Britische Entwicklungshilfe steckt Millionen in Luxusprojekte

Eine der CDC-Investitionen: ein Fünfsternehotel in Lagos, Nigeria. Foto:Protea

Eigentlich ist Entwicklungshilfe für die Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern vorgesehen. Millionen britische Pfund wurden stattdessen in sogenannte Gated Communities (geschlossene Wohnanlagen), Einkaufszentren und Luxuswohnungen investiert. Das geht aus Recherchen des Guardian hervor.

Die relativ unbekannte Beteiligungsgesellschaft Commonwealth Development Corporation (CDC) des britischen Entwicklungshilfeprogramms hat 154 Millionen Pfund in 44 Objekt- und Baugesellschaften in Afrika, Asien und Lateinamerika gesteckt. Nach Angaben des Guardian sind mindestens 20 dieser Gesellschaften Hotels, Einkaufszentren und Unternehmen, die geschlossene Wohnanlagen und Luxuswohnungen verwalten oder bauen.

Investitionen in Luxusprojekte

Die CDC geht davon aus, dass durch ihre Investitionen tausende Arbeitsplätze für arme Menschen im Bau- und Dienstleistungssektor geschaffen werden. Doch einige britische NGOs bezweifeln, dass die Finanzierung von Luxuseigentum als sinnvolle Nutzung britischer Entwicklungshilfegelder gelten kann. Im Folgenden eine Auflistung der Investitionen, die von der CDC getätigt wurden:

  • 2004 hat ein in El Salvador ansässiges Unternehmen rund 3,5 Millionen US-Dollar für den Bau von 10 geschlossene Wohnanlagen bekommen. Dies geschah trotz großer Bedenken, dass dieses Projekt zu Wasserknappheit und der Privatisierung der letzten Stückes unberührter Natur des Landes führen wird.  
  • In Kenia wurden 25 Millionen US-Dollar in das 13 Hektar große Garden City-Projekt gesteckt. Es sollen hunderte exklusive Wohnungen, ein Geschäftshotel und Afrikas größtes Einkaufszentrum entstehen.  
  • In Mauritius wurden mehr als 24 Millionen US-Dollar für Projekte eines Bauunternehmers ausgegeben, dessen Portfolio unter anderem ein sogenanntes Ocean Lifestyle Village umfasst. Weitere 500.000 US-Dollar gingen an eine elitäre Ganztagsschule, die vom Wellington College aus Berkshire verwaltet wird.
  • In Indien hat ein von der CDC unterstütztes Unternehmen das sogenannte erste internationale Luxusapartmentprojekt gebaut. Es rühmt sich damit, das Zuhause eines Forbes-Milliardärs, bekannten Unternehmers, CEOs, Geschäftsführers und Vorsitzenden zu sein. 

Seit die Regierung ihr Ziel erreicht hat, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe aufzuwenden, wird das zweckgebundene britische Entwicklungshilfebudget genauer unter die Lupe genommen. Verschiedene Minister setzen sich dafür ein, verstärkt private Investoren in die britische Entwicklungshilfepolitik einzubeziehen.

Ist die Finanzierung von Luxusprojekten Entwicklungshilfe?

Die Regierung würde „eine sehr finanzorientierte, sehr ungleiche und ideologisierte Form von Entwicklung exportieren, die großen Unternehmen hilft, aber nicht dem Durchschnittsbürger“, sagt Nick Drearden, Direktor der britischen NGO World Development Movement (WDM). „Wenn man in einem Slum in Nairobi lebt, ist es eine Beleidigung, zu sehen, dass Entwicklungshilfe für einen Block voller Luxuswohnungen ausgegeben wird.“

Ein CDC-Sprecher verteidigt die Investitionen. Man habe eng mit Entwicklungsforschern und Wirtschaftswissenschaftlern zusammengearbeitet, um herauszufinden, welche Sektoren die meisten Arbeitsplätze schaffen würden. „Der Bausektor wurde als Vorzugssektor genannt, da in diesem Bereich viele Arbeitsplätze für Nicht- oder Geringqualifizierte geschafften werden, die üblicherweise den ärmsten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern offenstehen“, sagt er.

Die CIC ist eine hundertprozentige Tochter des britischen Ministeriums für Internationale Entwicklung (DfID). Sie investiert in die Privatwirtschaft, mit dem erklärten Ziel, die Armut in den Entwicklungsländer zu verringern. Diese Investitionen zählen als Entwicklungshilfe und DfID ist ihr einziger Anteilseigner. Die CDC hält in ganz Afrika, von Ghana bis Sambia, Investitionen im Bau- und Eigentumssektor. Auch in Indien ist sie vertreten.

