„Blood Timber“: EU-Holzhandel befeuert Krieg in Zentralafrika

Bewaffnete Gruppe in der Zentralafrikanischen Republik - erhalten künftig Milizen Geld von der EU? [hdptcar/Flickr]

Der Handel mit Holz zwischen Europa und der Zentralafrikanische Republik unterstützt bewaffnete Gruppen in dem seit 2013 tobenden Bürgerkrieg. Dabei handelt es sich laut einem Bericht von Global Witness um mehrere Millionen Euro, die zu einem großen Teil aus Deutschland kommen.

Internationale Forstwirtschaftskonzerne haben laut der Aktivistengruppe Global Witness in großem Umfang Rebellen in der Zentralafrikanischen Republik unterstützt. Mit finanziellen Zuwendungen an verschiedene Rebellengruppen hätten die Konzerne dafür gesorgt, dass sie trotz des bewaffneten Konflikts in dem Land illegal Holz exportieren konnten, schrieb die NGO in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht „Blood Timber“.

Die Holzindustrie zahlte laut Global Witness allein im Jahr 2013 knapp 3,4 Millionen Euro für Sicherheit und Checkpoints an die muslimische Rebellen-Allianz Séléka, die in dem Jahr die südliche Hauptstadt Bangui erobert hatte.

Holzhändler führten 2013 außerdem 3,7 Millionen Euro an Steuern ab. Das Jahr darauf zahlten sie dem Global-Witness-Bericht zufolge rund 127.000 Euro an die christlichen und animistischen Anti-Balaka-Milizen.

„Die Gebergemeinschaft hat die entwicklungspolitische Daseinsberechtigung der Holzindustrie in Zentralafrika lange Zeit schön geredet. Die mageren Vorteile für den dortigen Arbeitsmarkt stehen immens hohen Kosten für die Menschen in der Zentralafrikanische Republik gegenüber“, heißt es in dem Bericht.

Global Witness wirft Europa in drei Bereichen „Mittäterschaft“ bei der Finanzierung des Konflikts in Zentralafrika vor. Im Bereich Handel schreibt die Organisation dem deutschen Unternehmen Johann D. Voss und dem französischen Unternehmen Tropica-Bois eine „Schlüsselrolle“ zu.

Im Bereich illegale Importe beklagt die Organisation, dass die EU-Mitgliedstaaten die Einfuhr unrechtmäßiger Holzlieferungen zuließen. Europa sei der wichtigste Exportabnehmer für Holz aus Zentralafrika.

Im Bereich Entwicklungshilfe kritisiert Global Witness Frankreich, das den Holzeinschlagunternehmen Entwicklungshilfe in Millionenhöhe gezahlt habe.

Mit der Eroberung von Bangui schlugen die Séléka-Rebellen 2013 Ex-Präsidenten François Bozizé ins Exil nach Kamerun.

Seit vergangenem Jahr ist eine Übergangsregierung im Amt, im Oktober wählt das Land einen neuen Präsidenten, und das obwohl rund ein Drittel der 4,5 Millionen Menschen als Flüchtlinge im Ausland verweilen.

Die Zentralafrikanische Republik war ein Haupt-Exporteur von Diamanten bis Mai 2013, als der Kibmerly-Prozess jegliche Auslieferung von Rohdiamanten untersagte. Seither hat der Handel mit Holz das Blutdiamanten-Geschäft ersetzt.

Deutschland, Frankreich und China sind laut dem Bericht die größten Kunden von zentralafrikanischem Holz.

„Weder Diamanten noch Holz können in einer nachhaltigen und friedensstiftenden Weise abgebaut werden“, sagt Alexandra Pardal von Global Witness. „Die Menschen sind die größten Verlierer in dem Land, das eines der rohstoffreichsten Länder der Welt ist.“

Mindestens 5.000 Menschen sind dem Bürgerkrieg in Zentralafrika zum Opfer gefallen. Knapp eine Millionen Menschen sind seit dem Ausbruch des Konflikts geflüchtet.

Das Flüchtlingswerk UNHCR kritisierte die jüngste Entscheidung der Übergangsregierung, rund 460.000 Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik, die sich derzeit in Nachbarländern aufhalten, von der Teilnahme an den Präsidentenwahlen im Oktober auszuschließen.

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