Beerfeltz: „Afrikanische Staaten von chinesischer Entwicklungshilfe enttäuscht“

In der Entwicklungs­zusammen­arbeit hat sich Chinas Rolle gewandelt – vom Empfänger­land westlicher Entwicklungs­hilfe zu einem Geber in Asien und Lateinamerika, vor allem aber in Afrika. Foto: dpa

China als neue Hegemonialmacht in Afrika? Das seit Jahren starke Engagement der Volksrepublik auf dem afrikanischen Kontinent sorgt bei vielen europäischen und amerikanischen Organisationen für Skepsis. Doch BMZ-Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz beruhigt: Viele afrikanische Staaten seien über den neuen Partner China „massiv frustriert“.

Die chinesische Entwicklungspolitik wird in den USA, aber auch in der EU seit Jahren mit Argusaugen beobachtet. Viele werfen der Volksrepublik vor, unter dem Vorwand der Entwicklungshilfe allein nationale Interessen zu verfolgen. Zudem wird befürchtet, China könne den Einfluss der seit vielen Jahrzehnten in der Entwicklungshilfe tätigen europäischen Staaten und der USA in den afrikanischen Staaten schmälern.

Doch: "Die Situation ist eher umgekehrt", erklärte Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Gerade in Afrika würden deutsche Entwicklungshelfer oftmals eine große Enttäuschung über das Vorgehen Chinas feststellen. "China hatte sich dort mit großen Vorschusslorbeeren in vielen Staaten etabliert, die heute massiv frustriert sind", so Beerfeltz.

Die afrikanischen Staaten würden allmählich erkennen, dass die Volksrepublik oft sehr direkt ihre Interessen umsetze und "wenig entwicklungsförderlich" sei, sagte Beerfeltz. So werde bei chinesischen Infrastrukturprojekten, aber auch direkt bei Rohstoffeinrichtungen nur selten einheimisches Personal eingesetzt, sondern eigenes Personal aus China mitgebracht. Die Enttäuschung darüber führe wieder vermehrt zu einem Rückgriff auf altbekannte Entwicklungshilfepartner. "Viele Länder rufen gerade zu danach, […] eine größere Vielfalt von Unterstützungsmöglichkeiten und Kooperationsformen mit anderen hinzubekommen", sagte Beerfeltz.

Deutschlands geostrategisches Interesse

Die langsame Rückwendung afrikanischer Staaten zu den traditionellen Entwicklungshilfepartnern kommt offenbar nicht nur der deutschen Entwicklungshilfe entgegen. "Ich will auch nicht verschweigen, dass wir hier ein geostrategisches Interesse haben als Bundesrepublik Deutschland, wenn Sie insbesondere an die Metalle der Seltenen Erden denken", sagte Beerfeltz.

Zwar verfüge China selbst über die weltweit größten Vorkommen dieser für die Produktion vieler High-Tech-Produkte unverzichtbaren Metalle. China schaue in Afrika jedoch sehr genau, um für sich weitere, zusätzliche Marktbeherrschung zu erlangen, so Beerfeltz. "Das kann nicht gut sein. Das ist nicht in unserem Interesse. Aber ich denke, das ist auch nicht im Interesse vieler anderer Länder."

Neues afrikanisches Selbstbewusstsein

Die Anwesenheit Chinas sorge für ein wachsendes Selbstbewusstsein in den afrikanischen Staaten, erklärte GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner. "Natürlich bringt es diese Länder in eine neue Ausgangssituation, wenn sie sagen: ‘Macht ihr das nicht, können’s auch die anderen’". Daher sei nun die Frage, wie man mit einem neuen selbstbewussten Partner umgehe. "Ich glaube, dass dort ein partnerschaftlicher gemeinsamer Ansatz in unserem Interesse ist", so Gönner.

Seit Jahren engagiert sich China massiv in Entwicklungshilfeprojekten in Afrika. Eine Studie von AidData, einem Zusammenschluss amerikanischer Forschungseinrichtungen, bezifferte den Umfang der chinesischen Investitionen im Zeitraum 2000 bis 2011 zuletzt auf rund 75 Milliarden US-Dollar. Damit lag die Volksrepublik direkt hinter dem Spitzenreiter USA, die im gleichen Zeitraum rund 90 Milliarden US-Dollar in Entwicklungshilfe in Afrika investierten. In den Jahren 2006, 2009 und 2010 war der Umfang der finanziellen Mittel aus China sogar deutlich höher als der der USA. Peking investiert dabei besonders in große Infrastrukturprojekte.

Sarah-Maria Hartmann

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