Durch eine Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen könnte der Hunger in den Entwicklungsländern dramatisch verringert werden, heißt es in einem UN-Bericht. Dieser fordert zudem das Ende der unterschiedlichen Geschlechterbehandlung bei der Vergabe von Land und Entwicklungshilfegeldern.
Mehr als 30 Prozent der Lebensmittelproduzenten weltweit sind Frauen. Sie stehen jedoch vor gravierenden Herausforderungen. So werden sie bei der Vergabe oder der Vererbung von Land und in den Bereichen Finanzen und Technologien häufig benachteiligt. Dies geht aus dem am Montag (4. März) veröffentlichten Bericht des UN-Sonderberichterstatters für Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, hervor.
"Wenn Frauen der gleiche Zugang zu Bildung gewährt würde, würden einige Puzzleteile der Ernährungssicherheit an den richtigen Platz fallen", sagte De Schutter bei der Vorstellung des Berichts "Geschlechter und das Recht auf Nahrung". "Die Ausgaben der Haushalte für Lebensmittel werden steigen, die Gesundheit von Kindern wird sich verbessern und Sozialsysteme werden neugestaltet – von Frauen für Frauen – um Unterstützung mit den bestmöglichsten Effekten zu liefern."
Das europäische Konzept
Fünf Tage vor der Veröffentlichung des Berichts hatte die EU-Kommission ihre Verhandlungsposition für die Zeit nach den Millenniumentwicklungszielen (MDG) dargelegt, die 2015 auslaufen.
Die Mitteilung der Kommission "Ein menschenwürdiges Leben für alle" sieht einen Handlungsrahmen nach 2015 vor, um die Armut in der Welt zu beseitigen. Dieser neue Handlungsrahmen sollte den "Schwerpunkt auf den Übergang zu einem auf Rechten basierenden Entwicklungsansatz, auf die Verringerung von Ungleichheiten, Förderung und Schutz der Rechte von Frauen und Kindern, die Gleichstellung der Geschlechter, Transparenz und auf Korruptionsbekämpfung legen."
Die Kommission fordert die EU dazu auf, die Ziele aus dem globalen Gender-Aktionsplan 2010-2015 durchzusetzen. Als wichtiger Geber bei der Entwicklungshilfe könnte die EU die Empfängerländer dazu ermutigen, die Chancen für Frauen und Mädchen zu verbessern.
Mehr Möglichkeiten für Frauen
In dem Bericht von De Schutter heißt es, dass die Ausbildung von Frauen der wichtigste Faktor bei der Nahrungsmittelsicherung ist. 43 Prozent des Hungers könnten dadurch in Entwicklungsländern reduziert werden. Dagegen wären es bei einem verbesserten Nahrungsmittelzugang 26 Prozent.
Die Regierungen werden dazu aufgerufen, weibliche Lebensmittelproduzenten mehr durch staatliche Projekte zu unterstützen. Dazu zählen zum Beispiel Bewässerungsanlagen oder eine neue Gesetzgebung, um Frauen den Erwerb oder das Erben von Land zu erlauben.
"Es gibt Hinweise darauf, dass es in Staaten, in denen Frauen keine Erwerbsrechte für Ländereien oder keinen Zugang zu Krediten haben, 60 bis 85 Prozent mehr unterernährte Kinder gibt", heißt es in dem Bericht.Ungleichgewichte bei der Ressourcenverteilung müssen ebenfalls angegangen werden, sagte der Berichterstatter. Frauen haben schlechteren Zugang zu Düngemitteln, Pestiziden, Saatgut, Werkzeugen und Technologie. Das liege zum Teil an den starken Beschränkungen auf dem Markt und in den landwirtschaftlichen Genossenschaften und Organisationen, so De Schutter.
EURACTIV.com
Links
EURACTIV Brüssel: UN report: Women’s education key to food security (4. März 2013)
UN: Report – Women’s rights and the right to food
EU-Kommission: Ein menschenwürdiges Leben für alle: Beseitigung der Armut und Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft für die Welt (27. Februar 2013)

