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21/01/2017

Entwicklungsbanken: Der Klimaschutz kommt oft zu kurz

Entwicklungspolitik

Entwicklungsbanken: Der Klimaschutz kommt oft zu kurz

Entwicklungsbanken müssen einen klareren Fokus auf Investitionen in den Klimaschutz legen, zeigt ein Bericht.

[vince42/Flickr]

In Entwicklungs- und Schwellenländern spielen Entwicklungsbanken eine wichtige Rolle im Finanzsektor – und somit auch beim Klimaschutz. Doch eine Studie zeigt nun: Die Investitionen müssen gezielter auf das globale Ziel zur Einhaltung der 2-Grad-Obergrenze für globale Erwärmung ausgerichtet werden.

Wer heute von Entwicklungszusammenarbeit spricht, kann den Kampf gegen Armut und Hunger in der Welt nicht mehr isoliert vom Klima- und Umweltschutz betrachten. Das Europäische Jahr für Entwicklung 2015 setzte darum einen großen Schwerpunkt auf der Entwicklung nachhaltiger Konzepte für Klimaschutz, weltweiten Handel, Landwirtschaft und Konsum.

Eine entscheidende Rolle bei der internationalen Klimafinanzierung spielen Entwicklungsbanken – und in den vergangenen Monaten haben viele von ihnen hierzu bedeutende Ankündigungen gemacht. Ein positives Zeichen. Doch obwohl sie Klimaaspekte zunehmend in ihre Arbeit integrieren, sind die Ziele noch nicht ehrgeizig genug, so das Ergebnis einer Studie von NewClimate Institute, Germanwatch und 2°C Investing Initiative, die nun beim Klimagipfel in Paris vorgestellt wurde.

Entwicklungsbanken müssen Kriterien klar an 2-Grad-Ziel ausrichten

„Wir haben herausgefunden, dass das Klima-Mainstreaming, das die Entwicklungsbanken derzeit anwenden, sich nicht auf das 2-Grad-Limit bezieht“, bemängelt Jakob Thomä von der 2°Investing Initiative. Keine einzige Entwicklungsbank nutze derzeit Investitionskriterien, die sicherstellen könnten, dass ihre Investitionen mit der 2-Grad-Obergrenze kompatibel wären, so der Mitautor des Berichts.

Gerade das ist jedoch dringend nötig, warnen Experten. Denn in den Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase enorm – unter anderem durch fehlende Kreislaufwirtschaft bei der Müllentsorgung und die Produktion von Waren, die in den Ländern der ersten Welt konsumiert werden.

Laut der Hilfsorganisation Oxfam drohen den armen Staaten dramatische Folgekosten des Klimawandels. In einem Bericht warnte die Organisation kürzlich, wenn die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter einen Wert von plus drei Grad Celsius erreichen sollte, werde dies für die Entwicklungsländer um das Jahr 2050 „Anpassungskosten“ im Umfang von 790 Milliarden Dollar (741 Milliarden Euro) und wirtschaftliche Einbußen von 1,7 Billionen Dollar jährlich verursachen.

Thomä sieht jedoch positive Ansätze: Die Entwicklungsbanken würden bereits Klimakriterien in ihren Entscheidungsprozessen anwenden, unter anderem Positiv- und Negativlisten, qualitative und quantitative Benchmarks und Schatten-Kohlenstoffpreise, sagt er. „Deswegen könnten robustere Kriterien mit sehr geringen oder gar keinen zusätzlichen Kosten eingeführt werden.“

Welche Kriterien das sein sollten, erläutert Niklas Höhne vom NewClimate Institute: „Einige Projekte und Technologien sind bereits uneingeschränkt 2-Grad-kompatibel“, sagt er. Dazu zählten etwa die meisten Erneuerbaren-Energien-Projekte. Andere jedoch seien klar inakzeptabel – etwa Kohlekraftwerke ohne Kohlenstoffabscheidung und -speicherung.

Aus Fehlern in der Vergangenheit lernen

Für andere Investitionsbereiche empfiehlt die Studie qualitative und quantitative Bedingungen. Energieeffizienz-Projekte seien beispielsweise nur dann 2-Grad-kompatibel, wenn die Effizienzverbesserungen ehrgeizig genug seien; Gaskraftwerke müssten in nationalen Dekarbonisierungsplänen eingebunden sein, die bis 2050 zu null Emissionen führen.

Hier ist es in der Vergangenheit zu Versäumnissen gekommen. Der Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (CDM), der im Rahmen des Kyoto-Protokolls aufgelegt wurde und seit 2005 Kredite im Wert von 1,6 Milliarden Euro für 7.900 Projekte in 107 Ländern bereitgestellt hat, konnte zwar dazu beitragen, Emissionen von 1,6 Milliarden Tonnen CO2 einzusparen. Doch vom CDM profitierten vor allem industrielle Gashersteller (von Stickstoffoxide und Kühlgas) sowie Staudamm-Bauprojekte, so die Kritik vieler Klimaexperten.

Lutz Weischer, Experte für Klimapolitik bei Germanwatch und Studienautor stellt entsprechend klare Forderungen: „Wir haben gezeigt, dass die 2-Grad-Obergrenze der Orientierungspunkt zur Entwicklung robuster Kriterien sein kann.“ Solche Kriterien müssten sofort eingeführt werden, so Weischer, zum Beispiel beim Grünen Klimafonds, der vor Kurzem seine ersten acht Projekte startete. 100 Milliarden Dollar jährlich wollen die Länder der Nordhalbkugel dafür bereitstellen.

Hintergrund

Die EU hat sich auf einen Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030 geeinigt. Hauptelemente der Beschlüsse sind:

  • ein verbindliches Ziel für EU-interne Emissionsminderungen von mindestens 40 Prozent gegenüber 1990,
  • ein auf EU-Ebene verbindliches Ziel für einen Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch von mindestens 27 Prozent. Allerdings ist es für die Mitgliedsstaaten freiwillig.
  • ein indikatives Energieeffizienzziel in Höhe von mindestens 27 Prozent bis 2030. Das Energieeffizienzziel soll zudem bis 2020 überprüft werden, mit der Option, es auf 30 Prozent anzuheben.
  • Unverbindliche Schiefergas-Empfehlungen, die nach einer Überprüfung 2015 verbindlich werden könnten.
  • Der Rat sprach sich für eine Reform des Emissionshandels auf Basis der Kommissionvorschläge (Einführung einer Marktstabilitätsreserve) aus

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