Mit Köpfchen und Spaten gegen Hunger und Armut

Körner sind nicht gleich Körner. Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt deshalb die gezielte Züchtung von hochwertigem Saatgut in Äthiopien. Foto: M. Großmann / pixelio.de

Die Zahl der in extremer Armut lebender Menschen geht weltweit zurück – nur nicht in Afrika südlich der Sahara. In Äthiopien sollen innovative Projekte einen Ausweg aus Hunger und Elend bereiten.

Die Armutsbekämpfung ist das Kernanliegen bei der Entwicklungszusammenarbeit. Die Beseitigung von extremer Armut und Hunger ist deshalb Ziel Nummer 1 der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) der Vereinten Nationen. Die gute Nachricht: Es wurden bereits große Fortschritte (siehe MDG-Bericht 2013) erzielt. Die Welt hat die Zielvorgabe der Armutsminderung fünf Jahre früher als geplant erreicht. In den Entwicklungsregionen sank der Anteil der Menschen, die mit weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag auskommen müssen, zwischen 1990 und 2010 von 47 auf 22 Prozent. Damit lebten 2010 rund 700 Millionen Menschen weniger in extremer Armut als 1990. Trotz dieses globalen Erfolgs leben nach wie vor 1,2 Milliarden Menschen in extremer Armut. Im Afrika südlich der Sahara lebt beinahe die Hälfte der Bevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze von 1,25 Dollar pro Tag. Weltweit ist dies die einzige Region, in der die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen kontinuierlich gestiegen ist: von 290 Millionen im Jahr 1990 auf 414 Millionen im Jahr 2010. Über ein Drittel der ärmsten Menschen der Welt lebt in Subsahara-Afrika. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag verschiedener Bundesministerien Entwicklungsprojekte in dieser Weltregion – zum Beispiel in Äthiopien.

Nachhaltige Landwirtschaft im äthiopischen Hochland

Mehr als die Hälfte der äthiopischen Bevölkerung lebt in den drei Hochlandregionen Amhara, Oromia und Tigray. Durch den hohen Bevölkerungsdruck sowie ungeeignete landwirtschaftliche Anbaumethoden ist die Ernährungssituation der Menschen prekär. Durch zunehmende Entwaldung, Bodenverarmung und massive Bodenerosion fallen die Ernteerträge immer geringer aus. Verschärft wird die Situation durch die Auswirkungen des Klimawandels sowie durch ungünstige politische und rechtliche Rahmenbedingungen. Die GIZ fördert seit 2005 im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Ernährungssicherheit vor Ort: Sie unterstützt sowohl das äthiopische Landwirtschaftsministerium als auch die lokalen Kleinbauern mit Know-How und hilft ihnen, die erforderllichen Kompetenzen und Strukturen aufzubauen. Unter anderem durch Terrassierung, Fruchtfolgen und Weideverbesserungen wurden mit deutscher Hilfe 142.000 Hektar degradiertes Land für eine nachhaltige Bewirtschaftung wiederhergestellt. Davon profitieren 70.000 Haushalte. Die Regionen profitieren von der gesteigerten Produktivität. Auch leiden sie weniger unter den Auswirkungen des Klimawandels.

Ergiebige Ernten durch spezialisiertes Saatgut

Nicht allein ein früchtbarer Boden ist für eine gesicherte Nahrungsversorgung wichtig, sondern auch das was auf ihm wächst. Äthiopien fehlt es an ertragreichen und an die Umweltbedingungen angepassten Pflanzensorten. Die vorhandenen Sorten sind entweder von mangelhafter Qualität oder anfällig für Krankheiten. Zugang zu hochwertigem Saatgut gibt es nur beschränkt – entweder gibt es keine für das Anbaugebiet geeignete Sorten oder sie stehen nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Genau hier setzt ein weiteres Projekt der GIZ an: Im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hilft sie seit gut einem Jahr äthiopischen Züchtern dabei, ertragreiches, widerstandsfähiges und an die Umweltbedingungen angepasstes Saatgut zu entwickeln. Im Unterschied zu multinationalen Großkonzernen, die auf die Belieferung der Entwicklungsländer mit genmanipuliertem Saatgut setzen, will das BMELV gezielt vor Ort den Aufbau von Kapazitäten für eine eigenständige und nachhaltige Versorgung fördern. Damit sollen langfristig gleich zwei Ziele erreicht werden: Einerseits soll durch höhere Ernteerträge die Ernährungssicherheit der Bevölkerung verbessert werden. Andererseits soll vor Ort eine Zuchtwirtschaft entstehen, die sowohl Arbeitsplätze und Wohlstand erzeugt als auch die Versorgung des äthiopischen Hochlands mit hochwertigem Saatgut in ausreichenden Mengen sichert. Das Projekt ist auf 15 Jahre angelegt. Noch ist nicht absehbar, ob es Früchte tragen wird. Züchterische Erfolge und die Umstellung von Saatgutvermehrung und Anbaumethoden benötigen Zeit, Verbesserungen werden von einer Saison zur nächsten erzielt. pat

Tag der offenen Tür im BMZ

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) lädt am 25. August zu einem Tag der offenen Tür in seinen Amtssitz in Berlin ein. Geboten wird ein Programm aus Podiumsdiskussionen, in­ter­na­ti­o­nalen Musik- und Tanzdarbietungen sowie Kulinarischem. Zahlreiche Botschaften stellen ihr Land und ihre Kultur vor. GIZ, KfW, En­gage­ment Global und Nichtregierungsorganisationen präsentieren sich und ihre Arbeit. Zudem soll sich im Dialog mit Bürgern über Projektaktivitäten und neue Ideen aus­ge­tauscht und zu entwicklungspolitischen Themen diskutiert werden. Sonntag, 25. August 2013, 10:00 – 18:00 Uhr im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Stresemannstraße 94, 10963 Berlin (S-Bahnstation Anhalter Bahnhof, Buslinien 123 und M41) Eine Übersicht über die Veranstaltungen am Tag der offenen Tür im BMZ finden Sie hier.

Links

Teil 1: Chancen und Herausforderungen für rohstoffreiche Entwicklungsländer (19. August 2013) Teil 2: Keine Perspektive ohne Bildung (20. August 2013) Teil 4: Hand in Hand: Naturschutz und Entwicklung in Benin (22. August 2013) Teil 5: Diskriminierung: ungerecht – und teuer (23. August 2013) BMZ: 14. Entwicklungspolitischer Be­richt der Bundesregierung | Weiß­buch zur Ent­wick­lungs­politik (Kurzfassung) BMZ: 14. Entwicklungspolitischer Be­richt der Bundesregierung | Weiß­buch zur Ent­wick­lungs­politik (Langfassung) BMZ: Entwicklungspolitisches Konzept plus: Chancen schaffen – Minds for Change | Zukunft entwickeln – Enhancing Opportunities BMZ: Flyer – Die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungspolitik (Mai 2012) BMZ: Lexikon der Entwicklungspolitik WorldWeWant gemeinsame Initiative von UNICEF und BMZ. Ruft Jugendliche dazu auf, die Ziele der Entwicklungspolitik mitzugestalten. Teil der aktuellen weltweiten Konsultationen über die neuen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen

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