Merkel: Stabilität in EU hängt von Entwicklung Afrikas ab

Bundeslanzlerin Merkel fordert von Unternehmen größeres Engagement in Afrika. Foto: dpa

Kurz vor ihrer Reise nach Afrika hat die Bundeskanzlerin die deutschen Unternehmen aufgefordert, sich dort stärker zu engagieren. Nur so lasse sich die Migration eingrenzen.

Dies sei schon deshalb nötig, weil sich die Bevölkerung auf dem europäischen Nachbarkontinent in den nächsten 35 Jahren verdoppele, sagte Merkel am Mittwoch beim Bundesverband für Groß- und Außenhandel (BGA) in Berlin. Nur wenn man den Menschen in den afrikanischen Staaten eine Lebensperspektive biete, könne man auch das Migrationsthema in den Griff bekommen, betonte sie zudem in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“. Hintergrund ist die derzeit wieder steigende Zahl an Flüchtlingen und Migranten, die versuchen, über Nordafrika und das Mittelmeer in die EU zu kommen.

Die deutschen Exporte nach Afrika waren 2015 um 6,5 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro gestiegen. Die Importe sanken wegen fallender Rohstoffpreise aber um 9,9 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Die Schere öffnete sich nach Angaben des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft in den ersten fünf Monaten 2016 noch weiter: Bis Ende Mai stiegen die deutschen Exporte um 2,9 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro. Die Importe aus den afrikanischen Ländern brachen dagegen um 34,6 Prozent auf nur noch 5,1 Milliarden Euro ein.

Merkel forderte die deutschen Firmen deshalb auf, sich in Afrika mit seinen 1,2 Milliarden Menschen stärker zu engagieren. Die Firmen müssten deshalb auch Weltoffenheit Richtung Afrika zeigen. Nach Angaben des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft sind in Afrika schätzungsweise 18.000 deutsche Unternehmen tätig. Davon träten 800 Unternehmen als Investoren auf.

Eine andere Entwicklungspolitik betreiben

Die Kanzlerin betonte, dass die Stabilität in der EU unmittelbar von der Entwicklung Afrikas abhängig sei. Man müsse sehr viel mehr Entwicklungshilfe leisten, eine andere Entwicklungspolitik betreiben, die Investitionen verstärken und mehr auf gute Regierungsführung pochen, sagte sie beim BGA. Hintergrund sei, dass sich viele Menschen auch in Afrika mittlerweile über das Smartphone informierten, was neue Wanderungsbewegungen auslöse. „Diejenigen, die als Migranten zu uns kommen, sind häufig nicht die Ärmsten der Armen, sondern diejenigen, die in der aufkommenden Mittelschicht plötzlich entdecken, was für Lebensmöglichkeiten man unter anderen Bedingungen auch in der Welt hat.“

Man müsse deshalb eine Balance finden. „Abschottung wird nach meiner Kenntnis und Überzeugung nicht klappen.“ Es sei sowohl falsch, möglichst viele Migranten aufzunehmen, als auch seine Arbeit „ausschließlich darauf zu reduzieren, niemanden mehr aufzunehmen“, sagte Merkel der „Zeit“. „Wenn ich als deutsche Bundeskanzlerin dafür sorgen will, dass es uns Deutschen gutgeht, dass die Europäische Union zusammenhält, muss ich mich auch darum kümmern, dass es in Europas Nachbarschaft so zugeht, dass Menschen dort Heimat auch als Heimat empfinden können.“ In früheren Epochen habe der Westen Afrika eher Entwicklungschancen geraubt. „Konkret heißt das in unserer Zeit, dass wir uns in neuer Weise mit Afrika befassen müssen. So ist das im 21. Jahrhundert.“

Merkel bricht am Wochenende zu einer Afrikareise auf. Vor wenigen Tagen hatte sie erklärt, dass Deutschland seine Entwicklungshilfe erhöhen müsse. Im Juni verwies sie darauf, dass Afrika mit seinen 1,2 Milliarden Menschen und einem starken Bevölkerungswachstum das „zentrale Problem“ bei Migrationsfragen sei.