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24/01/2017

Klimakonferenz COP21 beendet Jahrzehnt gescheiterter Klimafinanzierung

Entwicklungspolitik

Klimakonferenz COP21 beendet Jahrzehnt gescheiterter Klimafinanzierung

Windturbinen in Essaouira, Marokko.

[sqala/Flickr]

Mit 8.000 Projekten in Entwicklungsländern ist der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM) im Rahmen des Kyoto-Protokolls noch immer gültig. Das Klima-Abkommen in Paris könnte jedoch das Ende des so ineffektiven Systems einläuten. EurActiv Frankreich berichtet.

Die Klimaverhandlungen, die aus dem Pariser Abkommen hervorgehen, werden mit einem Frühjahrsputz bei den UN-Klimaschutzprogrammen einhergehen – beginnend mit den Ablegern des Kyoto-Protokols.

Das in Japan 1997 unterzeichnete Abkommen setze mehrere komplexe Mechanismen zur Emissionssenkung in Bewegung. Sowohl Staaten als auch Unternehmen konnten Projekte zur Verringerung des CO2-Ausstoßes auf der Südhalbkugel finanzieren (oder in den Nicht-Annex-I-Ländern). Diese Idee verfestigte sich. Seit 2005 hat man bereits Kredite im Wert von 1,6 Milliarden Euro für 7.900 Projekte in 107 Ländern bereitgestellt. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 100 Milliarden Euro. Diese Projekte trugen dazu bei, Emissionen von 1,6 Milliarden Tonnen CO2 einzusparen – nur ein kleiner Teil in Anbetracht dessen, dass China pro Jahr einen Ausstoß von etwa zehn Milliarden Tonnen CO2 produziert.

Ein System in den letzten Atemzügen

Das Pariser Abkommen wird dem lahmenden System endgültig den Garaus machen. Seit dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls im Jahre 2012 rostete das System vor sich hin. „Man wird die Trennung zwischen den Annex-I- und Annex-II-Ländern aufheben. Dadurch wird das CDM ungültig“, sagte Antoine Guillou, Energiekoordinator von Terra Nova.

Benoit Leguet, Vorsitzender des Institute for Climate Economics (I4CE) sieht das genauso. „Bis auf die Methode gibt es nicht viel beizubehalten. Selbst die war nur langsam und kompliziert durchzusetzen“, sagte er. Das Scheitern war bedingt durch Fehler beim grundlegenden Ansatz des Mechanismus. Vom CDM profitierten unter anderem industrielle Gashersteller (von Stickstoffoxide und Kühlgas) sowie Staudamm-Bauprojekte. Die große Mehrheit der CDM-Kredite ging an diese Sektoren. „Es ging soweit, dass bestimmte Industriegasprojekte nur entwickelt wurden, um Kredite einzukassieren“, betonte Guillou.

Eine kleine Anzahl von Projekten zu erneuerbaren Energien wurde mithilfe von CDM-Krediten zu großen Erfolgen, wie zum Beispiel die Investitionen in Windturbinen in Essaouira in Marokko, die solarbetriebenen Öfen in Afrika oder die Methanproduktion in Nepal.

Was das äquivalente „Joint Implementation“-Programm angeht, das den Ländern der ehemaligen UdSSR gewidmet war, so haben Skandale den Mechanismus wiederholt in schlechtes Licht gerückt. Der Reputationsverlust war so groß, dass der Zertifikateverkauf abnahm. Zunächst schränkte die EU ihren CO2-Markt, Hauptverkaufsstelle des CDM, nur ein. Dann schloss sie ihn gänzlich. In f fiel der Preis für die Emissionsgutschriften von 22 Dollar pro Tonne im Jahr 2010 auf nur wenige Cents heute. Aufgrund mangelnder Nachfrage, brach man zahlreiche Projekte ab.

Recycling in der Luftfahrt und Schiffverkehrsinitiativen

Doch die Mechanik der CDM-Verwaltung lief weiter wie ein kopfloses Huhn. Am 23. und 27. November wird sich der CDM-Vorstand in Paris im Unesco-Hauptquartier treffen, um die COP21 vorzubereiten. Einige Optimisten versuchten, den CDM durch gesteigerte Kreditnachfrage wiederzubeleben. Mit dieser Idee im Hinterkopf, schaffte der UNFCCC eine Plattform auf seiner Webseite, auf der die Nutzer ihre Kredite direkt stornieren können. Doch selbst dieser Vorstoß schlug fehl, da sich generell nur wenige Nutzer anmeldeten. Darüber hinaus gab der UNFCCC zu, mehrfach die Daten der CDM-Projekt-Koordinatoren verloren zu haben.

Um Nachfrage zu erzeugen, erwog die Organisation Recycling-Initiativen einiger bis dahin ausgeschlossener Sektoren. So wandte sie sich an die Luftfahrtbranche. Diese versprach, ab 2020 ihren CO2-Ausstoß zu senken. Auch sprach man mit dem Schifffahrtssektor, dessen Emissionen noch immer keinen Einschränkungen unterliegen, sowie dem Green Climate Fund – bisher ohne Erfolg.

Der Green Climate Fund startete vor Kurzem seine ersten acht Projekte. Er scheint eine gewisse Distanz wahren zu wollen. Trotz seiner kleinen Größe, genießt er ein höheres Maß an Glaubwürdigkeit. Dies ist vor allem auf die Zusagen der Länder der Nordhalbkugel in Höhe von 100 Milliarden Dollar pro Jahr zurückzuführen. So will man dem Klimawandel in den Entwicklungsländern Einhalt gebieten. Der Fond verwaltet einen Teil dieser Gelder.

Zeitstrahl

  • 30. November - 11. Dezember 2015: COP21 in Paris

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