EU verkündet Milliarden-Hilfe für Syrien

Immer mehr Flüchtlinge des Syrien-Kontliktes holen ihre Familienmitglieder nach. [|European Commission DG ECHO/Flickr]

Die EU hat auf einer Geberkonferenz in Kuwait 1,1 Milliarden Euro Hilfsgelder für die Opfer des Bürgerkriegs in Syrien zugesagt. Weitere 3,5 Milliarden Euro kommen von anderen Geldgebern der Weltgemeinschaft. Die Hilfe ist bitter nötig, berichten vor Ort aktive Hilfsorganisationen.

Die Europäische Union hat auf der Geberkonferenz für Syrien 1,1 Milliarden Euro Hilfsgelder für die Opfer des Bürgerkriegs zugesichert. „Der Bedarf ist immens, und außerordentliche Anstrengungen seitens der gesamten Gebergemeinschaft sind erforderlich“, erklärte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides am Dienstag.

Die Gesamtzusage auf der dritten Geberkonferenz in Kuwait-Stadt beträgt 3,6 Milliarden Euro. weniger als die Hälfte der von der UNO geforderten Summe. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich dennoch zufrieden über das Ergebnis.

Dies seien „sehr großzügige Zusagen“, sagte Ban zum Abschluss der Konferenz. Die Vereinten Nationen hatten die benötigte Summe für humanitäre Hilfe in Syrien dieses Jahr mit 8,4 Milliarden Dollar beziffert, davon 5,5 Milliarden für Flüchtlinge und 2,9 Milliarden für die Menschen im Land selbst.

Die nun erreichte Summe von 3,8 Milliarden Dollar, wovon mehr als 500 Millionen Dollar von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) stammen, entspricht fast der Gesamtsumme der beiden vorangegangenen Syrien-Geberkonferenzen. Bei den ebenfalls von Kuwait ausgerichteten Konferenzen 2013 und 2014 hatte es Zusagen in Höhe von insgesamt 3,9 Milliarden Dollar gegeben. Ban hatte vergangene Woche beklagt, dass nicht alle zugesagten Gelder auch geflossen seien.

Bei der Eröffnung der dritten Geberkonferenz für Syrien sprach Ban von der „schlimmsten humanitären Krise unserer Zeit“. Vier von fünf Syrern lebten in Armut, im Elend und litten Entbehrungen. Das Land habe durch den seit vier Jahren andauernden Bürgerkrieg „fast vier Jahrzehnte humane Entwicklung verloren“. Rund die Hälfte der Bevölkerung habe fliehen müssen.

Mit der Aufnahme von fast 2,5 Millionen syrischen Flüchtlingen tragen die Nachbarländer Jordanien und Libanon die Hauptlast. Die Regierungschefs beider Länder forderten in Kuwait-Stadt internationale Hilfe für die Bewältigung der Flüchtlingstragödie. 

255 Millionen Euro aus Deutschland

Die von Brüssel in Aussicht gestellte Summe von 1,1 Milliarden Euro – doppelt so viel wie im vergangenen Jahr – setzt sich aus dem Gemeinschaftshaushalt der EU und der einzelnen Mitgliedsländern zusammen. 255 Millionen Euro kommen allein aus Deutschland. 155 Millionen entfallen dabei Entwicklungshilfe, 100 Millionen Euro auf humanitäre Hilfe. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gab am Dienstag nach Angaben des Auswärtigen Amts in Lausanne die Aufstockung bekannt. Zuvor hatte das Entwicklungsministerium in Berlin angekündigt, bei der Geberkonferenz in Kuwait Hilfen in Höhe von 155 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

„Die Gespräche und Begegnungen mit syrischen Flüchtlingen und Menschen in den aufnehmenden Gemeinden im Libanon und der Türkei haben mich tief berührt. Hier wird tagtäglich Außerordentliches geleistet. Die betroffenen Länder geraten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“, erklärte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller am Dienstag.

Mit deutscher Unterstützung können allein in Libanon 80.000 Kinder zur Schule gehen. In Jordanien wird etwa die Wasserversorgung in vielen aufnehmenden Gemeinden gesichert, im türkisch-syrischen Grenzgebiet werden Gemeindezentren für Türken und Syrer eingerichtet.

„Nur durch weltweite Partnerschaften, die auch die arabische Welt einbeziehen, und durch Solidarität untereinander können wir einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung dieser humanitären Tragödie, der größten seit dem Zweiten Weltkrieg, leisten“, erklärte EU-Kommissar Stylianides.

Knapp zehn Millionen Menschen hilfsbedürftig

Fast zehn Millionen Menschen in Syrien benötigen Nahrungsmittelhilfe, mehr als elf Millionen Menschen brauchen sauberes Trinkwasser. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF gehen 2,6 Millionen syrische Kinder nicht zur Schule.

Laut der Organisation Save the Children sank die Alphabetisierungsrate in Syrien von 95 Prozent vor dem Konflikt auf eine der niedrigsten Raten weltweit. Mindestens ein Viertel aller Schulen im Land sei beschädigt, zerstört oder von bewaffneten Gruppen besetzt. Für ihren Wiederaufbau sowie die Wiederbeschaffung des Lehrmaterials und die Ausbildung neuer Lehrkräfte seien mindestens 3,2 Milliarden Dollar nötig.

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