunigte Verarmung gehe „vor allem auf die Verfügbarkeit neuer Datenquellen aus Indien und China“ zurück, so Oxfam.

Umverteilung funktioniert nicht

Abgesehen von den statistischen Veränderungen lässt sich die beschleunigte Konzentration von Vermögen jedoch auf verschiedene reale Faktoren zurückführen, insbesondere auf das Übertragen von Eigentum. Die 2016 von Forbes aufgelisteten 1.810 Milliardäre (in US-Dollar) besitzen zusammen etwa 6,5 Billionen Dollar, genauso viel wie die ärmsten 70 Prozent der Weltbevölkerung. Etwa ein Drittel von ihnen hat ihren Reichtum geerbt.

Oxfam geht davon aus, dass das Erbschaftsrecht 500 dieser Milliardäre in den nächsten 20 Jahren gestatten wird, mehr als 2,1 Billionen an ihre Nachkommen zu vererben. Dieser Betrag ist höher als das Bruttoinlandsprodukt Indiens, dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt.

Auch die Effektivität der Umverteilungsmaßnahmen spielt eine wichtige Rolle. Dem Bericht zufolge werden die in den Volkswirtschaften produzierten Werte zunehmend zugunsten von Aktionären verteilt. Immer weniger davon kommt den Arbeitern oder Herstellern zugute. In den 80ern erhielten Kakaoproduzenten beispielsweise noch 16 Prozent des Verkaufswerts eines Schokoriegels. Heute sind es nur noch sechs Prozent.

 

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