Die Diskriminierung von Frauen oder Behinderten in Entwicklungsländern verstößt nicht nur gegen die Menschenrechte, sie schadet auch der Wirtschaft. Menschenrechtspolitik ist damit automatisch auch Entwicklungspolitik.
Grundrechte sind die Voraussetzung dafür, dass sich Menschen in Würde und Freiheit entfalten und ihr Land voranbringen können. Entwicklungspolitik ist deshalb eng verflochten mit Menschenrechtspolitik. Das betrifft das Recht auf politische Mitsprache und Meinungsfreiheit genauso wie das Grundrecht auf Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Der Bau einer Schule in einem abgelegenen Dorf in einem Entwicklungsland mag auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, denn ohne Bildung haben die Menschen kaum Aussichten auf ein gesichertes Einkommen. Wenn die lokale Tradition allerdings Mädchen verbietet, das Haus nach der Pubertät alleine zu verlassen, dann verpufft die Wirkung schnell. Die Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass Ernteerträge in ländlichen Entwicklungsgebieten um 20 bis 30 Prozent zunehmen könnten, wenn Frauen die gleichen Möglichkeiten hätten wie Männer. Die Zahl der Hungernden in Entwicklungsländern könnte dank der gesteigerten Produktion um 12 bis 17 Prozent sinken. Frauen zu diskriminieren ist somit nicht bloß ungerecht – es schadet der Allgemeinheit. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat sich auf die Fahne geschrieben, Demokratisierung, Menschenrechte und Chancengleichheit weltweit zu fördern. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „ComVoMujer“, das in Lateinamerika – unterstützt durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) – für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen eintritt.
ComVoMujer: Gegen die Gewalt an Frauen
Fast die Hälfte der Frauen in Peru, Ecuador, Bolivien und Paraguay ist Opfer von Gewalt. Besonders auf dem Land zeigen jedoch viele von ihnen ihre Peiniger nicht an – aus Scham oder aus Angst vor Rache oder Ausgrenzung. Insbesondere indigene und afroamerikanische Frauen behalten das ihnen widerfahrene Unrecht oft für sich. Gewalttaten werden deshalb in vielen Fällen nicht geahndet. Die vier Partnerländer haben zwar nationale Gesetze zum Schutz vor Gewalt erlassen und ambitionierte Aktionspläne verabschiedet. Trotzdem klafft bis heute eine erhebliche Lücke zwischen den Gesetzen und ihrer Umsetzung. Verschärft wird diese Problematik einerseits durch mangelnde Kompetenzen, Personalressourcen und Leistungsfähigkeit. Andererseits gibt es auf nationaler wie auf regionaler Ebene kaum Austausch zwischen den maßgeblichen staatlichen, nichtstaatlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren. Ziel des Projekts ComVoMujer ist es deshalb, die Kooperation zwischen diesen Akteuren in der Andenregion und Paraguay zu verbessern und so Frauen besser vor Gewalt zu schützen. Dazu werden die Beteiligten ausgebildet und die Umsetzung der entsprechenden Gesetze unterstützt. Für nachhaltige Veränderungen werden gezielt Männer, Familien und Gemeinden mit einbezogen. Mit dem Projekt konnte ein länderübergreifender Dialog zwischen staatlichen Stellen, Frauennetzwerken und indigenen Organisationen sowie Unternehmen in Gang gesetzt werden. Ein erster Erfolg: Bolivien hat bereits konkrete Gesetzesvorschläge zur Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt eingebracht.
Hilfe für Behinderte in Zentralvietnam
Auch Menschen mit Behinderungen sind Opfer von Diskriminierung oder sozial benachteiligt. Dazu ein Beispiel aus Vietnam. In dem südostasiatischen Land leben rund sieben Millionen Menschen mit Behinderungen. Ein großer Teil von ihnen leidet an den Spätfolgen des Einsatzes des Entlaubungsmittels Agent Orange während des Vietnamkrieges. Um die Betroffenen zu fördern, gibt es eine Reihe staatlicher Programme. Am meisten profitieren davon jedoch die Menschen in großen Städten wie Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon. In abgelegenen Landesteilen fällt die staatliche Unterstützung dagegen dünner aus. Es fehlen entsprechend ausgebildeten Fachkräften, zum Beispiel Sonderpädagogen. Die Ausbildung von Kindern mit Behinderungen ist auf dem Land dadurch nicht gewährleistet. Das BMZ fördert deshalb in Zentralvietnam Bildungseinrichtungen für Kinder mit Behinderungen, zum Beispiel in der Provinzhauptstadt Hue mit knapp 300.000 Einwohnern. Eine Komponente des Projektes unterstützt die Pädagogische Universität in Hue beim Aufbau des Studienganges Sonderpädagogik: Fortbildungen für Dozenten, Lehrkräfte und Studierende werden durchgeführt, eine sonderpädagogische Bücherei wird aufgebaut, die Universität beim Erstellen eines Curriculums unterstützt und ein Praxisraum mit Lernmaterial für Kinder mit Behinderungen eingerichtet. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Aufbau eines Programmes zur Frühförderung von Kindern bis sechs Jahre. Seit 2008 werden zwei Frühförderzentren sowie Hausbesuchsprogramme in Hue und im Gebiet um Nam Dong, einer von ethnischen Minderheiten bewohnten Bergregion, eingerichtet. pat
Tag der offenen Tür im BMZ
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) lädt am 25. August zu einem Tag der offenen Tür in seinen Amtssitz in Berlin ein. Geboten wird ein Programm aus Podiumsdiskussionen, internationalen Musik- und Tanzdarbietungen sowie Kulinarischem. Zahlreiche Botschaften stellen ihr Land und ihre Kultur vor. GIZ, KfW, Engagement Global und Nichtregierungsorganisationen präsentieren sich und ihre Arbeit. Zudem soll sich im Dialog mit Bürgern über Projektaktivitäten und neue Ideen ausgetauscht und zu entwicklungspolitischen Themen diskutiert werden. Sonntag, 25. August 2013, 10:00 – 18:00 Uhr im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Stresemannstraße 94, 10963 Berlin (S-Bahnstation Anhalter Bahnhof, Buslinien 123 und M41) Eine Übersicht über die Veranstaltungen am Tag der offenen Tür im BMZ finden Sie hier.
Links
Teil 1: Chancen und Herausforderungen für rohstoffreiche Entwicklungsländer (19. August 2013) Teil 2: Keine Perspektive ohne Bildung (20. August 2013) Teil 3: Mit Köpfchen und Spaten gegen Hunger und Armut (21. August 2013) Teil 4: Hand in Hand: Naturschutz und Entwicklung in Benin (22. August 2013) BMZ: 14. Entwicklungspolitischer Bericht der Bundesregierung | Weißbuch zur Entwicklungspolitik (Kurzfassung) BMZ: 14. Entwicklungspolitischer Bericht der Bundesregierung | Weißbuch zur Entwicklungspolitik (Langfassung) BMZ: Entwicklungspolitisches Konzept plus: Chancen schaffen – Minds for Change | Zukunft entwickeln – Enhancing Opportunities BMZ: Flyer – Die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungspolitik (Mai 2012) BMZ: Lexikon der Entwicklungspolitik WorldWeWant gemeinsame Initiative von UNICEF und BMZ. Ruft Jugendliche dazu auf, die Ziele der Entwicklungspolitik mitzugestalten. Teil der aktuellen weltweiten Konsultationen über die neuen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen
