Ölbohrungen bedrohen Nationalpark im Kongo

Ein Berggorilla im Virunga-Nationalpark. Foto: Reisedoktor (CC BY 3.0)

Unter dem Vorwand „wissenschaftlicher Aktivitäten“ will der britische Öl- und Gaskonzern Soco Ölvorkommen im kongolesischen Virunga-Nationalpark erschließen. Eine aktuelle WWF-Studie warnt vor den dramatischen Folgen für die Umwelt des Unesco Weltnaturerbes.

"Um das Naturerbe zu erhalten, muss die EU auf die Unversehrtheit des Parks pochen und die Demokratische Republik Kongo bei der Entwicklung alternativer Energien voll unterstützen", fordert Tony Long vom WWF. "Vergangene und laufende Investitionen laufen Gefahr zunichte gemacht zu werden, sollte die Ölexploration Realität werden."

Anlass zur Sorge gibt die neuste WWF-Studie zur "ökonomischen Bedeutung des Virunga-Nationalparks". Der Park liegt im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und gehört zum Unesco Weltnaturerbe. Er beheimatet eine große Artenvielfalt ist eines der letzten Refugien für den vom Aussterben bedrohten Berggorilla. Gletscher prägen ebenso sein abwechslungsreiches Landschaftsbild wie inaktive Vulkane.

Doch eine Ausnahme im kongolesischen Umweltschutzrecht bietet Raum für "wissenschaftliche Aktivitäten" in Schutzgebieten. Diese Gesetzeslücke wird nun von einer Tochterfirma des britischen Öl- und Gaskonzerns Soco International PLC ausgenutzt, weshalb der WWF Waldrodungen, Umweltzerstörung und den Verlust von Biodiversität befürchtet.

Schreckensszenario Nigerdelta

Schlimm ist die Lage bereits andernorts, zum Beispiel im Niederkongo und Nigerdelta: Ausgeflossenes Öl, leckende Pipelines und abgefackeltes Gas verschmutzen Luft, Wasser und Boden.

"Zu den Schadstoffen als Folge von Bohrungen gehören Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und flüchtige organische Verbindungen. Durch Bohrlöcher aus Erkundungsbohrungen können Oberflächenkontaminanten in Kontakt mit dem Grundwasser kommen. Diese Schadstoffe können gesundheitliche Probleme auslösen, wie zum Beispiel eine Zunahme an Atemwegsinfektionen oder Vergiftungen durch verunreinigtes Wasser", heißt es in der Studie.

Für Ölbohrungen gerodete Flächen bieten außerdem Tummelplätze für illegale Akteure wie Holzdiebe, Wilderer und Warlords.

Appell gegen Bohrungen

Der WWF appellierte anlässlich der Veröffentlichung der Studie (1. August) an die Regierung Kongos, die internationalen Behörden sowie an die Aktionäre der Ölfirmen, alle Erkundungen und Bohraktivitäten in Virunga einzustellen.

Der französischen Total und südafrikanischen Sacoil wurden ebenfalls Förderkonzessionen durch die kongolesische Regierung erteilt. Am 17. Mai verkündete jedoch Totals Hauptgeschäftsführer Christophe de Margerie, man werde die bestehenden Grenzen von Virunga und allen anderen Unesco-Welterbegebieten respektieren.

Soco ist derzeit das einzige Unternehmen, das die Absicht bekundet hat, im Park nach Öl zu suchen. In einer E-Mail an EURACTIV Brüssel betont der Soco-Vorstandsvorsitzende Rui de Sousa, die Grenzziehung des Nationalparks sei die alleinige Angelegenheit der kongolesischen Regierung.

"Entgegen den Ansichten des WWF nimmt Soco die Bedeutung des Virunga Nationalparks sehr ernst", so de Sousa. "Entwicklung und ökologische Nachhaltigkeit schließen sich gegenseitig nicht aus."

Es gibt eine Alternative

Die EU-Kommission unterstützt den Virunga-Nationalpark seit rund 25 Jahren finanziell.

Durch eine nachhaltige Erschließung könnte der Park jedes Jahr 830 Millionen Euro für die kongolesische Wirtschaft generieren sowie 45.000 sichere Arbeitsplätze schaffen, wie aus der neusten WWF-Studie hervorgeht.

Investitionen in Wasserkraft, Fischereiindustrie und Öko-Tourismus könnten sich demnach positiv auf das gesamte Schutzgebiet auswirken.

EURACTIV/pat

Links

EURACTIV Brüssel: Report: European oil exploration threatens Congo world heritage site (1. August 2013)

WWF-Studie: Die ökonomische Bedeutung des Virunga-Nationalparks

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