Viele Entwicklungsländer verfügen über ausgedehnte Rohstoffvorkommen. Trotz weltweit steigender Nachfrage nach Erdöl, Erdgas, Kohle und mineralischen Rohstoffen kann dieser Ressourcenreichtum jedoch oft nicht in eine nachhaltige Entwicklung umgemünzt werden.
Angesichts des weltweiten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums wird die Nachfrage nach Rohstoffen auch in Zukunft wachsen. Die steigende Nachfrage durch Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien hat in den vergangenen Jahren zu Verschiebungen auf den Rohstoffmärkten geführt. Für viele Entwicklungsländer bietet dies eine Chance: Die Rohstoffindustrie kann bedeutsame Einnahmen erzielen und dadurch eigene Finanzmittel für die nachhaltige Entwicklung von Partnerländern mobilisieren. Gleichzeitig stellt der Rohstoffsektor die betreffenden Länder aber auch vor große Herausforderungen. Es fehlt an Infrastruktur, Gesetzesvorgaben und Standards. Intransparenz, Korruption und lokale Konflikte verhindern, dass die Länder von ihren Bodenschätzen profitieren und für eine nachhaltige Entwicklung nutzen können. In vielen Entwicklungsländern stellen Rohstoffe bereits heute einen großen Teil der Exporteinnahmen. Hohe Deviseneinnahmen führen jedoch auch zu einer Aufwertung der lokalen Währung und damit oft zu einer ungewollten Schwächung der heimischen Industrie und zu nachlassender Kaufkraft. Es droht eine einseitige Abhängigkeit von den Rohstoffausfuhren und damit auch von der Weltwirtschaftslage. Als rohstoffarmes Land ist Deutschland auf eine langfristig sichere Versorgung mit Metallen, Mineralien und Energierohstoffen angewiesen. Die Energiewende und neue Technologien befeuern die Nachfrage nach seltenen Rohstoffen zusätzlich. Über 160 Länder beliefern Deutschland, darunter viele Entwicklungsländer. Das erkärte Ziel der Bundesregierung ist es, in fragilen Ländern rechtliche, soziale und ökologische Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Ressourcenwirtschaft zu etablieren und zugleich verlässliche Rohstoffpartnerschaften zu schließen. Hierzu hat Deutschland die außen-, wirtschafts- und entwicklungspolitischen Aktivitäten eng miteinander verzahnt.
Integrierte Rohstoffinitiative in der Mongolei
In der Mongolei hat das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) eine integrierte Rohstoffinitiative angestoßen. Das Land soll bei der Entwicklung seines umfangreichen Rohstoffsektors unterstützt werden. Konkret bedeutet dies zum Beispiel die Erleichterung von Investitionen in Bergbau und weiteren Stationen der Wertschöpfungskette. Dazu gehört auch die Nutzung der Rohstoffeinnahmen für neue wirtschaftliche Aktivitäten zum Ausbau der Infrastruktur. 2011 erklärte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in einem Interview mit der Zeit: „Wir wollen dabei helfen, Transparenz in der Vergabe von Schürfrechten herzustellen. Im Moment weiß niemand, wer wofür die Schürfrechte besitzt und welche Stoffe genau abgebaut werden. Aber nur, wenn das offiziell bekannt ist, kann die Nutzung eines Schürfrechts zu Einnahmen für den Staat führen. Und dieses Geld braucht die Mongolei, die bitterarm ist, um zum Beispiel in ländliche Strukturen zu investieren. Die Armut würde bekämpft und das Land unabhängiger von schwankenden Rohstoffpreisen.“
Aid for Trade
Im Zuge der Doha-Entwicklungsrunde der WTO hat die handelsbezogene Entwicklungspolitik seit 2001 unter dem Schlagwort Aid for Trade (AfT) politisch an Bedeutung gewonnen. Die Entwicklungsländer hatten zu Beginn der Verhandlungen auf die schlechten Erfahrungen mit der letzten Liberalisierungsrunde hingewiesen und Unterstützung im Bereich handelsbezogener Aktivitäten gefordert. In der darauf folgenden internationalen Diskussion entwickelte sich ein gemeinsames Verständnis, dass AfT Entwicklungsländer dabei unterstützen soll, möglichst großen Nutzen aus dem Welthandelssystem zu ziehen. Dabei wurde Handel als Instrument für Entwicklung begriffen, aber auch zunehmend erkannt, dass vielfältige Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Handelsliberalisierung zu mehr Handel und insbesondere zu mehr nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung beiträgt. Im Rahmen von AfT engagiert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit für die gezielte Einbindung ihrer Partnerländer in den weltweiten Handel und regionale Wirtschaftskreisläufe. Auch dadurch sollen neue Einkommensquellen für die Bevölkerung erschlossen und den Menschen Wege aus der Armut eröffnet werden. Red.
Tag der offenen Tür im BMZ
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) lädt am 25. August zu einem Tag der offenen Tür in seinen Amtssitz in Berlin ein. Geboten wird ein Programm aus Podiumsdiskussionen, internationalen Musik- und Tanzdarbietungen sowie Kulinarischem. Zahlreiche Botschaften stellen ihr Land und ihre Kultur vor. GIZ, KfW, Engagement Global und Nichtregierungsorganisationen präsentieren sich und ihre Arbeit. Zudem soll sich im Dialog mit Bürgern über Projektaktivitäten und neue Ideen ausgetauscht und zu entwicklungspolitischen Themen diskutiert werden. Sonntag, 25. August 2013, 10:00 – 18:00 Uhr im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Stresemannstraße 94, 10963 Berlin (S-Bahnstation Anhalter Bahnhof, Buslinien 123 und M41) Eine Übersicht über die Veranstaltungen am Tag der offenen Tür im BMZ finden Sie hier.
Links
Teil 2: Keine Perspektive ohne Bildung (20. August 2013) Teil 3: Mit Köpfchen und Spaten gegen Hunger und Armut (21. August 2013) Teil 4: Hand in Hand: Naturschutz und Entwicklung in Benin (22. August 2013) Teil 5: Diskriminierung: ungerecht – und teuer (23. August 2013) BMZ: 14. Entwicklungspolitischer Bericht der Bundesregierung | Weißbuch zur Entwicklungspolitik (Kurzfassung) BMZ: 14. Entwicklungspolitischer Bericht der Bundesregierung | Weißbuch zur Entwicklungspolitik (Langfassung) BMZ: Entwicklungspolitisches Konzept plus: Chancen schaffen – Minds for Change | Zukunft entwickeln – Enhancing Opportunities BMZ: Flyer – Die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungspolitik (Mai 2012) BMZ: Lexikon der Entwicklungspolitik WorldWeWant gemeinsame Initiative von UNICEF und BMZ. Ruft Jugendliche dazu auf, die Ziele der Entwicklungspolitik mitzugestalten. Teil der aktuellen weltweiten Konsultationen über die neuen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen

