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24/01/2017

Netzunabhängige erneuerbare Energiesysteme für ländliche Gebiete in Afrika

Entwicklungspolitik

Netzunabhängige erneuerbare Energiesysteme für ländliche Gebiete in Afrika

Installation von Solarmodulen im äthiopischen Rema

Foto: Stiftung Solarengie

Bei der diesjährigen Konferenz zu erneuerbaren Energien im südafrikanischen Kapstadt kamen Minister und Regierungsvertreter aus 28 Ländern zusammen. Sie betonten die Wichtigkeit einer beschleunigten Entwicklung der Erneuerbaren für einen universellen Stromzugang und die wirtschaftliche Entwicklung. EurActiv Brüssel berichtet.

Saubere, netzferne und dezentralisierte Lösungen werden endlich als finanziell tragbare Alternative für die Stromversorgung in isolierten Regionen anerkannt, so die Erklärung der Internationalen Konferenz zu Erneuerbaren Energien von Südafrika (SAIREC).

Sie fand von Sonntag bis Mittwoch zum ersten Mal in Afrika statt. Auch führende Unternehmer und Vertreter der Zivilgesellschaft nahmen daran teil. Ziel war die Etablierung der erneuerbaren Energien für das Erreichen einer weltweiten, nachhaltigen Energiewende.

Um bis 2030 für alle einen Zugang zu Strom tatsächlich zu schaffen, müssten noch 1,3 Milliarden Menschen, darunter 621 Millionen in Subsahara-Afrika, mit Strom versorgt werden, erklärten die Konferenzteilnehmer. Das Ausmaß dieser Herausforderung erfordere die Berücksichtigung aller Ansätze – Netzlösungen und netzferne Lösungen. Die Überlegungen müssten auf der nationalen Eignung für eine Lösung und Effizienzprinzipien aufbauen.

Schon jetzt seien die Erneuerbaren aufgrund der schnellen Kostensenkung bei der Solar- und Windenergie wettbewerbsfähig und eine bevorzugte Technologie geworden, so die Erklärung. Demnach ermöglicht diese Entwicklung den Armen den Zugang zu den Erneuerbaren und schafft wirtschaftliche Chancen und Arbeitsplatzmöglichkeiten. Gleichzeitig verbessert sie die Luftqualität und sorgt für eine Mäßigung des Klimawandels.

Die Konferenz betrachtet mehrere Punkte als entscheidend für eine schnelle Umsetzung der globalen Energiewende. Zum einen ist das die Förderung transparenter und wirksamer Beschaffungsprozesse sowie die Bereitstellung finanzieller, technischer und institutioneller Kapazitäten für afrikanische Länder. Auch müssten innovative Finanzinstrumente für den Aufbau solcher Installationen genutzt werden.

Der neu geschaffene Grüne Klimafonds soll Gelder für die Entwicklung der Erneuerbaren zur Verfügung stellen, so die SAIREC-Erklärung. Die Einrichtung des Grünen Klimafonds wurde auf der Klimakonferenz 2010 in Cancún beschlossen (COP16). Er ist der größte multilaterale Klimafonds und zentraler Baustein der internationalen Klimafinanzierung.

Ziel des Fonds ist es, Entwicklungsländer auf ihrem Weg hin zu einer emissionsarmen und klimaresilienten Entwicklung zu unterstützen. Der Fonds soll außerdem dabei helfen, auch private Investitionen in den Klimaschutz zu mobilisieren.

Die Konferenz forderte Versorgungsunternehmen dazu auf, sich an den Paradigmenwechsel in Richtung einer dezentralisierten Energieerzeugung anzupassen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Die wachsende Mitgliedschaft des Verbandes zeige, dass die Umsetzung sauberer Energieprojekte unter Einsatz der richtigen Technologien am Wirksamsten ist, sagte Marcus Wiemann, Geschäftsführer von ARE, der Allianz für ländliche Elektrifizierung. „Um die Integration der produktiven Nutzung von Energielösungen in Geschäftsmodelle zu integrieren, wird ARE zusammen mit ihren Mitgliedern weiterhin gewonnene Erfahrungen und best practices teilen“, so Wiemann.

ARE veröffentlichte kürzlich einen Bericht zur Wichtigkeit der ländlichen Elektrifizierung für die sozio-ökonomische Entwicklung ländlicher Regionen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Hintergrund

Elektrizität ist die Schlüsselressource für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Grundlegende Dienstleistungen wie Bildung, sanitäre Anlagen und Kommunikation sind für die Beleuchtung der Schulen, die Kühlung von Lebensmitteln und Strom für moderne Technik darauf angewiesen.

Doch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) schätzte 2005, dass 1,6 Milliarden Menschen immer noch keinen Zugang zu Strom hatten.

Die meisten dieser Menschen leben in den wirtschaftlich rückständigsten Ländern. In rund 20 afrikanischen Ländern müssen rund 75 Prozent der Bevölkerung ohne Strom auskommen. Diese Situation gibt es auch in Myanmar, Afghanistan, Nordkorea, Papua-Neuguinea und Kambodscha.