Ebola-Gebieten droht eine Hungerkrise

Freiwillige in Guinea lernen, wie Gebäude richtig desinfiziert werden. Foto: European Commission DG ECHO

Unbestellte Felder und zerstörte gesellschaftliche Gefüge – die Ebola-Gebiete in Westafrika stehen vor einer humanitären Krise, warnt die Welthungerhilfe. In Liberia mangelt es den Bewohnern einer Quarantäne-Zone bereits an Nahrungsmitteln.

Die Lage in den von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Ländern gerät zunehmend außer Kontrolle. Während die Zahl der Toten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den vergangenen Wochen schneller angestiegen ist und mittlerweile bei mehr als 1.350 Opfern liegt, kommt nun noch eine weitere Sorge hinzu: Die Versorgung der Bevölkerung wird immer unsicherer. Der Welthungerhilfe zufolge stehen Liberia und Sierra Leone vor einer humanitären Krise als Folge der Ebola-Epidemie.

„Wir wurden in der sozialen und ökonomischen Entwicklung weit hinter den Stand von vor einem Jahr zurückgeworfen“, sagte eine Vertreterin der Nichtregierungsorganisation in Berlin. Es sei zu befürchten, dass sich die Versorgungslage noch weiter verschlechtern werde. Die Welthungerhilfe ist in den betroffenen Gebieten seit vielen Jahren im Einsatz und versorgt zurzeit Familien, die unter Quarantäne stehen, mit Lebensmitteln.

Um die Ausbreitung des Ebola-Virus aufzuhalten, stehen ganze Provinzen in den westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone unter Quarantäne, und der Notstand wurde ausgerufen. Die ohnehin schwache Infrastruktur sei dadurch weiter beeinträchtigt, und Menschen könnten zum Teil keine Landwirtschaft mehr betreiben, sagte Asja Hanano, Landesleiterin bei der Welthungerhilfe für Liberia.

Aus der Gesundheitskrise erwachse eine Hungerkrise, warnte Hanano. Die Quarantäne verschärft die Versorgungslage ebenso wie die tropischen Regengüsse, die derzeit über den betroffenen Ländern niedergehen. Die Preise für das Grundnahrungsmittel Reis seien bereits merklich gestiegen.

Landbevölkerung erfuhr zu spät von der Seuche

Es habe lange gedauert, bis die Bevölkerung das Ausmaß der Bedrohung wahrgenommen hat, sagt Jochen Moninger von der Welthungerhilfe. Vorher habe es nur Gerüchte und Angst gegeben, doch nichts sei unternommen worden. „Viele Leute besitzen dort weder Fernseher, noch Telefon noch Radio“, sagt Moniger. Darum sei die Nachricht von der Seuche erst sehr spät zur Landbevölkerung durchgedrungen.

Liberia ist von der Ebola-Epidemie in Westafrika am stärksten betroffen. Dort verbreitet sich das Virus vor allem in der Hauptstadt Monrovia und in den angrenzenden Distrikten. 834 Erkrankte und 466 Patienten gab es laut WHO dort bislang. Der Südosten des Landes und die ländlichen Gebiete sind von der Epidemie noch nicht betroffen.

Polizei schießt scharf

Die Sicherheitskräfte in Liberia setzen seit einigen Tagen mit scharfer Munition und Tränengas die Einhaltung einer Ebola-Quarantäne in Monrovia durch, um Bewohner am Verlassen des abgeriegelten Stadtteils West Point zu hindern. Augenzeugen zufolge wurden vier Menschen verletzt. Es war zunächst unklar, ob die Opfer angeschossen wurden. Ein Reuters-Fotograf sah jedoch einen Jungen mit einer schweren Beinverletzung.

West Point war Anwohnern zufolge am Mittwochmorgen ohne Vorwarnung abgeriegelt worden. Am Wochenende hatte dort eine aufgebrachte Menschenmenge 17 Patienten aus einer provisorischen Ebola-Quarantänestation herausgeholt.

Wirkung nicht zugelassener Medikamente unklar

Im Kampf gegen die Seuche setzen Mediziner mittlerweile auch Medikamente ein, die noch nicht zugelassen sind. Ein mit dem Testserum ZMapp behandelter Arzt, der sich bei Ebola-Patienten in Liberia angesteckt hatte, sollte am Donnerstag aus dem Krankenhaus entlassen werden. Der US-Bürger war zur Behandlung aus Liberia in die USA gebracht worden.

Ob seine Genesung auf das Medikament zurückzuführen ist, war zunächst unklar. Ein ebenfalls mit ZMapp behandelter 75-jähriger spanischer Priester war vergangene Woche gestorben.

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