Viele Projekte scheinen der gesellschaftlichen Elite zugutezukommen. Eine Hochglanzbroschüre für das Garden City-Projekt in Nairobi mit seinen mehr als 400 Wohnungen und Stadthäusern prahlt:  „Vom aquamarinblauen Wasser der beheizten Swimmingpools, über die ultramodernen Einbauküchen und soliden Bambusböden bis hin zu den gläsernen Balkonbalustraden, Qualität ist das charakteristische Merkmal der Garden City.“

Azari, ein Bauunternehmen der von CDC unterstützen Indian Ocean Real Estate Company, fordert in einer Broschüre potenzielle Bewohner dazu auf: „Schließen Sie Ihre Augen und stellen Sie sich vor, die warme Brise des Indischen Ozeans einzuatmen und alles in sich aufzunehmen, was der Mauritische Lebensstil zu bieten hat.“ Azuri bietet „exklusives, hochwertiges Wohnen“ in einem am Meer gelegenen Ressort, mit Fünfsternehotel, Yacht-Club und Kur – „die ideale Umgebung, um körperlich und geistig aufzutanken.“

Politiker der Opposition stellen die Investitionen in Luxuseigentum in Frage. Jim Murphy, Schattenminister für internationale Entwicklung, sagt: „Die CDC wurde zur Wachstumsförderung und Bekämpfung der Armut gegründet. Es ist nicht nachvollziehbar, wie die Finanzierung von Luxusapartments und geschlossenen Wohnanlagen das leisten soll.“

Die CDC argumentiert mit dem Leitbild der Gesellschaft. Ziel sei es, den Aufbau von Geschäftsmodellen zu unterstützen und Arbeitsplätze in Afrika und Südasien zu schaffen. Durch ihre Investitionen würden mehr als eine Million Menschen in ungefähr 1.300 Betrieben in den ärmsten Ländern der Welt beschäftigt. Allein im Bausektor seien durch ihre Investitionen mehr als 9.000 Jobs geschaffen worden.

Ein Sprecher des Ministeriums für Internationale Entwicklung sagt: „Die CDC entscheidet alleine über die jeweiligen Investments und die Regierung hat strikte Regeln beschlossen, die verbindlich Arbeitsplatzschaffung, wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern einfordern.“

Nach eigenen Angaben hat die Beteiligungsgesellschaft seit 1995 keine Steuergelder bekommen. Stattdessen würde man Geld verwenden, das aus dem Verkauf früherer Geschäftsanteile stammt. Dennoch stehen noch 765 Millionen Pfund Steuergelder in ihren Büchern-das Ergebnis einer Umwandlung ausstehender Darlehen in Aktienkapital von 2004.

CDCs Portfolio bestand 2013 zu 6,8 Prozent aus Bau- und Immobilienprojekten. Der Infrastruktursektor war demnach mit ungefähr 25 Prozent am Wichtigsten, gefolgt von Finanzdienstleistungen, mit ungefähr 14 Prozent.

Mehr Luxus für die Reichen

Zusätzlich zu den Investitionen in exklusive Wohnanlagen hat die CDC-Beteiligungsgesellschaft Millionen in Einkaufszentren in ganz Afrika investiert, unter anderem in das Jabi Lake-Einkaufszentrum in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Dieses möchte „die Wünsche anspruchsvoller Nigerianer erfüllen, die nach einem überzeugenden Einkaufserlebnis mit Freizeiteinrichtungen und Marken suchen.“ In Nigeria wurde außerdem in zwei Protea Hotels investiert – darunter eines in Lagos, in dem eine Nacht mindestens 400 US-Dollar kostet.

Die Rechercheergebnisse des Guardians kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Es gibt wachsende Bedenken wegen der wachsenden Ungleichheit in den Metropolregionen der Welt. Schätzungen zufolge leben mehr als eine Milliarde Menschen in Elendsvierteln. „Wenn diese Ungerechtigkeit sich in der Bevölkerung festsetzt, kann sie Angst und auch Misstrauen auslösen“, sagt Joan Clos, Geschäftsführer des Programms der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen in Nairobi. „Mit dem Resultat, das die Segregation in den Städten zunimmt. Das ist weder aus soziologischer Sicht wünschenswert, noch ist es wirtschaftlich produktiv.“

„Es gibt bereits mehr als genug solcher Einrichtungen für Touristen, Auswanderer und die relativ große kenianische Mittelschicht“, sagt Dereje Alemayehu, der für Kenia zuständige Referent der Organisation Christian Aid. Bei Hotels und Einkaufszentren gäbe es also auch in Kenia keinen Nachholbedarf.

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