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18/01/2017

Europäische Rundfunkunion soll Aktion „Nachbar in Not – Europa“ starten

Entwicklungspolitik

Europäische Rundfunkunion soll Aktion „Nachbar in Not – Europa“ starten

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[United Nations Photo/Flickr]

Der Österreicher Kurt Bergmann spricht sich für eine beispiellose Hilfsaktion aus, um in Ländern wirksame Hilfe zu leisten, die von Not und Krieg besonders gekennzeichnet sind und aus denen massenhaft Flüchtlinge nach Europa kommen. Getragen werden soll die Aktion von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus ganz Europa.

Bei der Herbsttagung der Europäischen Rundfunkunion (EBU) soll eine europaweite Spendenaktion beschlossen werden. Das geht aus einem Vorschlag des Österreichers Kurt Bergmann hervor, der EurActiv.de vorliegt. Der Arbeitstitel des Papiers lautet „Nachbar in Not – Europa“.

Die Aktion soll helfen, insbesondere Jugendprojekte in jenen Ländern Afrikas und Asiens zu finanzieren, aus denen heute die großen Flüchtlingsströme nach Europa kommen. Und Bergmann ist ein Experte auf diesem Gebiet. Er war nicht nur jahrelang in führenden Funktionen beim Österreichischen Rundfunk ORF tätig sondern hat hier gleich zwei große Sozialaktionen aufgezogen, die heute als beispielhaft in ganz Europa gelten.

1973 wurde mit „Licht ins Dunkel“ eine Sendung geschaffen, die mittlerweile zu einem fest Programmbestandteil des Weihnachtsabends geworden ist. In Hörfunk und Fernsehen werden vom frühen Morgen bis in den späten Abend nicht nur weihnachtliche Stimmungsbilder in die Haushalte getragen sondern wird auch über Menschen berichtet, die mit Leid und Not zu kämpfen haben, oft keinen Ausweg, keine Lösung wissen.

1992 als der Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien die Schlagzeilen beherrschte wurde die Aktion „Nachbar in Not“ aus der Taufe gehoben, um den vom Krieg und Zerstörung betroffenen Menschen spontan und unbürokratisch Hilfe zu bringen, das reichte von der Lieferung von Medikamenten und Lebensmitteln bis hin zur Errichtung von Notunterkünften.

Mehr als eine halbe Milliarden Spendengelder

In beiden Fällen wurde durch das größte Medium des Landes an die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Bürger appelliert. Und das mit einem gigantischen Erfolg. Durch eine professionelle Zusammenarbeit mit den großen Hilfsorganisationen des Landes war es möglich, mehr als eine halbe Milliarde Euro an Spendengeldern dort einzusetzen, wo sie dringend gebraucht wurden und werden. Immer unter den zwei Prämissen: Erste Hilfe um zu überleben, zweite Hilfe für eine menschenwürdige Zukunft.

Österreich stellt bloß 1,7 Prozent der EU-Bevölkerung und gehört heute zu den vorbildhaften Spendenländern. Ein Beispiel, das Schule machen sollte. Der von Bergmann angeregte Schulterschluss mit Hilfe der großen europäischen Rundfunkanstalten könnte ein mehr als beachtliches Hilfsprogramm auf die Beine stellen. Es müsste nicht darauf gewartet werden, dass die Staaten ihre Entwicklungshilfeprogramme finanziell aufstocken, sondern es würde zur Schaffung einer eigenen Sozialschiene kommen, an der sich NGOs ebenso wie caritative und kirchliche Organisationen mit ihrem Know-how einbringen könnten, damit nicht nur gespendet wird, sondern die Gelder auch dort investiert werden, wo sie benötigt werden und Wirkung zeigen können.

Europaweite Themenwoche und gemeinsamer Spendentag

Die der EBU angehängten Rundfunkanstalten erreichen mehr als eine halbe Milliarde Europäer. Eine gemeinsam motivierte Sendung „Nachbar in Not Europe“ wäre eine Gelegenheit, um aufzurütteln und Bewusstsein zu schaffen. Die politischen Anstrengungen, um die Krisengebiete in Afrika und Asien einigermaßen zu befrieden, werden zumindest noch Jahre in Anspruch nehmen. Jetzt schon dringend notwendig wäre es, den Bürgern zu helfen, lokale unmittelbare Notzustände etwa bei der medizinischen Versorgung zu lindern, schulische Ausbildungsprojekte zu finanzieren, scheinbar nur kleine, aber effektive wirtschaftliche Vorhaben zu unterstützten und so den Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu geben.

Wenn ganz Europa einen Ausweg aus der Flüchtlingskrise und nach gemeinsamen Kriterien für seine Einwanderungspolitik sucht, dann könnten – so Bergmann – nun auch die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalten der EBU aktiv werden, mithelfen und nicht nur ihrer Informationspflicht nachkommen. Die Aktion könnte durch eine gemeinsame Themenwoche mit Berichten, Reportagen, Dokumentationen und Diskussionen, einbegleitet werden, die in einem europaweiten Spendentag ihren Höhepunkt findet.