EU und Pharmabranche fördern Ebola-Forschung mit 200 Millionen Euro

Die EU arbeitet Hand in Hand mit der Pharmaindustrie bei der Erforschung neuer Ebola-Impfstoffe. Foto: DG ECHO

Exklusiven Kreisen zufolge finanziert die EU im Kampf gegen den Ebola-Virus gemeinsam mit Pharmakonzernen die Erforschung neuer Impfstoffe, Medikamente und Tests. Die Zahl der bekannten Ebola-Krankheitsfälle liegt laut WHO mittlerweile bei knapp 10.000.

Die EU-Kommission steuere ebenso 100 Millionen Euro bei wie der Europäische Pharmaverband, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Förderung fließe im Rahmen der Initiative Innovative Medizin (IMI), einem Gemeinschaftsprojekt der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft, und solle noch in dieser Woche bekanntgegeben werden.

Der Großteil des Geldes werde voraussichtlich für klinische Studien mit drei experimentellen Impfstoffen eingesetzt.

Die Zahl der bekannten Ebola-Fälle nähert sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Marke von 10.000. Bis zum 19. Oktober seien 9.936 Kranke gemeldet worden, teilte die WHO am Mittwoch mit. Mindestens 4.877 Menschen seien an der Infektion gestorben. Die Dunkelziffer gilt jedoch als hoch.

Die schwerste Ebola-Epidemie in der Geschichte hat vor allem Liberia, Sierra Leone und Guinea in Westafrika erfasst. Hier gebe es weiterhin viel zu wenig Krankenhausbetten für die Erkrankten, warnte die WHO. Lediglich ein Viertel des Bedarfs sei gedeckt. Auch müssten 50 Behandlungszentren eingerichtet werden. Von ausländischen Ärzteteams gebe es jedoch nur feste Zusagen für 30 Stationen.

Führende Pharma-Konzerne forcieren bereits seit Monaten angesichts der Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola über die westafrikanischen Ursprungsländer hinaus die Entwicklung von Medikamenten gegen die Seuche.

Der britische Arzneimittelhersteller GlaxoSmithKLine kündigte am Mittwoch an, die ersten Impfstoffdosen sollten noch vor Jahresende ausgeliefert werden. Die US-Firma Johnson & Johnson (J&J) will im nächsten Jahr eine Million Dosen zur Verfügung zu stellen. Die beiden Konkurrenten sind zudem zur Zusammenarbeit bereit. In den USA stoppten Grenzbeamte einen Flugpassagier aus Liberia wegen Ebola-Verdachts. Zudem strich eine US-Versicherung Verträge zum Schutz gegen Ebola aus ihrem Angebot.

J&J will bis kommenden Mai 250.000 Impfdosen ausliefern. Der Impfstoff steckt allerdings noch in den Kinderschuhen: Ab Januar soll er an Freiwilligen gestestet werden. Der US-Konzern hält auch eine Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKLine für denkbar. Die von beiden Unternehmen entwickelten Impfstoffe könnten kombiniert werden, erklärte J&J-Forschungschef Paul Stoffels. „Die Situation erfordert neue Wege der Arbeitsorganisation und des Denkens“, sagte GSK-Chef Andrew Witty. Sein Unternehmen hat bereits einen Impfungstoff in der klinischen Erprobung.

In Deutschland kündigte das Bundesforschungsministerium an, die Entwicklung eines Ebola-Schnelltests der Jenaer Firma Alere Technologies zu unterstützen. Der Betrieb ist eine Tochter des US-Unternehmens Alere.

An der Virus-Erkrankung sind seit März vor allem in Westafrika mehr als 4.500 Menschen gestorben. Das hat auch wirtschaftliche Gründe: Die Entwicklung neuer Arzneien oder Impfstoffe verschlingt hohe Millionensummen, die durch die zu erwartenden Einnahmen in den armen westafrikanischen Ländern kaum aufgefangen werden können. Zudem sind Ebola-Ausbrüche selten. Das Ausmaß dieser Ebola-Epidemie ist aber um ein vielfaches gravierender als alle bisherigen Ausbrüche. Entsprechend hoch ist daher die Nachfrage nach einem Mittel gegen die Seuche.

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