Mehrere Unternehmen haben sich unlängst aus dem Wüstenstromprojekt Desertec zurückgezogen – auch die namensgebende Stiftung. Nun wurde Co-Geschäftsführerin Aglaia Wieland entlassen. Medien berichten von einem Strategiestreit in der Führungsebene.
Die Gesellschafter der Wüstenstrom-Initiative Dii haben am Dienstag in einer außerordentlichen Versammlung beschlossen, die Geschäftsführung neu zu strukturieren. So wird Paul van Son künftig Dii als alleiniger Geschäftsführer leiten. Die Gesellschafter beschlossen die Trennung von Co-Geschäftsführerin Aglaia Wieland.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, seien Gesellschafter, Manager und die Doppelspitze aus Wieland und van Son heillos zerstritten gewesen. In der Dii sei von revolutionärer Stimmung, von Putschversuchen und persönlichen Animositäten die Rede gewesen.
Wieland habe in einem internen Schreiben einen Putschverdacht aus dem Lager ihres niederländischen Rivalen van Son scharf zurückgewiesen, heißt es aus dem Kreis der Gesellschafter. Ziel der Debatte sei es nicht, allein auf dem Chefposten zu sitzen. Es gehe vielmehr um strategische Differenzen von zentralster Bedeutung, heißt es in einem Papier, das der Süddeutschen vorliegt. In den letzten Monaten waren mehrere Unternehmen aus dem Projekt ausgestiegen – zuletzt die namensgebende Desertec-Stiftung.
"Wir konzentrieren uns jetzt wieder voll darauf, den Weg für das Wüstenstromprojekt zu ebnen", sagte Frank-Detlef Drake, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung gegenüber der Süddeutschen. Die Gesellschafter bekräftigten am Dienstag ihre Einigkeit über die strategische Ausrichtung des Unternehmens. So arbeite die Dii "unverändert an der Schaffung eines Marktes für erneuerbaren Strom, der Nordafrika, den Nahen Osten und Europa verbindet", heißt es in einer Pressemitteilung. Wüstenstrom aus Sonne und Wind werde dabei für die Deckung des stark wachsenden Bedarfs im Nahen Osten und in Nordafrika eine tragende Rolle spielen.
Die vorhandenen Ressourcen erlaubten zudem einen in den nächsten Jahrzehnten stetig wachsenden Export kostengünstigen und klimafreundlichen Wüstenstroms nach Europa. "Es bleibt unser Ziel, den massiven Ausbau erneuerbarer Energien in Nordafrika voranzutreiben", erklärte Drake.
Die Aktivitäten der 2009 gegründeten Industrieinitiative konzentrieren sich darauf, bis 2050 einen Markt für erneuerbare Energien aus den Wüstenregionen Nordafrikas und des Nahen Ostens im industriellen Maßstab zu schaffen. Diese Aktivitäten beinhalten die Entwicklung von Energiemärkten und die Identifikation von geeigneten Technologien für Energiegewinnung- und Übertragung.
dto
Links
Süddeutsche Zeitung: Desertec-Investoren schicken Leiterin in die Wüste (9. Juli 2013)
Dii: Dii bekräftigt ihre Strategie und strukturiert Geschäftsführung neu (9. Juli 2013)

