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23/01/2017

Entwicklungskommissar Mimica: „Werde der lautstärkste männliche Feminist sein“

Entwicklungspolitik

Entwicklungskommissar Mimica: „Werde der lautstärkste männliche Feminist sein“

EU-Entwicklungskommissar Neven Mimica. ©EC

Als EU-Entwicklungskommissar will Neven Mimica zum größten Verfechter der Gleichstellung avancieren. Das sagte der Kroate zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Addis Abeba, wo er mit Experten über die Rolle der Frau in der Politik sprach.

100 Tage Amtszeit liegen hinter dem Entwicklungskommissar Neven Mimica. Doch statt über seine ersten Erfolge zu sprechen, diskutierte er auf einem Pressebriefing vornehmlich über das Thema Frauenrechte.

Geschlechtergleichstellung sei ein Querschnittsthema in der Entwicklungszusammenarbeit, so Mimica. „Ich möchte die Ermächtigung von Frauen und Mädchen in jedem unserer Programme sichtbar machen.“ Die EU-Kommission wolle die Entwicklungsprojekte auf Gleichstellungsaspekte überprüfen und darauf abzielen, die „Gender-Gap“ zu schließen.

Er wolle „der lautstärkste männliche Feminist sein“, fügte der Entwicklungskommissar hinzu. Geschlechtergleichstellung sei jedoch nicht nur ein Thema der Menschenrechte, sondern berühre auch Aspekte rund um „smart development“ und „smart economics“. Die Rolle der Frau sei unmittelbar verbunden mit dem globalen Ziel, die Armut auszuradieren und nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

Das Europäische Jahr der Entwicklung 2015 hat zwölf verschiedene Themenmonate. Der März stellt die Geschlechtergleichstellung in den Vordergrund. Im Rahmen seiner Arbeit als EU-Entwicklungskommissar besuchte Mimica Anfang der Woche eine Konferenz in Addis Abeba zu „Frauen in Parlamenten“. Dort kamen mehr als 400 weibliche Mitglieder von Parlamenten und Regierungen zusammen.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Zahl der Frauen in Volksvertretungen nahezu verdoppelt, sagte Mimica. 22 Prozent der Parlamentarier weltweit seien heute Frauen. 1993 seien es noch 11,3 Prozent gewesen. Das sei aber immer noch zu wenig, wei die UNESCO-Chefin Irina Bokova in Addis Abbeba betonte. Weltweit gibt es lediglich 19 weibliche Regierungschefs oder Präsdienten. Zehn davon kommen aus Europa.

Positives Beispiel Afrika

„Die Hälfte der Weltbevölkerung sind Frauen. Trotzdem werden sie nicht angemessen politisch repräsentiert“, kritisierte Mimica. Ein positives Beispiel seien Länder in Afrika, darunter Ruanda, Mozambique und Südafrika.

Die Länder hätten beträchtliche Fortschritte bei der Ermächtigung von Frauen in nationalen Parlamenten erreicht. Ruanda habe sogar mehr Frauen als Männer in ihrem Parlament. In Südafrika sind es 45 Prozent, in Mozambique 40 Prozent.

Post-2015-Agenda

Mit Blick auf die Nachhaltigen Entwicklungsziele, die Ende 2015 die Millenniumentwicklungsziele (MDGs) ablösen werden, müsse die Rolle der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter eine hohe Priorität einnehmen. „Darauf muss sich die EU, die Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission, wirklich konzentrieren“, so Mimica.

Auf den Gruppenfotos von EU-Gipfeln sieht man dennoch mehrheitlich Männer in schwarzen Anzügen. Hier fordert Mimica ein Umdenken mit Verwies auf seine Zeit als kroatischer Europaminister. In seinem Ministerium hätten 72 Prozent Frauen gearbeitet. „Das war das beste Ministerium, dass ich je geleitet habe“, erinnert sich Mimica auf Nachfrage von EurActiv. Eine ähnliche Geschlechterverteilung wünscht sich Mimica auch in den Abteilungen der EU-Kommission.

Während Mimica mit der Presse sprach saßen vier Kommissionsbeamtinnen neben ihm.