IWF prognostiziert gebremstes Wachstum für Schwellenländer

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Aufstrebende Länder wie Südafrika und Brasilien werden nach IWF-Analysen in nächster Zeit nicht mehr an den Wirtschafts-Boom früherer Jahre anknüpfen können. Die Abhängigkeit der aufstrebenden Staaten von den Industrienationen ist demnach noch immer groß.

Noch vor kurzem galten die Schwellenländer – allen voran die aufstrebenden Nationen der BRICS-Staaten, in denen knapp 40 Prozent der Menschheit leben – als Motor der Weltwirtschaft. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika genossen in den vergangenen Jahren ein scheinbar ungezügeltes Wachstum und stellten rund ein Viertel der weltweiten Wirtschaftskraft. „Der Aufstieg des Südens vollzog sich in beispielloser Geschwindigkeit und in einem nie zuvor erlebten Ausmaß“, hatte es im „Bericht über die menschliche Entwicklung“ der Vereinten Nationen noch vor wenigen Monaten geheißen. Doch nun bahnt sich ein Ende des Booms an.

„Die Schwellenländer sind in eine Phase verlangsamten Wachstums eingetreten“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichen Diskussionspapier von IWF-Experten. Zur außerordentlich starken Expansion der letzten Dekade dürften sie in den nächsten Jahren kaum zurückkehren, prognostizieren die IWF-Experten.

Die Entwicklung der BRICS-Staaten im vergangenen Jahr konnte bereits als Indikator für diesen Trend gewertet werden. Deren Wachstumsrate hatte sich schon 2013 im Vergleich zu den ehemaligen Höchstständen halbiert. China konnte nur noch ein Wachstum von knapp acht Prozent aufweisen, Indiens Wachstum schrumpfte auf fünf, das Brasiliens auf drei Prozent.

Große Abhängigkeit von Industrieländern

Das Ende dieser Talfahrt scheint noch nicht erreicht. Bis 2017, so schätzt der IWF in seinem jüngsten Bericht, werden die potenziellen Wachstumsraten sämtlicher Schwellenländer bei etwa dreieinhalb Prozent im Jahr liegen. Das wären eineinviertel Prozentpunkte weniger als im Zeitraum 2002 bis 2013. Der IWF wies jedoch darauf hin, dass diese Entwicklung nicht unbedingt negativ sein müsse, solange die Zuwächse nachhaltiger und ausgewogener ausfielen.

Weiterhin relativ stark ist nach Einschätzung der Ökonomen die Abhängigkeit der meisten Schwellenländer von der Wirtschaftsentwicklung in den Industrieländern. Für das durchschnittliche Schwellenland mit einer Exportquote von gut einem Drittel der Wirtschaftsleistung führe ein Prozentpunkt mehr Wachstum bei seinen reichen Handelspartnern zu einem Wachstumsimpuls für die eigene Wirtschaft von 0,9 Prozent. Sackt dagegen die Wirtschaftskraft der Handelspartner in der industrialisierten Welt um einen Prozentpunkt ab, reißt das auch die Wirtschaft der Schwellenländer um 0,6 Prozent mit nach unten.

Immerhin haben sich nach der konjunkturellen Abkühlung in jüngster Zeit inzwischen einige Faktoren wieder zugunsten der Schwellenländer verbessert, etwa die Nachfrage aus Industrieländern. Sie profitieren momentan wegen der nachlassenden Sparanstrengungen und der weiterhin sehr lockeren Geldpolitik von einem Anstieg ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Verschlechterte Rahmenbedingungen erschweren Wachstum

Dennoch seien dem IWF zufolge die günstigen äußeren Rahmenbedingen für Schwellenländer – wie ein florierender Welthandel, gute Finanzierungsbedingungen und relativ hohe Rohstoffpreise – für die nächste Zeit nicht mehr zu erwarten. Hinzu kämen hausgemachte Probleme in einigen Ländern und die bereits angelaufene Normalisierung der Politik des billigen Geldes in einigen großen Industrieländern.

Bereits im April hatte der IWF in seinem World Economic Outlook (WEO) für 2014 darauf hingewiesen, dass es bei wachsender Weltwirtschaft dennoch eine ungleiche Entwicklung in den einzelnen Ländern gebe. Demnach kommen die Wachstumsimpulse hauptsächlich von den Industrieländern und hier vor allem von den USA. Die Aktivität der Schwellenländer sei hingegen enttäuschend.

Die Schwellenländer hatten auf die negativen Entwicklungen schon vor einigen Monaten mit radikalen Maßnahmen reagiert, um die Flucht der Investoren und den Kursverfall ihrer Währungen zu verhindern. So zog Indiens Zentralbank Anfang des Jahres die Zügel der Geldpolitik überraschend an, um die massive Inflation zu bändigen. Auch die türkische Zentralbank und Südafrika erhöhten ihren Leitzins radikal.